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16.06.2017 13:00

High-Tech-Strahlentherapie – gerade auch für Patienten in der Palliativsituation!

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.

    High-Tech-Verfahren und Palliativmedizin – für medizinische Laien mag das wie ein Widerspruch klingen. Doch gerade bei Patienten in der Palliativsituation ist die Indikation für die High-Tech-Strahlentherapie gegeben. „Den Patienten, die keine Aussicht auf Heilung haben, ist es wichtig, dass die verbleibende Lebenszeit zum einen noch möglichst lang, zum anderen aber auch möglichst beschwerdefrei ist. Radioonkologische High-Tech-Verfahren, die eine hohe Effektivität gegen den Tumor bei geringer Toxizität aufweisen, können diese Anforderungen erfüllen“, erklärt Prof. Dr. Stefan Höcht, Saarlouis, Kongresspräsident der 23. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO).

    Ziel der Palliativmedizin ist es, den Patienten in der letzten Lebensphase Linderung und eine bestmögliche Lebensqualität zu ermöglichen. Dafür kommen radioonkologische Hightech-Verfahren in Betracht, wenn sie eine hohe Effektivität gegen den Tumor bei geringer Toxizität aufweisen. Oft ist mit einer High-Tech-Strahlentherapie sogar eine dauerhafte Kontrolle der Tumorerkrankung zu erreichen, so dass die Grenze zwischen palliativem und kurativem Therapieansatz zunehmend unschärfer wird. Auch haben andere Innovationen in der Krebstherapie (sei es im Bereich der Chemotherapie, TKIs und Antikörpern) dazu geführt, dass manche Krebserkrankungen immer mehr zu einer chronischen Erkrankung werden, mit denen die Patienten z.T. recht lange leben können. Angesichts dieser Chronifizierung ist eine dauerhaft wirksame und nebenwirkungsarme Therapie von besonderer Bedeutung, um den Patienten eine hohe Lebensqualität zu ermöglichen. Die High-Tech Strahlentherapie nimmt in diesem Kontext einen besonderen Stellenwert ein, da sie mit guten Langzeitergebnissen – nicht nur im Hinblick auf die Tumorkontrolle, sondern auch im Hinblick auf die Lebensqualität – einhergeht.

    Eine auf dem Kongress präsentierte Studie einer Arbeitsgruppe aus Hamburg [1] ergab beispielsweise, dass die stereotaktische ablative Radiotherapie (SABR), eine millimetergenaue, hochkonzentrierte Bestrahlung von Tumorgewebe, zur Behandlung von Nebennierenmetastasen mit einer Dosis von 10x5Gy/2Wochen sicher, gut verträglich und effektiv ist. Nebennierenmetastasen treten bei 11 – 27 % aller Tumorerkrankungen auf, von denen in ca. 35% Bronchialkarzinome die Ursache sind. Durch die High-Tech-Bestrahlung wurde in dieser Studie bei 3/22 Patienten (14%) eine „stable disease“ (weder

    Progression noch Remission) erzielt, 15/22 (68%) hatten eine partielle Remission, 4/22 Patienten (18%) sogar eine Komplettremission. Die Verträglichkeit war sehr gut: 7/20 Patienten (35%) hatten keinerlei Therapiefolgen, 10/20 Patienten (50%) geringe Symptome (Fatigue). Nur 3/20 Patienten (15%) entwickelten eine Fatigue Grad 2/3. Gravierendere Nebenwirkungen traten nicht auf.

    Ähnlich vielversprechend waren auch die Ergebnisse einer retrospektiv multizentrischen Analyse der lokal ablativen Bestrahlung (SBRT) von primären Lebertumoren (hepatozelluläre Karzinome und cholangiozelluläre Karzinome) [2], die die Arbeitsgruppe SBRT der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) durchgeführt hatte und auf dem Kongress vorstellte. Die Lokalkontrolle war 89%, 87% und 83% bei 12, 18 und 24 Monaten, das mediane Gesamtüberleben betrug 16,7 Monate. Die Rate an Gastroduodenitiden (Schleimhautentzündungen im Magen und Zwölffingerdarm) Grad 2 oder 3 lag bei jeweils 2% und 1%. Daten zu anderen Toxizitäten waren nur bei 41% vorhanden und ≥ Grad 2-Toxizitäten traten nur bei 4% der Patienten auf. Nun sollen prospektive Studien angeschlossen werden, um die Rolle der SBRT bei primären Lebertumoren weiter zu validieren.

    Eine weitere in Deutschland durchgeführte Studie [3] konnte zeigen, dass ist für ausgewählte Metastasen in bewegten Organen die robotergestützte und bewegungskompensierte SBRT mit hohen Lokalkontrollraten und wenigen Nebenwirkungen assoziiert ist. Die 2-Jahres Lokalkontrollrate (LC) lag bei 95,4% und das 1- und 2-Jahres Gesamtüberleben (OS) bei jeweils 84,8% und 45,0%.

    Wie DEGRO-Pressesprecherin, Professor Stephanie Combs, kommentierte, dokumentieren diese Studien das große Potenzial, das radiologische High-Tech-Verfahren für Palliativpatienten haben: „Kaum eine andere onkologische Therapie ist in der Pallativsituation im Hinblick auf Wirkungs- und Nebenwirkungsprofil so günstig wie die radioonkologische High-Tech-Verfahren!“

    Referenzen
    [1] Koos V, Kretschmer M, Dahle J et al. Stereotaktische ablative Radiotherapie (SABR) von Nebennierenmetastasen: hohe Effektivität bei geringen Toxizitäten. Abstract DEGRO 2017. V15-2
    [2] Brunner T, Andratschke N, Gerum S et al. Wirksamkeit und Verträglichkeit der stereotaktischen Radiotherapie für primäre Lebertumoren in der klinischen Routineanwendung . Eine Patterns-of-Care und Ergebnis-Analyse. Abstract DEGRO 2017.
    V15-1
    [3] Stadtfeld S, Balermpas P, Huttenlocher S et al. Langzeit-Ergebnisse der GTV-Dosis optimierten robotergestützten SBRT von Leber- und Lungenmetastasen mittels Atemausgleich-System. Abstract DEGRO 2017. V15-3

    Kongress-Pressestelle DEGRO 2017
    Dr. Bettina Albers I Jakobstrasse 38 I 99423 Weimar
    Tel. 03643/ 776423 I Mobil 0174/2165629


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

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