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14.12.2020 16:35

Startschuss für Pilotstudie zu Corona-Warnarmband

Claudia Eulitz Presse, Kommunikation und Marketing
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

    1.000 Bluetooth-Armbänder mit CAU-Technologie gehen an Kieler Pflegeeinrichtungen

    Das Corona-Warnarmband ist in eine neue Testphase gestartet: Seit Montag, 14. Dezember, läuft eine erste umfangreiche Studie zu der an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) entwickelten Alternative zur Corona-Warn-App. In einem Pilotprojekt sollen 1.000 Kielerinnen und Kieler aus Pflegeinrichtungen die Warnarmbänder testen, die Studie läuft drei Monate. Den Anfang für die schrittweise Ausgabe an Probandinnen und Probanden machte in dieser Woche ein Treffpunkt der Anlaufstelle Nachbarschaft in Kiel. Weitere Einrichtungen städtischer und freier Träger sollen folgen. Auch der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) wird die Armbänder über seine mobilen Pflegedienste an ausgewählte Personen verteilen. Parallel laufen Befragungen der Teilnehmenden und die Auswertung der technischen Daten. „Ziel der Studie ist es natürlich, herauszufinden, ob die Corona-Warnarmbänder funktionieren, aber auch, ob sie akzeptiert werden. Ob die Nutzerinnen und Nutzer damit zurechtkommen und bereit sind, es jeden Tag zu tragen“, erklärt Professor Olaf Landsiedel, der die technische Entwicklung des Bluetooth-Armbands leitet. Im Frühjahr waren Benjamin Walczak, Vorsitzender des Kieler Vereins Groschendreher – Kieler Bündnis gegen Altersarmut e.V., und Björn Schwarze, Geschäftsführer des Kieler Softwareunternehmens ADDIX, wegen der technischen Umsetzung ihrer Idee an den CAU-Informatiker herangetreten.

    Armband kompatibel mit Corona-Warn-App

    Das Corona-Warnarmband funktioniert analog zu der von der Bundesregierung empfohlenen Corona-Warn-App. Via Bluetooth-Chip korrespondiert es sowohl mit anderen Warnarmbändern als auch mit Smartphones, auf denen die Anwendung installiert und aktiv ist. „Die App hat ja offene Standards, einen Programmcode, der dokumentiert ist und so von uns im Laufe des Sommers nachgebaut werden konnte“, erklärt Landsiedel, dem die Kompatibilität und die Integration in das bundesweite System ein großes Anliegen war. Deshalb gab es in den vergangenen Monaten auch einen Austausch mit den Entwicklern der Smartphone-App.

    Über die Bluetooth-Datenübertragung hinaus hat das Armband aus Silikon keinerlei Funktionen, weder GPS noch mobile Daten oder WLAN können damit genutzt werden. Dabei gehe es laut Landsiedel nicht nur um den Datenschutz, sondern auch darum, das Gerät so kostengünstig und energieeffizient wie möglich zu gestalten. In den Einrichtungen werden sogenannte Basisstationen aufgebaut, die über eine Internetverbindung verfügen und die Kontaktverfolgung gewährleisten. Kommt der Träger oder die Trägerin mit dem Armband in die Nähe der Station, wird der Datenaustausch automatisch vorgenommen. Ist es zu einer Risiko-Begegnung gekommen, blinkt ein LED-Licht am Armband auf. Die Akku-Laufzeit liegt zwischen drei Tagen und einer Woche, geladen wird das Gerät über einen USB-Anschluss. „Wir empfehlen unseren Probandinnen und Probanden jedoch das Armband jeden Abend aufzuladen“, so Landsiedel. Gefördert wird das Pilotprojekt durch das Bundesgesundheitsministerium, das Land Schleswig-Holstein und die Stadt Kiel unter Beteiligung des ASB.

    Alternative für gesundheitliche Chancengleichheit

    Angestoßen wurde das Projekt kurz nach Beginn der Pandemie mit dem Ziel, eine kostengünstige und leicht bedienbare Alternative für Menschen zu schaffen, die kein Smartphone nutzen können oder wollen. Benjamin Walczak erklärt: „Relativ früh war klar, dass viele ältere Menschen und viele Menschen mit geringem Einkommen nicht die Corona-Warn-App werden nutzen können. Deshalb ist die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Uni Kiel und ADDIX aus unserer Sicht eine wichtige Möglichkeit, um gesundheitliche Chancengleichheit herzustellen. Denn wenn man durch die App oder das Armband schnell über eine mögliche Infektion informiert wird, erhöht das die Chancen auf eine frühe Behandlung. Gerade für Personen aus der Risikogruppe kann das entscheidend sein.“ Wie es nach der Studie für das Corona-Warnarmband weitergeht, hänge auch von politischen Entscheidungen ab, fügt ADDIX-Geschäftsführer Schwarze hinzu: „Die Chance für unser Unternehmen im Rahmen der Corona Krise etwas Digitales und Unterstützendes zu leisten ist unsere Hauptmotivation. Mit dem Armband komplettieren wir unsere digitale Infrastruktur und ermöglichen Teilhabe. Das Armband ist ein Massenprodukt, je größer die Stückzahl desto niedriger der Preis, eine Produktion in Deutschland hat andere Kosten als die Herstellung in China. Wenn wir die notwendige Unterstützung aus der Politik für die Masse erzielen, erwarten wir einen Abgabepreis von 20 bis 22 Euro.“


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Professor Dr. Olaf Landsiedel
    Institut für Informatik
    Telefon: 0431/880-4480
    E-Mail: ol@informatik.uni-kiel.de


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/315-corona-warnarmband


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Gesellschaft, Informationstechnik, Medizin, Wirtschaft
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
    Deutsch


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