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14.03.2019 18:05

Hanse-Preise für Pflegerin und Sepsis-Forscher aus Heidelberg

Julia Bird Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Heidelberg

    Fachkrankenpflegerin Anna Malatek erhielt für ihre Abschlussarbeit „Patientenbetreuung in der letzten Lebensphase – Ist würdevolles Versterben auf der Intensivstation möglich?“ den „Hanse-Pflegepreis“ / „Hanse-Preis für Intensivmedizin“ ging an den Biologen Dr. Florian Uhle für seine Forschungsarbeit zu den Auswirkungen einer Sepsis auf zukünftige Nachkommen

    Auf dem 29. Symposium Intensivmedizin und Intensivpflege in Bremen sind gleich zwei Auszeichnungen an Heidelberger Preisträger verliehen worden: Anna Malatek, Gesundheits- und Krankenpflegerin für Intensivpflege und Anästhesie an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg, erhielt den Hanse-Pflegepreis für ihre fachpraktische Arbeit in der Fachweiterbildung Anästhesie und Intensivpflege. Darin setzte sie sich mit dem Thema des würdevollen Versterbens auf der Intensivstation auseinander. Der von der B. Braun Melsungen AG gestiftete Preis ist mit 2.000 Euro dotiert.

    Dr. Florian Uhle, Leiter des zentralen Forschungslabors der Anästhesiologischen Universitätsklinik Heidelberg, wurde mit dem Hanse-Preis für Intensivmedizin 2019 ausgezeichnet. Er zeigte erstmals im Tierversuch, dass eine Sepsis, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt, „molekulare Narben“ in der Keimbahn hinterlässt, das Erbgut der Spermien verändert und damit Auswirkungen auf die Folgegeneration haben kann. Der Preis wird von der Fresenius-Stiftung Bad Homburg gestiftet und ist mit 5.000 Euro dotiert.

    - Intensivpflegende wünschen sich eine bessere Vorbereitung auf den Umgang mit Sterbenden -

    Auf Intensivstationen werden ausschließlich schwerstkranke Patienten versorgt – das bringt es mit sich, dass dort der Tod mit zum Stationsalltag gehört. Trotzdem werden Pflegende Befragungen zufolge unzureichend im Umgang mit dieser – trotz aller Routine – psychisch und emotional belastenden Situation geschult. „Obwohl eine Studie aus Gießen bereits 1988 ergab, dass sich Intensivpflegende nicht ausreichend auf den Umgang mit sterbenden Patienten vorbereitet fühlen, hat sich seither in der Aus- und Weiterbildung wenig getan“, recherchierte Anna Malatek, „und das Thema wird sehr unterschiedlich angegangen.“ Für die Abschlussarbeit ihrer zweijährigen, berufsbegleitenden Fachweiterbildung an der Akademie für Gesundheitsberufe Heidelberg beschäftigte sie sich nicht nur mit der Frage, was einen würdevollen Tod ausmacht, sondern auch, ob und wie Pflegende im eng getakteten Stationsalltag auf die Bedürfnisse sterbender Patienten eingehen können. Ihr Fazit: „Es geht.“ Denn oftmals machten schon kleine Gesten einen großen Unterschied – beispielsweise einem Patienten, der keine Pflegemaßnahmen mehr wünscht, trotzdem die ihm zugedachte Zeit zu schenken, wo möglich, die Nähe der Angehörigen zuzulassen, sensibel auf Anzeichen von Angst oder Schmerzen zu achten und darauf einzugehen.

    Zudem sei es wichtig, die eigene Trauer im Team ansprechen zu können und bei Bedarf Unterstützung zu finden. „Es bedarf einer intensiven Auseinandersetzung des Stationsteams und jedes Einzelnen mit dieser Thematik, und es bleibt eine tägliche Herausforderung. Aber wenn die Rahmenbedingungen stimmen, kann es sehr erfüllend sein, Patienten in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten“, berichtet Anna Malatek aus ihrer eigenen Erfahrung auf der kardiochirurgischen Intensivstation. Mit ihrer Arbeit wolle sie dazu beizutragen, dass sich Pflegekräfte, Ärzte und Ausbilder mehr Gedanken über das häufig noch als Tabu gesehene Thema des würdevollen Sterbens auf Intensivstationen machen.

    „Wir haben eine große Verantwortung für unsere intensivpflichtigen Patienten und unsere Mitarbeiter, die in diesem Bereich tätig sind. Deshalb brauchen wir Experten, die sich aktiv für Verbesserungen einsetzen. Wir gratulieren Anna Malatek herzlich zu ihrer ausgezeichneten Facharbeit", erklärt Edgar Reisch, Pflegedirektor am Universitätsklinikum Heidelberg.

    - Sepsis verändert Erbgut der Spermien -

    Die häufigste Todesursache auf Intensivstationen ist in Deutschland die Sepsis. 2018 erkrankten rund 400.000 Menschen, ungefähr ein Fünftel starb an den Folgen der außer Kontrolle geratenen Immunreaktion. Während Wissenschaftler weltweit intensiv daran forschen, wie man die sich im gesamten Körper ausbreitende Entzündung schnellstmöglich unterbrechen kann, sind die Spätfolgen einer überlebten Sepsis noch wenig untersucht. „Die Forschung unserer Arbeitsgruppe setzt da ein, wo die Intensivmedizin endet. Wir wollen verstehen, welche Spuren diese lebensgefährliche Immunreaktion im Körper, in den Zellen oder im Erbgut zurück lässt“, sagt der mit dem Hanse-Preis für Intensivmedizin ausgezeichnete Dr. Florian Uhle. Mit seinem Team untersuchte er erstmals im Tierexperiment die Auswirkungen einer Sepsis auf die männlichen Keimbahn: Sechs Wochen nach Sepsis fanden die Wissenschaftler bei männlichen Mäusen nicht nur einen erhöhten Anteil degenerierter Spermien. Sie entdeckten zudem chemische Veränderungen am Erbgut der Spermien, sogenannte epigenetische Modifikationen.

    „Betroffen sind insbesondere Gene, die an Entwicklungsprozessen beteiligt sind“, so der Humanbiologe. „Das hat direkte Auswirkungen auf die nächste Generation.“ Ein Blick auf die männlichen Nachkommen zeigte: Ihre Gewichtsentwicklung war leicht verzögert und bestimmte Immunfunktionen – beispielsweise in der Reaktion auf Pilze in der Lunge oder Bakterien im Blut – vermindert. „Wir wissen allerdings noch nicht, ob die Keimbahn dauerhaft verändert ist und ob diese Veränderungen für das Tier relevant sind. Das gilt es noch zu klären“, so Uhle, der im Team von Professor Dr. Markus A. Weigand, Ärztlicher Direktor der Anästhesiologischen Universitätsklinik, forscht.


    Originalpublikation:

    Bomans K, Schenz J, Tamulyte S, Schaack D, Weigand MA, Uhle F. Paternal sepsis induces alterations of the sperm methylome and dampens offspring immune responses-an animal study. Clin Epigenetics. 2018 Jun 28;10:89.
    doi: 10.1186/s13148-018-0522-z.


    Weitere Informationen:

    https://afg-heidelberg.de/weiterbildung/weiterbildung-anaesthesie-und-intensivpf...
    http://www.du-wirst-wachsen.de/
    https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Arbeitsgruppe-Spaetfolgen-der-Sepsis.1426...


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
    Biologie, Medizin
    regional
    Forschungsergebnisse, Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


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