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21.10.2021 07:44

Handy-App zeigt Urologen Nebenwirkungen von Medikamenten auf den Harntrakt

Kay Gropp Pressestelle
Universität Witten/Herdecke

    Prof. Andreas Wiedemann von der Uni Witten/Herdecke fasst die Forschungslage erstmals praktikabel zusammen

    In einer einfachen Handy-App können Ärztinnen und Ärzte erstmals nachschlagen, ob und welche Nebenwirkungen von Medikamenten auf den Harntrakt ausgehen. Prof. Dr. Andreas Wiedemann, Deutschlands erster Prof. für Uro-Geriatrie und Chefarzt der Urologie am Ev. Krankenhaus Witten, hat sie mit seiner Arbeitsgruppe am Lehrstuhl für Geriatrie der Universität Witten/Herdecke entwickelt. Der „Wittener Harntrakt-Rechner“ ist im Netz unter https://www.harntrakt.de/ zu finden.

    „Dass viele Medikamente teilweise unbekannte Nebenwirkungen entfalten, sich nicht mit anderen Medikamenten vertragen und deren Abbau hemmen oder fördern, ist gerade in der Altersmedizin seit langem bekannt“, schildert Prof. Wiedemann die Ausgangslage des Projektes. Oftmals schaukele sich die "Multimedikation", bei der Ältere 5, 10 oder 15 Medikamente gleichzeitig einnehmen müssten, zu einem gefährlichen Cocktail auf. Nicht selten seien solche Medikamentennebenwirkungen bei Blutverdünnern, Zuckermedikamenten oder Blutdruckpräparaten der Grund für eine Krankenhausaufnahme.

    Das Forscherteam hat medizinische Datenbanken durchsucht und die dort genannten Nebenwirkungen mit den aktuellsten Forschungsarbeiten abgeglichen. „Heraus kam eine Liste von 257 Medikamenten, die hier ein potentielles Risiko darstellen. Die haben wir 33 Expertinnen und Experten vorgelegt und sie bewerten lassen, ob sie eine solche Nebenwirkung schon selten, manchmal oder häufig erlebt haben“, beschreibt Wiedemann das weitere Vorgehen. Es sind also zwei Listen mit Punktwerten (scores) entstanden, die jeder urologisch tätige Arzt nutzen kann.

    In der App können die Ärztinnen und Ärzte sowohl verschiedene Handelsnamen oder aber auch Wirkstoffe nachschlagen und sich deren Nebenwirkungen mit dem "Theorie-" und dem "Praxis-Punktwert" anzeigen lassen. Oder sie können die Nebenwirkungen eingeben und die App zeigt dann mögliche "Übeltäter" an. Erstmals wird es damit möglich, bei der Neuverordnung eines Medikaments einzuschätzen, ob es bei den jeweils bekannten Risiken und Vorerkrankungen der Patientinnen und Patienten zu Nebenwirkungen im Harntrakt kommen kann. Außerdem kann man einen bestehenden Medikationsplan durchsehen und klären, ob eine Störung im Harntrakt medikamentös (mit-) verursacht ist. Der "Wittener Harntraktnebenwirkungsrechner" wurde erstmals bei dem Deutschen Urologenkongress im September vorgestellt.

    Es gibt zwar bereits einige Listen mit Nebenwirkungen, die betrachten aber nur eine bestimmte pharmakologische Gruppe von Nebenwirkungen („anticholinergic burden score“), eine Gruppe von Medikamenten bestimmter Indikation (LUTS-Forta) oder eine ausgewählte Gruppe von Patientinnen und Patienten (PRISKUS-Liste, beers-Liste). „Wir glauben mit dem „Wittener Harntrakt-Rechner“ ein praxistaugliches Instrument geschaffen zu haben, weil es schnell und zuverlässig speziell für den Harntrakt Auskunft gibt“, erklärt Prof. Wiedemann. Die Entwicklung wurde mit Unterstützung der Dr. Pfleger Arzneimittel GmbH ermöglicht.

    Weitere Informationen: Prof. Dr. med. Andreas Wiedemann
    awiedemann@evk-witten.de, Tel. 02302/175-2521

    Ansprechpartner Presseteam: Malte Langer, 02302/926-931, malte.langer@uni-wh.de

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    Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.700 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

    Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

    www.uni-wh.de / blog.uni-wh.de / #UniWH / @UniWH


    Bilder

    Prof. Dr. Andreas Wiedemann
    Prof. Dr. Andreas Wiedemann


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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