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25.04.2018 01:01

Rhythmus ist entscheidend für Trommelsprache

Sandra Jacob Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie

    Wie kann eine ganze Sprache in Trommelschläge „übersetzt“ werden? Ein internationales Forscherteam, darunter Frank Seifart und Sven Grawunder aus der ehemaligen Abteilung für Linguistik am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und Julien Meyer von der Université Grenoble Alpes in Frankreich, hat die Trommelsprache der Boras im nordwestlichen Amazonasgebiet erforscht. Sie haben herausgefunden, dass die Boras nicht nur die Melodie von Wörtern und Sätzen ihrer vom Aussterben bedrohten Sprache mit Trommelschlägen nachahmen, sondern auch ihren Rhythmus. Dies legt nahe, dass Sprachrhythmus bei der Sprachverarbeitung eine wichtigere Rolle spielt als bisher angenommen.

    Die menschliche Stimme kann vielfältige akustische Signale erzeugen, um Informationen zu übertragen. Diese Übertragung hat aber normalerweise nur eine Reichweite von etwa 200 Metern. Die Boras, eine etwa 1.500 Mitglieder umfassende indigene Gruppe, die in kleinen Gemeinschaften im Amazonas-Regenwald Kolumbiens und Perus leben, können diese Reichweite verhundertfachen, indem sie Wörter und Sätze mit Trommelschlägen nachahmen. Dazu benutzen die Boras Manguaré-Trommel-Paare. Diese werden traditionell aus einzelnen Holzstämmen von jeweils zwei Metern Länge durch Ausbrennen hergestellt. Jede Trommel kann zwei Tonhöhen erzeugen, ein Trommelpaar also insgesamt vier.

    Öffentliche Ankündigungen übermitteln

    Die Boras benutzen die Manguaré-Trommeln auf zwei verschiedene Arten: Im „musikalischen Modus“ spielen sie zuvor auswendig gelernte Trommel-Sequenzen mit wenig oder keiner Variation bei Ritualen und auf Festivals. Im „Sprechmodus" hingegen übermitteln sie relativ informelle Nachrichten und öffentliche Ankündigungen. „Manguaré wird zum Beispiel verwendet, um jemanden zu bitten, etwas mitzubringen oder etwas zu tun, um das Ergebnis alkoholfreier Trinkwettbewerbe oder die Ankunft von Besuchern bekannt zu geben“, sagt Seifart, der der ehemaligen Abteilung für Linguistik am Leipziger Max-Planck-Institut angehörte, wo ein Großteil der jetzt veröffentlichten Studie entstand. „In diesem Modus werden nur zwei Tonhöhen verwendet, und jeder Trommelschlag entspricht einer Silbe eines gesprochenen Bora-Wortes. Die Mitteilungen enthalten durchschnittlich 15 Wörter, beziehungsweise 60 Trommelschläge.“

    Auf den Rhythmus kommt es an

    Eine erstaunliche Vielfalt von Nachrichten kann übermittelt werden, indem Ton und Rhythmus nachgeahmt werden, wobei die Nachrichten so formuliert werden, dass verbleibende Unklarheiten ausgeräumt werden. „Der Rhythmus erweist sich im Bora bei der Unterscheidung von Wörtern als ausschlaggebend“, sagt Seifart. „Es gibt vier rhythmische Einheiten, je nach der Länge der Pausen zwischen den einzelnen Schlägen. Diese Einheiten entsprechen Vokal-zu-Vokal-Intervallen mit verschieden vielen Konsonanten und Vokallängen. Die zwei durch getrommelte Sprache dargestellten phonologischen Töne tragen nur wenig zur Bedeutung bei. Für die Verständlichkeit des getrommelten Boras ist also der Rhythmus entscheidend.“

    Dies ist ein weiterer Beleg für die Rolle der aus Vokal-zu-Vokal-Intervallen bestehenden rhythmischen Strukturen im komplexen Zusammenspiel redundanter und distinktiver akustischer Merkmale gesprochener Sprache.

    Weitere Ansprechpartner:

    Dr. Frank Seifart
    Amsterdam Center for Language and Communication
    University of Amsterdam
    +31 63 7172-346
    f.c.seifart@uva.nl

    Dr. Sven Grawunder
    Abteilung für Verhalten, Ökologie und Kultur des Menschen
    Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig
    0341 3550-326
    grawunder@eva.mpg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Kulturwissenschaften, Musik / Theater, Sprache / Literatur
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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