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09.02.2005 16:41

Ortsnamen zwischen Rhein und Elbe

Volker Schulte Stabsstelle Universitätskommunikation / Medienredaktion
Universität Leipzig

    Es wird mindestens 30 Jahre dauern, aber der Anfang ist gemacht: Professor Jürgen Udolph von der Universität Leipzig, Inhaber des in Deutschland einmaligen Lehrstuhls für Namenkunde (Onomastik), untersucht sämtliche Ortsnamen aus vier Bundesländern zwischen Rhein und Elbe. Das von der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen finanzierte Projekt soll Aufschluss über die Siedlungsgeschichte geben.

    Warum heißt Dortmund Dortmund? Weil jemand dort einen besonders schönen Mund sah? Weit gefehlt. "'Mund' ist eine alte Variation von 'Mondberg', 'dort' steht für 'Schlund'. Dortmund ist also ein 'Schlundberg' - ein Berg, der oben einen Einschnitt hat", sagt Namenforscher Jürgen Udolph. "Die ersten Siedler haben sich bei der Namengebung an natürlichen Gegebenheiten orientiert. Durch die Bebauung sieht man die heute oft nicht mehr", weiß der Experte.

    Die Siedlungsgeschichte gibt Aufschluss über verschiedene Stämme und ihre Lebensformen. Darüber hinaus kann sie helfen, die eigene ursprüngliche Herkunft zu ergründen. Ortsnamen sind zudem bei der Deutung eines Vor- bzw. Nachnamens hilfreich. Und dass zunehmendes Interesse besteht, dem eigenen Namen auf den Grund zu gehen, merkt man daran, dass es 2004 im Vergleich zum Vorjahr dreimal so viele Anfragen am Lehrstuhl für Namenkunde gab. "6500 Anfragen - das ist eine unglaubliche Entwicklung", erklärt Udolph.

    Der Namen-Experte hofft, durch das Langzeit-Projekt auch in der Germanen-Frage zusätzliche Argumente für seine Position zu finden. "Eine gängige These lautet, dass es eine germanische Zuwanderung von Skandinavien in den Süden hin gab", erläutert Professor Udolph. "Das bezweifle ich stark." Die These beruhe auf archäologischen Aussagen der 1930er Jahre und unter anderem auf nationalsozialistischem Gedankengut ("nordische Heimat der Germanen"). Damit müsse man sich kritisch auseinandersetzen und der Frage nachgehen, wo altgermanische Siedlungsnamen nachzuweisen sind - denn dort liege das Ur-Germanen-Land.

    Das länderübergreifende Ortsnamen-Projekt fand seinen Anfang in Göttingen, wo Udolph das bereits aus Göttingen, Hannover, Osterrote und Wolfsbüttel/Salzgitter bestehende Niedersächsische Ortsnamenbuch herausgegeben hat. Das Gesamtwerk wird 30 Bücher (pro Kreis ein Buch) über Niedersachsen beinhalten. "Außerdem werden langfristig Bücher zu Westfalen, Bremen und Sachsen-Anhalt entstehen", so Udolph, der selbst aus Göttingen stammt.

    Die Finanzierung erfolgt im Rahmen des Programms der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften, im vorliegenden Fall durch die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Die endgültige Entscheidung für das Projekt fiel Anfang dieses Monats. Die Unterstützung beläuft sich jährlich auf ca. 300.000 Euro. Davon werden fünf Germanisten aus Münster bezahlt, die sich nun vor allem um den westfälischen Part kümmern werden. Die niedersächsischen Bände werden auch aus anderen Mitteln finanziert, u.a. vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur in Hannover. Das Ortsnamenbuch Sachsen-Anhalts wird in einer Arbeitsstelle an der Universität Leipzig bearbeitet werden. Die Leipziger Onomastin Dr. Gunhild Winkler wird bereits jetzt mittels eines Werkvertrages ein Ortsnamenbuch des Bördekreises und der Stadt Magdeburg erarbeiten.

    Mindestens 30 Jahre Bearbeitungszeit wird das gesamte Projekt in Anspruch nehmen. Die Bund-Länder-Kommission, die das Akademienprogramm gebilligt hat, hat das Vorhaben vorbehaltlich weiterer Prüfungen vorerst bis 2029 in die Planungen aufgenommen. "Es handelt sich um eine große und wichtige Sache, die ich schon seit Jahren anpacken wollte und leider nicht konnte", sagt Udolph. "Mal sehen, ob ich das Ende noch erleben werde, ergänzt der 61-jährige schmunzelnd.

    Franziska Clauß


    Weitere Informationen:
    Prof. Dr. Jürgen Udolph
    Telefon: 05509 94169
    E-Mail: udolph@uni-leipzig.de
    www.ortsnamen.net


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Geschichte / Archäologie, Sprache / Literatur
    überregional
    Forschungsprojekte, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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