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10.06.2022 10:53

Unterbrechung der Gallensäureaufnahme durch Leberzellen nach einer Paracetamol-Überdosis mildert Leberschädigung

Anne Rommel Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

    Vergiftungen mit Paracetamol (APAP) sind eine häufige Ursache für Leberversagen. Doch noch sind nicht alle Zusammenhänge bekannt, die zu einer Leberschädigung durch APAP führen. Vor allem die Rolle der Gallensäuren ist unklar. Das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) hat daher untersucht, warum die Konzentration von Gallensäuren nach einer APAP-Vergiftung in der Leber ansteigt. Die neuesten Erkenntnisse haben die Forschenden im Journal of Hepatology veröffentlicht: Die Gallensäuren werden durch einen Kreislauf immer wieder in die Leber geleitet, statt direkt aus der Leber zu fließen. Die Unterbrechung dieses Kreislaufs verringert die Leberschädigung massiv.

    Das Leberversagen auf Grund einer APAP-Vergiftung geht häufig mit einem erhöhten Gallesäurenspiegel einher. Mit Hilfe von Intravitalmikroskopie und speziellen Bildgebungsverfahren in Mäusen analysierte die Forschungsgruppe von Dr. Ahmed Ghallab den Gallesäuretransport deshalb genauer. Dabei wurde ein neuer Mechanismus entdeckt, den die Gruppe „futile bile acid cycling“ genannt hat.

    Eine Überdosis APAP verletzt die Barriere zwischen Galle und Blutgefäßen. So gelangen Gallensäuren in das Blut und werden durch das Kreislaufsystem immer wieder zurück in die Leberzellen geleitet und fließen nicht aus der Leber ab. Dadurch entsteht eine hohe Gallensäurenkonzentration in den einzelnen Leberzellen, die schließlich zu ihrem Tod führt.

    Entdecker Mechanismus bietet neue Therapiemöglichkeiten

    Eine weitere wichtige Beobachtung war, dass die Unterbrechung des Kreislaufs der Gallensäuren in den Leberzellen, die durch APAP verursachte Leberschädigung reduziert. Die Verhinderung des Gallensäuretransports könnte daher eine therapeutische Option nach einer APAP-Vergiftung darstellen. Aktuell ist nämlich nur ein Medikament (N-Acetylcystein) für die Behandlung einer Paracetamol-Überdosis zugelassen, das nur wirksam ist, wenn es innerhalb von acht Stunden nach der Überdosis verabreicht wird.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. med. Jan G. Hengstler
    Leiter des Forschungsbereichs Toxikologie
    Telefon: +49 231 1084-348
    E-Mail: hengstler@ifado.de

    Dr. Ahmed Ghallab
    Gruppenleiter IntravitalTox
    Telefon: +49 231 1084-356
    E-Mail: ghallab@ifado.de


    Originalpublikation:

    A. Ghallab, R. Hassan, U. Hofmann, A. Friebel, Z. Hobloss, L. Brackhagen, B. Begher-Tibbe, M. Myllys, J. Reinders, N. Overbeck, S. Sezgin, S. Zühlke, A. Seddek, W. Murad, T. Brecklinghaus, F. Kappenberg, J. Rahnenführer, D. González, C. Goldring, I. Copple, R. Marchan, T. Longerich, M. Vucur, T. Luedde, S. Urban, A. Canbay, T. Schreiter, M. Trauner, J. Akakpo, M. Olyaee, S. Curry, J. Sowa, H. Jaeschke, S. Hoehme, J. Hengstler: Interruption of bile acid uptake by hepatocytes after acetaminophen overdose ameliorates hepatotoxicity, J. Hepatol, 2022, https://doi.org/10.1016/j.jhep.2022.01.020


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Chemie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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