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08.03.2013 17:40

Aktuelle Zahlen zu Krebserkrankungen

Rüdiger Labahn Informations- und Pressestelle
Universität zu Lübeck

    Darmkrebs nimmt weiter ab, Lungenkrebs bei Frauen steigt

    Der interaktive Atlas der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister e.V. (GEKID) präsentiert ab sofort unter www.gekid.de die aktuellen Zahlen zum Krebsgeschehen aus den epidemiologischen Krebsregistern der Bundesländer.
    „Erfreulich sind weiter sinkende Neuerkrankungsraten beim Darmkrebs. Verglichen mit dem Jahr 2004 ist die altersbereinigte Erkrankungshäufigkeit im Jahr 2010 um mehr als 10% gesunken“, erklärt der Vorsitzende der GEKID, Prof. Dr. Alexander Katalinic, Universität zu Lübeck.

    Im Jahr 2010 wurden 63.000 Personen einer neuen Darmkrebserkrankung registriert, im Jahr 2004 waren es 66.000. Auch die Darmkrebssterblichkeit ist mit 25.700 Todesfällen die niedrigste der letzten 20 Jahre. „Dieser Rückgang dürfte, neben verbesserten Therapiemöglichkeiten auch auf die Einführung der Darmkrebsspiegelung als Früherkennungsmaßnahme im Jahr 2002 zurückzuführen sein“, sagt Katalinic.

    Für das Jahr 2010 geht die GEKID aufgrund der Daten der Landeskrebsregister von etwa 480.000 neuen Krebserkrankungen in Deutschland aus. Im Ländervergleich, für den erstmals auch aus Hessen belastbare Daten vorliegen, erkranken Männer in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und dem Saarland am häufigsten an Krebs, in diesen drei Regionen liegen die Neuerkrankungsraten um rund 10% bzw. 5% über der Deutschlandschätzung (504/100.000 und 455/100.000, jeweils altersstandardisierte Rate, Europa-Standardbevölkerung). Bei den Frauen werden die häufigsten Krebsneuerkrankungen in den nördlichen Bundesländern Hamburg (397/100000), Schleswig-Holstein (380/100.000) und Niedersachsen (365/100.00) festgestellt, die über der Deutschlandschätzung der GEKID (344/100.000) liegen.

    Häufigste Tumorart beim Mann ist mit etwa 65.000 Fällen weiterhin das Prostatakarzinom, gefolgt von Darmkrebs (34.000) und Lungenkrebs (33.000). Bei der Frau ist trotz eines leichten Rückgangs Brustkrebs weiterhin die häufigste Tumorerkrankung (69.000), gefolgt ebenfalls von Darm- und Lungenkrebs (29.000 bzw. 16.000).

    „Während bei Lungenkrebsneuerkrankungen der Trend für Männer in allen Ländern nach unten zeigt, ist für Frauen der kontinuierlicher Anstieg Lungenkrebserkrankungen deutlich zu erkennen,“, erklärt Dr. Stefan Hentschel, der 2. Vorsitzende der GEKID. „Zwar erkranken immer noch deutlich mehr Männer an Lungenkrebs als Frauen (im Jahr 2010 etwa 33.000 Männer und 16.000 Frauen). Wir sollten aus der erkennbaren Zunahme der Lungenkrebserkrankungen bei Frauen auch Schlüsse ziehen. Nach epidemiologischen Erkenntnissen ist der weit überwiegende Anteil aller Lungenkrebsfälle auf das Rauchen zurückzuführen. Das zeigt, dass Nichtraucher-Schutz und Rauchentwöhnung gar nicht eindringlich genug beworben werden können.“

    Interessanterweise ist der Lungenkrebs auch einer der Tumorarten mit den größten regionalen Unterschieden in Deutschland. Die altersbereinigten Erkrankungsraten bei Männern liegen im Saarland und in Mecklenburg-Vorpommern rund 60 % über denen aus Bayern. Bei den Frauen sind die geringsten Raten in Sachsen und Thüringen zu beobachten (ca. 15/100.000). In Bremen, im Saarland, in Berlin, Hamburg und Schleswig-Holstein wird mehr als doppelt so häufig ein Lungenkrebs bei Frauen diagnostiziert (ca. 35/100.000).

    Mit der Einführung des für Versicherte kostenfreien Hautkrebsscreening beim Hausarzt oder beim Hautarzt sind die erfassten Hautkrebserkrankungszahlen im Jahr 2008 sprunghaft angestiegen. Sie liegt jetzt immer noch 20% höher als vor Einführung des Screenings. Dies ist ein erster Beleg dafür dass das Hautkrebsscreening funktioniert. Auch beim Hautkrebs gibt es deutliche regionale Unterschiede. Im Süden und Westen Deutschlands (Bayern, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Hessen und NRW) finden sich hohen Raten, im Osten Deutschlands (Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt) eher geringe Raten.

    Beim Gebärmutterhalskrebs, der häufig auch jüngere Frauen betrifft, hat sich die Erkrankungsrate der letzten Jahre kaum geändert. Trotzdem gibt es zwischen den Bundesländern deutliche Unterschiede. Saarländerinnen erhielten diese Diagnose im Jahre 2010 etwa doppelt so häufig wie Bremerinnen. Auch die Sterblichkeit an Gebärmutterhalskrebs in den beiden Ländern unterscheidet sich um den Faktor 2. Vom Gebärmutterhalskrebs sind anders als bei vielen anderen Tumorarten sehr häufig auch jüngere Frauen betroffen.

    Weitere Zahlen, Diagramme und Karten für die einzelnen Bundesländer für „Krebs insgesamt“ und für 23 einzelne Tumorarten bzw. –gruppen kann jeder selbst im Internet unter www.gekid.de nachsehen und vergleichen. Der neue aktualisierte Atlas der GEKID – mit Zahlen bis 2010 – hilft allen Interessierten, sich selbst ein Bild über das Krebsgeschehen in den Bundesländern Deutschlands zu machen.

    Hintergrund

    In der GEKID e.V. sind alle deutschen epidemiologischen Krebsregister und verschiedene Wissenschaftler vertreten. Sie setzten sich insbesondere für die Förderung der bevölkerungsbezogenen Krebsregistrierung und der Krebsforschung ein. Für den Atlas haben die epidemiologischen Landeskrebsregister ihre aktuellen Fallzahlen der gemeldeten Krebsneuerkrankungen zu den Jahren 1995 bis 2010 zusammengeführt. Für 15 von 16 Bundesländern liegen jetzt empirische Zahlen zu beobachteten Krebsneuerkrankungsfällen in Deutschland vor.

    Zur orientierenden Einordnung der Angaben für die Einzelländer hat die GEKID aus den Daten der Landeskrebsregister einen deutschen Vergleichsstandard hochgerechnet. Ergänzend werden für den gleichen Zeitraum in dem Atlas auch Daten zur Krebssterblichkeit präsentiert. Diese beruhen auf der Basis der Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamts für alle Bundesländer.

    Für Rückfragen zu einzelnen Länder stehen die jeweiligen Landeskrebsregister gerne zur Verfügung, deren Kontaktdaten ebenfalls über die Homepage www.gekid.de erhältlich sind.


    Weitere Informationen:

    http://www.gekid.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
    Gesellschaft, Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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