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04.07.2000 14:53

Migräne-Aspekte einer Volkskrankheit von der Wiege bis zur Bahre

Gertraud Pickel Presse und Kommunikation
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

    Die Volkskrankheit Migräne, unter der die jüngsten Patienten ebenso wie Erwachsene leiden, steht im Mittelpunkt des 2. Erlanger Interdisziplinären Kopfschmerzsymposiums, zu dem die Neuropädiatrische Abteilung der Klinik mit Poliklinik für Kinder und Jugendliche der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Direktor: Prof. Dr. Wolfgang Rascher) am Samstag, 8. Juli 2000, eingeladen hat. Im Großen Hörsaal der Klinik in der Loschgestraße 15 in Erlangen werden von 9.00 bis 17.00 Uhr unter Leitung von Privat-Dozent Dr. Michael Überall neun renommierte Referenten das Krankheitsbild dieser quälenden und oftmals fehleingeschätzten Kopfschmerzerkrankung über alle betroffenen Altersstufen hinweg darstellen. Dabei werden Ratschläge gegeben, die Medizinern bei der Diagnose helfen; neue Therapieansätze werden diskutiert, und die aktuellen Behandlungsempfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft werden vorgestellt.

    Kopfschmerzen und Migräne gehören heute zu den Hauptgesundheitsproblemen von Kindern und Jugendlichen im Schulalter und treten auch schon bei Kleinkindern häufig auf. Immer noch werden solche Beschwerden häufig nicht ernst genommen oder als unvermeidbar angesehen. Aber auch wenn die Eltern erkennen, daß wiederholte heftige - von Übelkeit und Erbrechen begleitete - Kopfschmerzattacken ihrer Kinder medizinisch behandelt werden sollten, finden sie nicht unbedingt die Therapie, die Schmerzen und Belastungen deutlich lindert.

    Seit dem Sommer 1998 existiert an der Erlanger Universitätsklinik mit Poliklinik für Kinder und Jugendliche eine pädiatrische Kopfschmerzambulanz unter der Leitung von PD Dr. med. Michael A. Überall. Hier können besorgte Eltern ebenso wie niedergelassene Ärzte in hartnäckigen Fällen von Kopfschmerz oder Migräne bei Kindern um Rat fragen. Junge Kopfschmerzpatienten profitieren zudem von den versorgungstechnischen Vorzügen einer modernen Universitätsklinik mit den neuesten neurophysiologischen Forschungslaboratorien, neuroradiologischen Untersuchungsmöglichkeiten und krankengymnastischen Behandlungseinrichtungen. Der Diagnose und verschiedenen Möglichkeiten der Therapie ist breiter Raum vorbehalten, wobei die neuesten Erkenntnisse aus Forschung und Praxis einbezogen werden. Auch eigene Forschungen zu diesem Themenbereich werden durchgeführt.

    Nasenspray läßt auf Therapieerfolg hoffen
    Derzeit befaßt sich eine Studie von Dr. Überall mit der Wirksamkeit eines Migränemedikaments bei jungen Patienten. Die Substanz Sumatriptan, die seit 1991 auf dem Markt ist, ist in Deutschland bereits seit 1993 für Erwachsene zugelassen und hat hier die gängigen Therapieempfehlungen völlig revolutioniert. Über die Wirksamkeit und Verträglichkeit bei Jugendlichen (12 bis 17 Jahre) gibt es dagegen nur wenige Daten, und für Kinder (jünger als 12 Jahre) ist noch weniger bekannt. Erste Pilotstudien mit dem - unter anderem als Nasenspray verfügbaren - Präparat wurden an der Erlanger Klinik bereits 1998 durchgeführt. Die Resonanz auf die Veröffentlichung der Ergebnisse war so groß, daß Folgestudien initiiert werden konnten, die voraussichtlich im Spätsommer 2000 abgeschlossen sein werden und dann auf dem World Headache Congress 2000 im September dieses Jahres in London vorgestellt werden können.

    Der untersuchte Wirkstoff - ein spezifischer Serotoninagonist - zeichnet sich dadurch aus, daß er nicht nur den Schmerz - also das Symptom - beseitigt, sondern an der Ursache ansetzt und damit den Ursprung der Migräneattacke bekämpft. Seine Entwicklung beruht auf der Erfahrung mit Ergotaminen, den ersten "spezifischen" Migränemitteln" - synthetischen Nachahmungen von Substanzen, die von einem Schimmelpilz (Claviceps purpurea) gebildet werden, der vor allem in feuchtem Getreide gedeiht. Die bereits im alten Ägypten bekannte Wirksamkeit der "Giftstoffe" dieser Pilze beruht darauf, daß sie Verengungen von Gefäßen auslösen. Auf diese Weise kann es allerdings zu schwersten Erkrankungen kommen, die zu bleibenden Behinderungen oder gar zum Tod führen können. Bei den synthetisch nachgebildeten Substanzen, die sich als gute Mittel gegen akute Migräneanfälle erwiesen, bestehen solche Gefahren zwar nicht direkt; sie haben jedoch bei längerfristiger Anwendung zum Teil erhebliche unerwünschte Nebenwirkungen, wie etwa den medikamenten-induzierten Dauerkopfschmerz, der - nicht nur - durch mißbräuchliche Anwendung entsteht.

    Im Vergleich dazu zeigt das in der Studie überprüfte Medikament wesentlich geringere Nebenwirkungen bei einer deutlich besseren Wirksamkeit. Da es unter anderem als Nasenspray - auch bei starker Übelkeit und Erbrechen - einfach zu verabreichen ist, ist es für Kinder ideal und wird ausgezeichnet vertragen. Auch jüngere Kinder ab 3-4 Jahren können das Spray schon selbst anwenden; damit ist eine Voraussetzung für die Entwicklung geeigneter Coping-Strategien, für das "Zurechtfinden" mit der Krankheit, gegeben. Noch fehlen ausreichend große Fallzahlen in kontrollierten Studien, um die generelle Anwendung des Präparates für Kinder mit Migräne empfehlen zu können. Die dafür notwendigen Studien werden jedoch in ein bis zwei Jahren vorliegen.

    * Weitere Informationen:
    Klinik mit Poliklinik für Kinder und Jugendliche
    Neuropädiatrische Abteilung
    PD Dr. Michael A. Überall
    Loschgestraße 15. 91054 Erlangen
    Tel.: 09131/85-33118, Fax: 09131/85 -33113
    E-Mail: michael.ueberall@kinder.imed.uni-erlangen.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

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