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03.04.2009 14:49

Antarktis: Wilkins-Schelfeis verliert stabilisierende Verbindung

Dr. Christina Heimken Presse- und Informationsstelle
Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

    Das Eis bricht: Ein ehemals 15 Kilometer breiter Steg des antarktischen Wilkins-Schelfeises, der die beiden Inseln Charcot und Latady verband und stabilisierend auf das Schelfeis wirkte, befindet sich seit Donnerstag (2. April 2009) im Aufbruch. Die Eisbrücke war bereits nach dem letzten spektakulären Aufbruch-Ereignis im Sommer 2008 an ihrer schmalsten Stelle auf 900 Meter Breite geschrumpft. Forscher der Universitäten Münster und Bonn rechnen mit der vollständigen Zerstörung des Stegs und einem weiteren Eisverlust des Wilkins-Schelfeises in der aktuellen Aufbruchphase.

    Dr. Angelika Humbert vom Institut für Geophysik der Universität Münster und ihr Kollege Dr. Matthias Braun von der Universität Bonn verfolgen die Entwicklung des Wilkins-Schelfeises anhand von Satellitenaufnahmen seit Jahren, darunter drei Aufbruchphasen im Jahr 2008. Das Forscherteam hat herausgefunden, dass sich durch vergangene Aufbruchereignisse Schädigungszonen entwickelt haben.

    "In den letzten Monaten konnten wir durch hoch aufgelöste Aufnahmen des deutschen TerraSAR-X-Satelliten beobachten, dass der Steg sich verbog. Ein Beitrag dazu war das sogenannte Fließen des Eises, also die Verformung des Eises unter seinem eigenen Gewicht. Die Form der Eisbrücke und die angrenzende Eismelange bot zudem eine ideale Angriffsfläche für Sturm. Beides führt nun letztendlich zum Zerbrechen des Stegs", erklärt Humbert.

    Wie sieht die Zukunft aus? "Wir erwarten in der derzeitigen Phase des Aufbruchs einen Eisverlust von etwa 800 Quadratkilometern. Da sich jedoch bereits Risse weiter südlich als zunächst angenommen gebildet haben, müssen wir damit rechnen, dass sich der Schwund im schlimmsten Fall auf 3700 Quadratkilometer erhöhen kann", sagt Humbert voraus. Das Zerbrechen des Stegs bedeutet für das Schelfeis den Verlust einer stabilisierenden Verbindung. Humbert erklärt: "Ein Schelfeis ähnelt einer eingespannten Membran. Wird eine Verbindung der Membran gelöst, muss sich eine neue Gleichgewichtslage bilden. Dies geschieht auch beim Schelfeis und ist mit Massenverlust verbunden."

    Die nach dem derzeitigen Aufbruch verbleibende Eisfläche, mindestens 8000 Quadratkilometer, ist jedoch momentan frei von sichtbaren Schädigungszonen, so die Wissenschaftler. Humbert erklärt: "Wir haben derzeit keinen Hinweis darauf, dass es zu einem kompletten Zusammenbruch des Wilkins-Schelfeises kommen wird."


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-muenster.de/Physik.GP/Polargeophysik/Wilkins-Schelfeis.html weitere Informationen/AG Polargeophysik (WWU)
    http://www.esa.int/esaEO/SEMD07EH1TF_index_0.html weitere Informationen/ESA


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Geowissenschaften, Meer / Klima, Physik / Astronomie, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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