idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
12.12.2018 11:33

Erhebliche Gefahr für Brieftaubenbestände

Lisa Dittrich Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Justus-Liebig-Universität Gießen

    Kürzlich entdeckter Parasit verursacht schwere Erkrankungen bei Tauben und anderen Vogelarten – Auch Erhaltungszuchtprogramme von Papageien betroffen

    Ein bislang weitgehend unbekannter Parasit stellt nach der Studie eines Forscherteams unter der Leitung des Vogelmediziners Prof. Dr. Michael Lierz (Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische der Justus-Liebig-Universität Gießen) eine erhebliche Gefahr für Brieftauben und andere Vogelarten dar. Der erst kürzlich entdeckte Parasit Sarcocystis calchasi verursacht eine schwere und meist tödliche Erkrankung, die mit einer Gehirnentzündung einhergeht. Übertragen wird die Krankheit von Habichten und Sperbern, die als Endwirte des Parasiten gelten. Zu den Vogelarten, die daran erkranken, zählen vor allem Brieftauben und Wildtauben, aber laut der Studie, die jetzt in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ erschienen ist, werden auch Papageienarten befallen. Dies stellt insbesondere eine Gefahr für Artenschutzprogramme und Erhaltungszuchten dar, da auch Papageien oft in Außenvolieren gehalten werden und dort in Kontakt mit Habicht- oder Sperberkot kommen können.

    Zunächst waren natürliche Infektionen mit diesem Erreger ausschließlich aus dem Raum Berlin bekannt. In der DFG-geförderten Studie gelang eine erfolgreiche und vollständige epidemiologische Untersuchung des Erregers in Deutschland. Es zeigte sich, dass 7,34 Prozent von 368 Habicht- und Sperberproben positiv für S. calchasi-DNA waren. Ein vergleichbares Vorkommen mit 8,6 Prozent von 512 positiven Proben wurde bei den Ringeltauben festgestellt. S. calchasi ist flächendeckend in Deutschland sowohl bei den Endwirten als auch den freilebenden Zwischenwirten verbreitet. Eine Zunahme des Befalls konnte in vier aufeinanderfolgenden Jahren nicht festgestellt werden. Das deutet darauf hin, dass der Parasit offenbar schon länger verbreitet ist, und sich nicht, wie nach Entdeckung des Parasiten befürchtet, aktuell weiter ausbreitet.

    Die auffällige schwerwiegende Erkrankung von Brieftauben ist vermutlich der potentiell höheren Infektionsdosis von in Volieren gehaltenen Vögeln im Vergleich zu freilebenden Wildtauben geschuldet. Für Wildtauben scheint der Erreger somit ein überschaubares Risiko darzustellen, während das Risiko für Tauben in Menschenobhut sehr hoch ist. Dies gilt nicht nur für Brieftaubenbestände, sondern vielmehr auch für stark bedrohte Taubenarten, welche in Erhaltungszuchtprogrammen in Menschenobhut gepflegt werden, wie zum Beispiel die Socorrotaube.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Kontakt

    Prof. Dr. Michael Lierz, Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische
    Frankfurter Str. 91-93, 35392 Gießen
    Tel: 0641 99-38431
    E-Mail: michael.lierz@vetmed.uni-giessen.de


    Originalpublikation:

    Publikation
    Parmentier SL, Maier-Sam K, Failing K, Enderlein D, Gruber AD, Lierz M. Prevalence of Sarcocystis calchasi in free-ranging host species: Accipiter hawks and Common Woodpigeon in Germany. Scientific Reports 8 (2018), 17610
    https://www.nature.com/articles/s41598-018-35862-x
    DOI:10.1038/s41598-018-35862-x


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Tier / Land / Forst
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).