Prof. Ivan Dikic erhält den mit 10.000 Euro dotierten Preis für seine Arbeiten zum Abbau schadhafter Proteine in der Zelle
FRANKFURT. Schadhafte oder nicht mehr benötigte Proteine markiert die Zelle zwecks Entsorgung mit einem kleinen Protein namens Ubiquitin. Für diese Entdeckung erhielten Aaron Ciechanover, Avram Hershko und Irwin Rose 2004 den Nobelpreis für Medizin. Der genaue Mechanismus, der zur Markierung eines schadhaften Proteins mit Ubiquitin zu dessen Abbau führt, blieb allerdings schleierhaft. Vor allem die Frage wie mit Ubiquitin behaftete Proteine von dem Proteasom, einem "molekularen Schredder", erkannt werden, war ungeklärt. "Die Arbeiten von Ivan Dikic haben diese Wissenslücke nach vielen Jahren Forschung geschlossen und uns einen detaillierten Einblick in diesen für die normale Zellfunktion, aber auch für die Entstehung von Tumoren so wichtigen Prozess gegeben", erklärt Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl, ehemals Leiter des Instituts für Biochemie, an dem die preisgekrönten Arbeiten entstanden. "Diese Auszeichnung für Ivan Dikic freut mich außerordentlich", gratulierte Müller-Esterl seinem Nachfolger, der gleichzeitig Leiter des neuen Forschungsinstituts des Frankfurter Exzellenzclusters "Makromolekulare Komplexe" ist.
Die Arbeiten von Dikic haben über die Grundlagenforschung hinaus auch medizinische Bedeutung. Wenn die auf der Markierung mit Ubiquitin basierende "Müllabfuhr" der Zelle nicht mehr funktioniert, häufen sich schadhafte Proteine, wodurch deren Funktion gestört wird - mit katastrophalen Folgen für den gesamten Organismus. Um geeignete Medikamente zu finden, muss man den molekularen Mechanismen entschlüsseln, denn nur so lassen sich Angriffspunkte für Wirkstoffe identifizieren. In zwei in der Fachzeitschrift Nature publizierten Artikeln identifizierte Ivan Dikic eine bestimmte Untereinheit des Proteasoms, Rpn13 genannt, als den Rezeptor, der für die Erkennung von Ubiquitin verantwortlich ist. Der neu identifizierte Rezeptor ist gleichzeitig die Bindungsstelle für De-Ubiquitinierungsenzyme, was den Schluss nahe legt, dass Erkennung von Ubiquitin-Ketten und Entfernung der Ubiquitinmarkierung durch Rpn13 gesteuert werden.
Die jetzt gewürdigten Arbeiten stellen allerdings nur den vorläufigen Endpunkt einer langen Reihe Bahn brechender Entdeckungen von Ivan Dikic dar. So konnte er zeigen, dass Ubiquitin nicht nur für den Proteinabbau eine wesentliche Rolle spielt, sondern auch an der Regulierung der DNA-Reparatur, der Entfernung von Membranproteinen von der Zelloberfläche und an der Regulierung des Immunsystems beteiligt ist.
Der von der Hannoverschen Lebensversicherung gestiftete und mit 10.000 Euro dotierte Sir Hans Krebs-Preis wird von der Gesellschaft der Freunde der Medizinischen Hochschule Hannover für eine herausragende Arbeit der medizinischen Grundlagenwissenschaft verliehen. Benannt ist der Preis nach dem Biochemiker und Mediziner Sir Hans Adolf Krebs (1900 - 1981). 1933 emigrierte er nach England, wo er 1937 den Zitronensäurezyklus (Krebs-Zyklus) entdeckte. Dafür erhielt er 1953 den Nobelpreis für Medizin.
Informationen: Prof. Ivan Dikic, Institut für Biochemie II, Universitätsklinik, Tel. (069) 6301-5652, ivan.dikic@biochem2.de.
Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt am Main. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der schönste Campus Deutschlands. Mit über 50 seit 2000 eingeworbenen Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität den deutschen Spitzenplatz ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in der Exzellenzinitiative zeigte sie sich als eine der forschungsstärksten Hochschulen.
Herausgeber: Der Präsident
Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19 32,
60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation Telefon (069) 798 - 2 92 28, Telefax (069) 798 - 2 85 30, E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de
Internet: www.uni-frankfurt.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Biologie, Medizin
überregional
Personalia
Deutsch

Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.
Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).
Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.
Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).
Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).