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22.07.2021 14:13

Neuer Ansatz gegen Katzenhaar-Allergie

Anja Wengenroth Geschäftsbereich Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Münster

    Katzenhaare gehören weltweit zu den häufigsten Auslösern von Allergien. Ein neuer Ansatz gegen diese Atemwegsallergien könnte einen Durchbruch bei der Allergietherapie generell bedeuten. Neben der Therapie zur Unterdrückung von Symptomen steht Ärzten als Therapieoption bisher nur die Möglichkeit der allergenspezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) gegen das auslösende Allergen zur Verfügung. Jetzt allerdings scheint eine neue Behandlung erfolgversprechend: Diese setzt auf die direkte Therapie mit künstlich hergestellten allergenspezifischen IgG-Antikörpern (Immun-globulin G) gegen das Allergen.

    Allergischer Schnupfen, Bindehautentzündung und insbesondere allergisches Asthma: Will man solche Symptome umgehen, wird Katzenallergikern in Deutschland an erster Stelle die Vermeidung des Allergens empfohlen. Sollten die Symptome schon vorhanden sein, können sie mit Antihistaminika, Cortison-Nasenspray oder auch Asthmamedikamenten behandelt werden. Die Allergenspezifische Immuntherapie, landläufig als Hyposensibilisierung bezeichnet, ist aktuell die einzige Behandlungsmöglichkeit, mit der im Prinzip eine Unempfindlichkeit des Immunsystems gegen ein spezifisches Allergen erzeugt werden kann. Die Wirksamkeit setzt allerdings zeitversetzt erst einige Monate nach Therapiebeginn ein. Dabei wird das Immunsystem durch die Verabreichung des Allergens zur Produktion von an der Immunabwehr beteiligten Immunglobulinen angeregt.

    Da bei der Allergen-spezifischen Immuntherapie die krankheitsauslösenden Allergene verabreicht werden, können durch die Behandlung in seltenen Fällen insbesondere bei Katzenallergikern mit Asthma schwerwiegende Nebenwirkungen ausgelöst werden. In Deutschland wird die Allergen-spezifische Immuntherapie mit Katzenallergen deswegen nur sehr eingeschränkt empfohlen und nur bei wenigen Patienten durchgeführt. Gesucht wird also eine wirksame, nebenwirkungsarme und einfache Allergietherapie. „Eine solche Behandlungsmöglichkeit ist jetzt möglicherweise in Sicht“ sagt Prof. Dr. Randolf Brehler, Leiter des Bereichs Allergologie, Berufsdermatologie und Umweltmedizin an der UKM Hautklinik, der im Auftrag der Medizinischen Fakultät der WWU Münster an dem Projekt forscht. „Ein neuer Forschungsansatz setzt darauf, dass Patienten nicht mehr das Allergen selbst, sondern gezielt die gegen das Allergen gerichteten spezifischen IgG-Antikörper gespritzt werden, die künstlich hergestellt werden können. Phase-2-Studien waren hoch erfolgreich, eine einzige Spritze mit diesen Antikörpern konnte die Allergie für einige Wochen regelrecht abschalten. Auch Hauttests zeigten, dass Patienten kaum noch allergisch auf Katzenallergen reagierten“, so Brehler.

    Weltweit steht nun die größere Phase-3-Studie an mehr als tausend Patienten bevor, Münster möchte eines der Zentren sein. „Wenn die Wirksamkeit der Methode in der Studie bestätigt wird, ist das insgesamt ein großer Durchbruch für die Allergietherapie“, so Brehler. „Der Therapieversuch mit den künstlich hergestellten Immunglobulinen greift direkt in die Mechanismen der Allergie-Kaskade ein. Noch können wir allerdings nichts über die Langzeitwirkung, also eine möglichst lebenslange Unterdrückung der allergischen Reaktion sagen, so der Allergologe weiter. Denkbar sei auch eine mögliche Kombination der Immunglobulintherapie mit der Allergen-spezifischen Immuntherapie. Dann würden durch die Immunglobulintherapie Symptome unterdrückt, langfristig anhaltende Effekte könnten durch die Allergen-spezifische Immuntherapie erzielt werden.

    Das neue Therapieprinzip wird nicht nur bei Katzenallergie geprüft. Studien werden auch mit IgG-Antikörpern, die gegen ein Birkenpollenallergen gerichtet sind, durchgeführt.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Randolf Brehler
    Universitätsklinikum Münster
    Klinik für Hautkrankheiten
    Allergologisches Forschungszentrum
    allergologie-studien@ukmuenster.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


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