Den heutigen Schlüsselfragen der Neurotransmission werden sich herausragende internationale Neurowissenschaftler am 18. und 19. November 2009 in Marburg widmen. Zugleich werden sie ihre Zukunftsvisionen präsentieren, mit denen sie sich den Herausforderungen neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen stellen. Die Veranstaltung "Neurotransmission then, now and tomorrow - the lessons of Loewi" startet die Reihe der "Von Behring-Röntgen-Symposien", die die Von Behring-Röntgen-Stiftung künftig jedes Jahr abwechselnd in Marburg und Gießen ausrichten wird.
Kann die Reizung des Herzens durch chemische Substanzen erfolgen? 1921 gab Otto Loewi (1873-1961) die Antwort, als er die chemische Weiterleitung von Nervenimpulsen entdeckte. Der Pharmakologe Otto Loewi, der um 1899 kurze Zeit in Marburg in direkter Nachbarschaft zu Behrings "Institut für experimentelle Therapie" forschte, konnte nachweisen, dass für die Übertragung des Nervenimpulses auf das Herz ein chemischer Stoff ("Vagusstoff") verantwortlich sein musste, den Sir Henry Dale später als Acetylcholin identifizierte. Für die Entdeckung der Fortpflanzung des Nervenreizes, dem auch heute in der Neurophysiologie noch gültigem Prinzip der Neurotransmission, erhielten beide 1936 den Nobelpreis für Medizin.
Seit Loewis Entdeckung des ersten Botenstoffes - inzwischen wurden mehr als 50 verschiedene Neurotransmitter identifiziert - ist es zu enormen Fortschritten in der Forschung gekommen: nicht nur zu den grundlegenden Mechanismen der Neurotransmission, sondern vor allem auch zu ihrer klinischen Bedeutung. Gerade auf die Erkrankungen Alzheimer, Parkinson oder Schlaganfall sowie auf posttraumatischen Stress haben die Neurotransmitter großen Einfluss.
Neurotransmitter beeinflussen die gesamte Informationsübertragung zwischen den Nervenzellen und von Nervenzellen auf andere Zellen - und damit sowohl unsere körperlichen Funktionen als auch unser Denken, Fühlen und Handeln. Gerät dieses komplexe System aus dem Lot, bleibt dies nicht ohne Folgen. So spielen bei der Alzheimer-Demenz vor allem Glutamat und Acetylcholin eine Rolle, deren Unausgewogenheit sich durch Lern- und Gedächtnisstörungen bemerkbar macht. Und die Symptome des Morbus Parkinson werden durch einen Mangel des Neurotransmitters Dopamin im Gehirn ausgelöst. Dopamin spielt auch eine entscheidende Rolle bei Suchterkrankungen. Neuropeptide modulieren die Prozesse der Neurotransmission und agieren auch selbst als Botenstoffe z. B. bei Stress und Schmerz. Dank des stetig wachsenden Wissens um seine Funktionen bietet das neuronale Botenstoffsystem heute aber auch Ansatzpunkte für sehr wirksame und nützliche Medikamente, etwa bei Depressionen, Schizophrenie und Aufmerksamkeitsstörungen.
Die wissenschaftliche Organisation des diesjährigen ersten Symposiums haben die Mediziner Prof. Dr. Eberhard Weihe aus Marburg und Prof. Dr. Wolfgang Kummer aus Gießen sowie der Neurowissenschaftler Dr. Lee Eiden vom National Institute of Mental Health, Bethesda, übernommen. Den Festvortrag hält der Pharmakologe Prof. Dr. Konrad Löffelholz, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz: die Otto-Loewi-Gedächtnisvorlesung erinnert an den Wissenschaftler und Nobelpreisträger
und die Bedeutung seiner bis heute grundlegenden Forschungen.
Im Rahmen der Veranstaltung vergibt die Von Behring-Röntgen-Stiftung erstmals Von Behring-Röntgen-Nachwuchspreise an zwei herausragende junge Wissenschaftler: Dr. Malgorzata Wygrecka und Dr. Thomas Strecker. Mit den mit jeweils 5000 Euro dotierten Preisen werden besondere Leistungen auf dem Gebiet der Medizin bzw. Biomedizin ausgezeichnet.
http://www.uni-marburg.de/fb20/aktuelles/brsymp09 - Symposium
http://www.br-stiftung.de - Stiftung
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Medizin
überregional
Wissenschaftliche Tagungen
Deutsch

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