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16.07.2020 18:05

Neue Website zeigt vielfältigen Einsatz gegen Altstadtverfall in der DDR, Kontaktaufnahme durch Zeitzeugen erwünscht

Dr. Felix Müller Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS)

    Als in den 1980er Jahren in der DDR vielerorts historische Innenstädte dem Verfall ausgeliefert wurden, regte sich Widerstand. Das Forschungsprojekt „Stadtwende“ dokumentiert die Geschichte der protestierenden Bürgergruppen, der beteiligten Institutionen, Orte und Personen auf einer eigenen Internetpräsenz. Diese Website, bislang nur als Beta-Version im Netz, erfährt nun einen Neustart: Ab dem 17.07.2020 ist die Seite stadtwende.de in neuem Design mit neuen Inhalten und mit voller multimedialer Funktionalität erreichbar. Zeitzeug*innen können über die Website Kontakt mit dem Projektteam aufnehmen.

    Teils aus Ressourcenmangel, teils aus ideologischer Ablehnung ließ die Frung der DDR die historischen Innenstädte Ostdeutschlands über Jahrzehnte hinweg verfallen. In den Vorwendejahren formierte sich dagegen vielerorts – besonders dort wo die Regierung Abrisse plante –Widerstand in der Bürgerschaft. In Ostberlin, am Gasometer an der ehemaligen Dimitroffstrasse, in Leipzig, in der Beethovenstraße oder in der Meißener Alt-stadt kämpften lokale Initiativen für den Erhalt von Gebäuden und Stra-ßenzügen. Teils war der Widerstand von Erfolg gekrönt, wie in der Oder-berger Straße in Berlin-Prenzlauer Berg, teils scheiterte er, wie im Fall des nahegelegenen Gasometers, die trotz Protest gesprengt wurde.

    Wer waren die Menschen, die sich hier organisierten? Wie dachten sie und wie gingen sie vor? Wie sehr spielte der Widerstand gegen den Altstadtverfall in die allgemeine Oppositionsbewegung gegen die SED-Herrschaft hinein? Und wie prägten die damals Aktiven die Städtebaupolitik in Ostdeutschland über die Friedliche Revolution von 1989 hinaus? Das BMBF-finanzierte Verbundprojekt „Stadterneuerung am Wendepunkt – die Bedeutung der Bürgerinitiativen gegen den Altstadtverfall für die Wende in der DDR“, kurz „Stadtwende“, geht diesen Fragen erstmals auf den Grund. In dem Projektverbund kooperieren Historikerinnen und Historiker der Technischen Universität Kaiserslautern, wo auch die Verbundleitung und -koordination angesiedelt ist, des Leibniz-Instituts für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) in Erkner, der Bauhaus-Universität Weimar und der Universität Kassel.

    Ein zentraler Baustein der Forschungs- und Kommunikationsarbeit im Verbund ist die Projektwebsite stadtwende.de: Hier wird über laufende Projektaktivitäten, etwa Veranstaltungen an den untersuchten Orten, umfassend informiert. Vor allem aber werden hier Initiativen an über 30 Orten dokumentiert, in kurzen Texten, Bildern, Originaldokumenten und perspektivisch auch Videos und Interviews mit Zeitzeug*innen. Bislang war die Internetpräsenz in einer Beta-Version zu erreichen. Am 17. Juli 2020 erfährt sie nun einen Relaunch und erscheint ab dann in neuem Design und mit erweiterter Funktionalität. Sowohl über Filter wie „Person“, „Einrichtung“, „Bürgergruppe“ oder „Ort“, als auch über eine Kartenansicht lassen sich nun Einträge – genannt „Stadtwendepunkte“ – gezielt suchen.

    Das „Kuratorium Altstadt Pirna“ ist etwa so ein Wendepunkt: In der sächsi-schen Stadt wurde der Widerstand gegen den geplanten Abriss des soge-nannten Teufelserkerhauses aus dem 16. Jahrhundert zum Kristallisations-punkt einer Bürgerbewegung. Textlich und in Bildern wird auf der Stadtwende-Seite gezeigt, wie Protest gegen Stadtverfall und Widerstand gegen das SED-Regime in Pirna ineinander übergingen.

    Auch ehemalige Engagierte und Zeitzeug*innen sollen über die Website den Weg in die Forschung finden. „Die Seite soll Menschen, die damals an Bürgergruppen beteiligt waren, die Möglichkeit geben sich einzubringen: über ein Mitmach-Formular oder indem sie sich direkt an Personen des Projektes wenden“, erklärt Dokumentarin Sarah Day, die am IRS die Inhalte der Website verantwortet. „Die Webseite soll noch nicht als ein fertiges Produkt angesehen werden. Sie entwickelt sich ständig fort und wird weiter gefüllt“, sagt Day. Das Stadtwende-Projekt läuft noch bis Dezember 2022.

    Die Konzeption, Gestaltung und Programmierung der neuen Stadtwende-Seite wurde von der Leipziger Agentur Knick Design erarbeitet, die auf Kommunikations-, und Interaction Design spezialisiert ist.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr.-Ing. Holger Schmidt
    Technische Universität Kaiserslautern
    hschmidt@rhrk.uni-kl.de
    0631 205-5150


    Anhang
    attachment icon PM Stadtwende Website-Relaunch

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Bauwesen / Architektur, Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Politik
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
    Deutsch


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