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30.01.2006 13:38

Artmann-Sammlung für die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln

Gabriele Rutzen Presse und Kommunikation
Universität zu Köln

    Artmann-Sammlung für die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln
    Wertvolle Büchersammlung als Schenkung erhalten

    Der Geschäftsführer des Kölner Auktionshauses Venator und Hanstein, Karl-Heinz Knupfer, hat der Universitäts- und Stadtbibliothek (USB) Köln eine umfangreiche Sammlung von Werken des österreichischen Autors Hans Carl Artmann (1921-2000) geschenkt. H. C. Artmann ist einer der bemerkenswertesten und vielseitigsten deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er erhielt viele literarische Auszeichnungen, darunter auch den Georg-Büchner-Preis und den Großen Österreichischen Staatspreis.

    Die neue Artmann-Sammlung wird der Öffentlichkeit im Rahmen einer literarischen Veranstaltung und mit einer umfassenden Ausstellung am

    Donnerstag, dem 9. Februar 2006, um 19 Uhr
    im Vortragsraum im Foyer der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln
    50931 Köln Lindenthal, Universitätsstr. 33

    präsentiert. Alle Artmann-Freunde, Literaturbegeisterte und Neugierige sind herzlich eingeladen.

    Die Sammlung umfasst insgesamt 239 Stücke, darunter zahlreiche Erstausgaben. Eine herausragende Besonderheit der Sammlung ist das Originaltyposkript der tagebuchartigen Prosaaufzeichnungen "Das Suchen nach dem gestrigen Tag". Das Typoskript trägt eine handschriftliche Widmung und die Signatur des Autors.

    Zu den bemerkenswertesten Stücken der Sammlung gehören auch zahlreiche buchkünstlerisch gestaltete Titel, Einblattdrucke und illustrierte Titel. Künstler, die sich mit dem Werk H.C. Artmanns auseinandergesetzt haben sind u.a. Uwe Bremer, Reinhard Kleist, Ernst Fuchs, Karlheinz Pilcz, Sita Jucker, Axel Hertenstein, Peter Malutzki, Ironimus, Paul Renner, Christian Thanhäuser, Markus Vallazza, Hubert Sommerauer, Michael Gölling und Gudrun Hommers. Unter den Künstlerbüchern befinden sich auch zwei Exemplare des von Uwe Bremer illustrierten Titels "Gesaenge der Haemmer", von denen einer mit einem künstlerischen Handeinband aus Leder von Werner G. Kießig ausgestattet ist.

    Die Sammlung dokumentiert Artmanns Schaffen von den ersten Veröffentlichungen in den sehr seltenen Literaturzeitschriften Alpha, Eröffnungen, Publikationen u.a. über die ersten Buchveröffentlichungen (Mid ana schoazzn dintn, Das Suchen nach dem gestrigen Tag, verbarium, Grünverschlossene Botschaft u.v.m.) bis hin zu den Gesamtausgaben seiner Prosa, Theaterstücke und Lyrik und den posthum veröffentlichten Werken wie z.B. die Briefe an Herbert Wochinz.

    Die ungewöhnliche Sammlung von 45 von Artmann übersetzten Titeln aus beinahe allen westeuropäischen Sprachen sucht in deutschen Bibliotheken ihresgleichen. Sie gibt einen hervorragenden Einblick in die umfangreiche Übersetzertätigkeit von Artmann. Diese reicht von der Übersetzung von keltischer religiöser Dichtung, von Trivialprosa der Schwestern, Ashford, Nonsensversen von Harry Graham, über die zahlreichen Übersetzungen dänischer, italienischer, spanischer und französischer Dramatiker für die Bühne von Herbert Wochinz, über Lovecraft, die Balladen von Villon, der Lapplandreise von Linné bis hin zur Übertragung von Asterix ins Wienerische.
    Inwieweit Artmann auch der Übersetzter des in der Sammlung befindlichen "Dracula" von Bram Stoker ist, harrt noch einer eindeutigen Beantwortung.

    Die Präsenz Artmanns im literarischen Kanon der 50er Jahre bis zur Gegenwart belegen eindrucksvoll die zahlreichen nicht nur österreichischen Sammelwerke und Anthologien. Auch hier bieten die Beiträge in Kinderbüchern, Mundart-Lesebüchern, literarischen Zeitschriften, lyrischen Anthologien, aber auch in Merianheften und Schullektüren eindrucksvolle Zeugnisse für Artmanns chamäleonhafter Vielgestaltigkeit einerseits und starker literarischer Vereinnahmung (gegen manchmal schwachen Protest) andererseits. Gleichzeitig finden sich in den programmatischen Werken der Wiener Gruppe und solchen über sie Belege eines sehr unabhängigen avantgardistischen Ausdrucks literarischen Strebens bei Artmann. Ein Höhepunkt der Schenkung sind die Schallplatten, auf denen u.a. Artmann selbst, Qualtinger, Wolfgang Bauer, Beikircher u.a. Texte Artmanns vortragen. Abgerundet wird die Sammlung durch Werke der Sekundärliteratur.

    Die Artmann-Sammlung Knupfer hat in Deutschland keine Entsprechung. Wohl finden sich die gängigeren Titel auch in anderen Bibliotheken. Doch in dieser Fülle und Vollständigkeit der selbständig erschienenen Werke ist sie in der USB Köln einmalig. Nur die Landesbibliothek in Wien, die Artmanns Bibliothek und Nachlass 2004 erhalten hat, darf sich glücklicher schätzen. Die Schenkung Karl-Heinz Knupfers an die USB ist ein großer Erfolg der Kölnischen Bibliotheksgesellschaft. Herr Knupfer hofft Kölner Bürger zur Nachahmung anzuregen, damit noch mehr wertvolle Bücherschätze aus Kölner Privatsammlungen in der USB eine dauerhafte Bleibe finden. Die Sammlung wird geschlossen aufgestellt, Bestandteil der Signatur ist der abgekürzte Name des Schenkers. Die Titel werden komplett in ihrer authentischen Form mit Originalumschlägen u. ä. erhalten. Die Einsichtnahme für Forschungszwecke erfolgt im Historischen Lesesaal der Universitäts- und Stadtbibliothek.

    Alle Titel sind im elektronischen Online-Katolog der USB erfasst. Darüber hinaus, wurde ein Sonderkatalog, der gedruckt und elektronisch vorliegen wird, erstellt, in dem alle Titel weit über das übliche Maß hinaus erschlossen und beschrieben sind

    Als Dank an den Schenker und als Anregung zur weiteren wissenschaftlichen Beschäftigung mit Artmann hat die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln (USB) zusammen mit dem Zentrum für Moderneforschung an der Universität zu Köln das Buch "Sammeln und Lesen. Die Kölner H. C. Artmann-Sammlung Knupfer. Lektüren" herausgegeben. Der Band enthält neben zahlreichen Abbildungen den ausführlichen Katalog der Sammlung und acht wissenschaftliche Beiträge von Nachwuchsforschern des Zentrums für Moderneforschung. Diese nehmen den Impuls der Sammlung auf und setzten sich unter dem Leitbegriff "Lektüren" auf spannende Weise mit dem Lesen und Verstehen der Texte Artmanns auseinander und spüren der Frage nach, inwieweit Texte und Theorie sich gegenseitig anregen. Die Publikation wird in der Veranstaltung am 9. Februar von Professor Dr. Erich Kleinschmidt, Institut für Deutsche Sprache und Literatur, vorgestellt.

    Professor Dr. Wolfgang Schmitz, der Direktor der USB, stellt unter dem Titel: H.C. Artmann - endlich auch ein Kölner!" die Sammlung vor und eröffnet die Ausstellung.
    Annette Brüggemann, bekannt durch zahlreiche Features und literarische Beiträge im Rundfunk und in Literaturzeitschriften, gestaltet "Eine Reise durch das Leben H. C. Artmanns in Texten und Tondokumenten unter dem bekannten Zitat von Artmann "wer dichten kann ist dichtersmann"". Markus Rassiller & Philipp Fuchs (s:e:m:a) featuren H.C. Artmann unter dem Titel: "Improvisationen über H.C. Artmann - Experiment Literatur im Raum elektronischer Musik" mit Hörbeispielen der Gruppe s:e:m:a.

    Die Ausstellung wird vom 9. Februar bis zum 18. März 2006 im Foyer der USB gezeigt. Die Bibliothek ist in dieser Zeit von Mo. - Fr. 9.00 - 23.00, Sa. 9.00 - 16.00 Uhr geöffnet.

    Verantwortlich: Gabriele Rutzen

    Für Rückfragen steht Ihnen Ute Wolter unter der Telefonnummer 0221/470-7015, der Faxnummer 0221/470-5166 und unter der E-mail-Adresse wolter@ub.uni-koeln.de zur Verfügung.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Kunst / Design, Musik / Theater
    regional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


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