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24.01.2018 13:51

Hochschule Mainz erhält DFG-Förderung zur Erschließung des Nachlasses von Van Gogh TV

Bettina Augustin M. A. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Mainz

    Das Erbe der ersten HackerInnen und KünstlerInnen von Online-Kommunikation ist Gegenstand eines Forschungsprojekts, das sich mit der Erschließung und Dokumentation des Nachlasses der Medienkunstgruppe Van Gogh TV beschäftigt.

    Van Gogh TV, ein Kollektiv von HackerInnen und KünstlerInnen, die Anfang der 1990er Jahre zukunftsweisende Online-Kommunikationsprojekte entwickelt haben, steht im Zentrum eines Forschungsprojekts, für das die Hochschule Mainz eine Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erhalten hat. Start des auf drei Jahre angelegten Projekts ist der 1.April 2018. Die Fördersumme liegt bei insgesamt 636.000 €, von denen 351.000 € an die Hochschule Mainz gehen. Beantragt wurde das Projekt von Prof. Anja Stöffler (Institut für Mediengestaltung der Hochschule Mainz) und Prof. Dr. Jens Schröter, Medienwissenschaftler an der Universität Bonn. Die Projektleitung liegt bei Prof. Dr. Tilman Baumgärtel (Institut für Mediengestaltung der Hochschule Mainz).
    „Für eine Hochschule stellt die Einwerbung einer DFG-Förderung noch immer eine Auszeichnung dar, denn die Förderquote von DFG-Projektanträgen aus Hochschulen liegt bei ca. 0,5%.“, freut sich Gerhard Muth, Präsident der Hochschule Mainz. „Wir sind daher stolz, das Erbe der ersten Online-Kommunikationskünstler untersuchen zu dürfen“.

    Vorläufer der Sozialen Medien
    Mit Projekten wie „Piazza Virtuale“, präsentiert während der documenta 1992, hat Van Gogh TV Vorläufer der Sozialen Medien der Gegenwart wie Facebook oder Twitter geschaffen. Mit Hilfe der medialen Mittel, die Van Gogh TV kurz vor dem Aufkommen des Internets zur Verfügung standen, entwickelte die Gruppe eine kollaborative Medienpraxis, ein “many-to-many”-Netzwerk, das eine Alternative zum traditionellen Modell der Massenmedien darstellen sollte. Zu dieser Medienpraxis gehörten Fernsehsendungen, die während der documenta jede Nacht über Sender in Deutschland, Österreich und Japan ausgestrahlt wurden.
    Das Forschungsprojekt wird sich seinem Gegenstand auf vier verschiedene Weisen nähern. Zunächst soll der Nachlass der Gruppe dauerhaft gesichert werden. Mehr als 2000 Stunden analoger Videomitschnitte, Akten, digitale Dateien und E-Mails sollen für die langfristige Aufbewahrung im documenta-Archiv in Kassel vorbereitet werden, in dem sie auch anderen Forschern zugänglich sind.

    Oral History
    Um eine “Oral History” des Projekts zu erstellen, die das Archivmaterial kontextualisiert und später in Buchform erscheinen wird, sollen zudem die mehr als 50 MitarbeiterInnen von Van Gogh TV interviewt werden. Das gesammelte Material soll die Basis für eine medienwissenschaftliche Monographie über die Arbeit der Gruppe und die Entstehung neuer Medientypen bilden – denn das Werk von Van Gogh TV ist ein idealer Ausgangspunkt, um zu analysieren, wie technologischer Fortschritt unter anderem in der Kunst vorweggenommen wird, bevor er sich durchsetzt.

    Ausstellung, Film und Website
    Die Möglichkeiten, die sich aus der Kooperation zwischen einer Universität und einer Hochschule mit Schwerpunkt auf angewandter Gestaltung ergeben, sollen genutzt werden: Neben den wissenschaftlichen Publikationen soll das erhobene Material auch Grundlage einer Ausstellung, einer Filmdokumentation und einer Website bilden, die die Rechercheergebnisse in multimedialer Form auch einer nicht-akademischen Öffentlichkeit zugänglich machen.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Informationstechnik, Kulturwissenschaften, Kunst / Design, Medien- und Kommunikationswissenschaften
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
    Deutsch


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