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19.08.2008 11:46

Aus Löwe und Tiger wird ein Liger

Dr. Anne Hardy Marketing und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

    Zwischenartliche Hybride sind häufiger als bisher angenommen. Durch das Vermischen der Genome verschiedener wild lebender Arten können sich Genotypen ausbilden, die besser an die Umweltbedingungen angepasst sind als die beiden Elternarten.

    FRANKFURT. Maultier oder Maulesel sind das Ergebnis einer Kreuzung zwischen Esel und Pferd. Auch andere Säugetierarten können sich insbesondere in Gefangenschaft erfolgreich kreuzen, beispielsweise Tiger und Löwe oder Pferd und Zebra. Da diese "zwischenartlichen Hybride" jedoch in der Regel steril sind, maßen Biologen der Hybridisierung in freier Wildbahn lange Zeit wenig Bedeutung zu. Erst seit den 1990er Jahren stellte sich heraus, dass dieses Phänomen im Tierreich gar nicht so selten ist und Hybride sogar vielfach fortpflanzungsfähig sind. Bisher vermuteten Zoologen, dass Hybridisierung vor allem bei "niederen Tieren" und evolutionär jungen Arten auftritt. Frankfurter Biologen um Privatdozent Klaus Schwenk haben nun nachgewiesen, dass in allen Tiergruppen hybridisierende Arten vorkommen.
    Die Studie beruht auf einer umfangreichen Recherche in einer biologischen Literaturdatenbank, bei der alle Veröffentlichungen zu diesem Thema für den Zeitraum von 1947 bis 2007 zusammengestellt wurden. Die Forscher fanden insgesamt 21972 Publikationen über hybridisierende Tierarten, allerdings sind nicht alle Tiergruppen gleich gut untersucht. So gibt es beispielsweise viel mehr wissenschaftliche Literatur über Säugetiere als über Spinnen, auch wenn die Zahl der beschriebenen Spinnenarten diejenige der Säugetiere weit übertrifft. Um verschiedene Tiergruppen untereinander vergleichen zu können, haben Schwenk und seine Mitarbeiter dieses systematische Datenungleichgewicht mathematisch korrigiert. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass in allen Tiergruppen mit einem bestimmten Anteil von hybridisierenden Arten gerechnet werden kann. Hybridisierung ist also, wenngleich nicht sehr häufig, doch über das ganze Tierreich verteilt.
    In freier Wildbahn sind Hybride nicht leicht aufzuspüren, denn oft sehen sich die Eltern ähnlich - obwohl es sich um verschiedene Arten handelt - und auch der Nachwuchs ist nicht immer eindeutig als Hybrid zu erkennen. Erst durch den massiven Einsatz molekulargenetischer Methoden hat sich gezeigt, dass es deutlich mehr Hybride gibt, als bisher vermutet. Und welchen Bedeutung hat dieser Prozess in der Natur? "Hybridisierung kann die Evolution der Tiere entscheidend beeinflussen", erklärt Schwenk, "Durch das Vermischen der Genome kann es zur Ausbildung von Genotypen kommen, die unter Umständen besser an die Umweltbedingungen angepasst sind als die der beiden interagierenden Elternarten". Darüber hinaus kann eine genetische "Brücke" zwischen den Arten entstehen - manifestiert durch Hybride und Kreuzungen zwischen Hybriden und Elternarten - welche den Gen-Fluss zwischen Arten ermöglicht. Das hat man inzwischen bei den unterschiedlichsten Tierarten nachgewiesen, von Insekten über Reptilien bis zu Vögeln und Säugetieren.
    Die Ergebnisse der Frankfurter Biologen, sowie die von 15 weiteren Forschergruppen, sind in einem aktuellen Sonderheft der renommierten Zeitschrift Philosophical Transaction of the Royal Society (Biological Sciences) zusammen gefaßt. Diese Sammlung von Übersichtsartikeln ist das Ergebnis einer internationalen und von der DFG geförderten Tagung an der Goethe-Universität im September 2006.

    Ein Bild des Ligers finden Sie unter Wikipedia Commons http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Bertramliger.jpg
    Kurzfilme, die von der gewaltigen Größe des Hybrids zeugen, finden Sie auf youtube.

    Weitere Informationen:
    PD Dr. Klaus Schwenk, Tel: 069/798-24775, k.schwenk@ bio.uni-frankfurt.de, Abteilung Ökologie & Evolution des Institutes für Ökologie, Evolution und Diversität, Biologie-Campus Siesmayerstraße.

    Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. Vor 94 Jahren von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der schönste Campus Deutschlands. Mit 45 seit 2000 eingeworbenen Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Uni den deutschen Spitzenplatz ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in der Exzellenzinitiative zeigt sich die Goethe-UnI als eine der forschungsstärksten Hochschulen.


    Weitere Informationen:

    http://journals.royalsociety.org/content/h47028374128/


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Informationstechnik
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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