idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
17.10.2019 17:12

Das Rezept für eine Fruchtfliege

Dr. Christiane Menzfeld Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Biochemie

    Mittlerweile kennt man viele der Proteine, die für den Aufbau eines multizellulären Organismus erforderlich sind. Jedoch ist weitgehend unklar, wie viele Kopien jeder Proteinart vorhanden sind und benötigt werden, damit sich ein vollständiger Organismus entwickeln kann. Forscher am Max-Planck-Institut (MPI) für Biochemie haben mit Hilfe der Massenspektrometrie die absolute Kopienzahl verschiedener Kernproteine und Histonmarkierungen in Fruchtfliegen bestimmt. Diese Informationen helfen unserem Verständnis, wie die verschiedenen Proteine zusammenwirken, um den Aufbau einer Fruchtfliege zu steuern. Die Ergebnisse wurden nun in der Fachzeitschrift Developmental Cell veröffentlicht.

    Fruchtfliegen und Menschen haben vieles gemeinsam, etwa 60 Prozent der Fliegengene kommen beim Menschen in ähnlicher Form vor. Durch die Forschung am Fruchtfliegenmodell wurden viele Erkenntnisse über grundlegende Mechanismen gewonnen. Die Ergebnisse dieser Studien haben wichtige Hinweise darauf gegeben, wie diese Mechanismen auch in Säugetieren oder Menschen funktionieren. In der aktuellen Studie untersuchte Jürg Müller vom MPI für Biochemie zusammen mit den Forschergruppen von Axel Imhof an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München und Michiel Vermeulen an der Radboud University in Nimwegen das Proteinset, welches die Entwicklung einer Fliege steuert. Sie bestimmten die absolute Kopienzahl von Proteinen und chemischen Markierungen auf Histonproteinen im Zellkern in Fruchtfliegenembryonen.

    Im Zellkern ist die DNA um sogenannte Histonproteine gewickelt, auch beaknnt als Chromatin. Die gesamte Information in der genomische DNA die bestimmt, wie sich eine befruchtete Eizelle zu einem Organismus entwickelt, ist somit in Chromatin verpackt. Jürg Müller, Leiter der Forschungsgruppe "Biologie des Chromatins", erklärt: "Die Entwicklung eines Embryos ist ein faszinierender Prozess. Im Gegensatz zum Menschen können wir mit Modellsystemen wie der Fruchtfliege diesen Prozess nicht nur beschreiben, sondern auch untersuchen, wie er bei genetisch veränderten Tieren abläuft. Die Organisation des Chromatins verändert sich dramatisch während der Entwicklung. Wir wollten deshalb verstehen, ob und wie sich die Menge verschiedener Chromatinproteine und der chemischen Markierungen auf Histonen in den kritischen Phasen der Entwicklung verändert." Die Forscher ermittelten die Kopienzahl von fast 4000 Proteinen und chemischen Markierungen an Histonproteinen in zwei verschiedenen Stadien der embryonalen Entwicklung.

    Jacques Bonnet, der Erstautor der Studie, sagt: "Man kann das Wissen, dass wir über die Mengen der einzelnen Proteinarten gewonnen haben, mit dem Wissen vergleichen, welches zum Backen eines Kuchens benötigt wird. Zu wissen, dass man Eier, Zucker, Mehl, Butter, Rosinen und Backpulver hinzufügen muss, ergibt für sich allein noch kein Rezept - man muss die genaue Menge jeder Zutat kennen, um den Kuchen zu backen. Genau gleich ist es, wenn wir den Prozess der Embryonenentwicklung verstehen wollen – es ist wichtig zu wissen wie viele Kopien jedes Proteins in einer Embryonalzelle vorhanden sind".

    "Interessanterweise haben wir festgestellt, dass – anders als vermutet – viele Proteine in weit geringerer Kopienzahl vorhanden sind, während andere Proteine bedeutend häufiger vorkommen. Diese Beobachtungen sind wichtig für unser Verständnis wie die genomische DNA im Chromatin verpackt ist und reguliert wird, und einige unserer derzeitigen Sichtweisen müssen revidiert werden." so Jürg Müller.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Jürg Müller
    Biologie des Chromatins
    Max-Planck-Institut für Biochemie
    Am Klopferspitz 18
    82152 Martinsried

    E-Mail: muellerj@biochem.mpg.de
    https://www.biochem.mpg.de/en/rg/mueller


    Originalpublikation:

    Originalpublikation:
    J. Bonnet, R.G.H. Lindeboom, D. Pokrovsky, G. Stricker, M.H. Çelik, R.A.W. Rupp, J. Gagneur, M. Vermeulen, A. Imhof and J. Müller: Quantification of proteins and histone marks in Drosophila embryos reveals stoichiometric relationships impacting chromatin regulation. Developmental Cell, Oktober 2019


    Weitere Informationen:

    https://www.biochem.mpg.de/news/pressroom - Pressemeldungen des MPIs für Biochemie


    Bilder

    Bei ein Rezept sind exakte Angaben der Zutaten wichtig. Für Forscher ist das Wissen der genaue Anzahl von Proteinen wichtig, die in biologische Prozessen beteiligt sind, um diesen zu verstehen.
    Bei ein Rezept sind exakte Angaben der Zutaten wichtig. Für Forscher ist das Wissen der genaue Anzah ...
    Illustration: Adaptiert von designua, thanksforbuying, Adobe Stock
    None


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    Biologie, Chemie, Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).