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15.01.2008 10:36

Herdpremie, klimaneutral, entartet - "Unwort des Jahres" zum 17. Mal gewählt

Stephan M. Hübner Marketing und Kommunikation
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)

    FRANKFURT. "Herdprämie" ist zum Unwort des Jahres 2007 gewählt worden. Das Wort diffamiert Eltern, insbesondere Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen, anstatt einen Krippenplatz in Anspruch zu nehmen. Inzwischen gibt es ein ganzes Wortfeld, das die Diffamierungsabsicht ebenfalls deutlich werden lässt. Dazu gehören unter anderem die Varianten "Aufzuchtprämie", "Gluckengehalt" und "Schnapsgeld".

    Auf Platz 2 setzte die Jury der "Sprachkritischen Aktion 'Unwort des Jahres'" das Wort "klimaneutral". Kritisiert wird der Versuch, mit diesem Begriff für eine Ausweitung des Flugverkehrs oder eine Steigerung anderer CO2-haltiger Techniken zu werben, ohne dass dabei deutlich wird, wie diese Klimabelastungen ausgeglichen werden sollen.

    Platz 3 nimmt nach der Entscheidung der Jury die Formulierung von Kardinal Meisner (Köln) ein, wonach Kunst und Kultur "entarten", wenn sie ihre religiöse Bindung verliert. "Entartete Kunst" war ein NS-Schlüsselbegriff, mit dem missliebige Künstler und ihre Werke diffamiert und "beseitigt" wurden.

    Die Wahl eines "Unworts des Jahres" erfolgte zum 17. Mal; begründet wurde die sprachkritische Aktion 1991. Diesmal hatten sich 1.760 EinsenderInnen aus dem In- und Ausland mit 969 verschiedenen Vorschlägen beteiligt. Dankenswerterweise konnten auch Ergebnisse separater Unwort-Sammlungen, unter anderem seitens der Main-Post (Würzburg) und der Ernst-Göbel-Schule in Höchst (Odenwald), einbezogen werden.

    Untauglich in doppelter Hinsicht war der Versuch, in einer zentral gelenkten Aktion das Wort "Kopftuchverbot" als Unwort des Jahres durchzusetzen. Denn zum einen ist die Zahl der Unterstützungen eines Vorschlags für die Unwort-Wahl nicht ausschlaggebend, weil sie - wie in diesem deutlichen Fall - manipuliert werden kann; zum anderen, so Schlosser, "kann 'Kopftuchverbot' kein Unwort sein, sondern - im Sinne der Einsender - bestenfalls ein Unding." Von den 1.000 Mails, die entsprechend einer von den Akteuren verbreiteten Aufforderung, die der Jury bekannt wurde, sind tatsächlich 165 eingetroffen.

    Zeitgleich mit dem Unwort des Jahres wurde in Düsseldorf das Börsen-Unwort 2007 bekannt gegeben. Makler, Wertpapierhändler und Analysten an der Börse Düsseldorf haben die beschönigende Bewertung von Hypotheken-Darlehen als "Subprime" gewählt. Diese Darlehen waren in Wahrheit hochriskant und haben 2007 in den USA, dann aber auch in Deutschland finanzielle Schäden größten Ausmaßes mit noch immer nicht ganz überschaubaren Folgen verursacht.

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    Informationen: Prof. i. R. Horst Dieter Schlosser, Institut für Deutsche Sprache und Literatur II, Fachbereich Neuere Philologien, Campus Westend, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt.
    Tel: (069) 798-33106, schlosser@lingua.uni-frankfurt.de

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    Jury - ständige Mitglieder:
    · Prof. Margot Heinemann (Leipzig)
    · Prof. Nina Janich (Darmstadt)
    · Prof. Horst Dieter Schlosser (Frankfurt am Main; Sprecher)
    · Prof. Martin Wengeler (Düsseldorf)

    Jury - Vertreter der Sprachpraxis:
    · Hans Leyendecker (Süddeutsche Zeitung)
    · Sonia Mikich (Monitor/WDR)


    Weitere Informationen:

    http://www.unwortdesjahres.org


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Gesellschaft, Sprache / Literatur
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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