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26.08.1997 00:00

Mehr als hundert Schornsteine kippten um

Gabriele Rutzen Presse und Kommunikation
Universität zu Köln

    130/97

    Mehr als hundert Schornsteine kippten um Koelner Geologe wertet historische Quellen zu Erdbeben im noerdlichen Rheinland aus

    Das Erdbeben von Roermond am 13. April 1992 ist vielen Bewohnern des Rheinlandes noch in lebhafter Erinnerung. Diese Erdbeben ist aber nur eines von einer Reihe von Beben, die das Rheinland in den letzten Jahrhunderten erschuetterten. Dr. Hein Meidow hat sich in seiner an der Erdbebenstation der Universitaet zu Koeln erarbeiteten Studie die Aufgabe gestellt, die historischen Quellen zu diesen Beben ausfindig zu machen und auszuwerten. Dem Koelner Geologen ist es gelungen, Erdbebenkarten des Rheinlandes zu erstellen, die sowohl die Erdbeben der letzten Jahre als auch grosse historische Beben beruecksichtigen. Die von Dr. Meidow erstellten Karten liefern so realistische Ausgangsdaten, um die potentielle Erdbebengefaehrdung des noerdlichen Rheinlandes zu beurteilen. Die Forschungsarbeit des Koelner Geologen wurde 1996 mit dem Albert-Steeger-Stipendium des Landschaftsverbandes Rheinland gewuerdigt.

    Die von Dr. Meidow rekonstruierten Erdbeben von Dueren 1755 und 1756, von Tollhausen (bei Elsdorf) 1878 und von St. Goar 1846 zaehlen zu den schwersten Erbeben, die vor 1992 das noerdliche Rheinland erschuettert haben. In den jeweiligen Epizentralgebieten - so der Koelner Geologe - wurden Gebaeude beschaedigt; Menschen kamen durch herabfallende Truemmer zu Tode. So berichtet die "Chronik von Dueren", dass durch ein Erdbeben im Februar 1756 mehr als hundert Schornsteine in Dueren umgestuerzt und teilweise die Daecher beschaedigt haetten. Die "Gazette de Cologne" weiss von Schiffen auf dem Rhein, die zusammengestossen sind und mit Wucht hochgehoben wurden. Die "Koelnische Zeitung" erlaeutert die Auswirkungen des Erdbebens bei Tollhausen 1878 fuer Koeln: Durch die Erdstoesse wurden Gebaeude in vielen Stadtteilen Koelns erschuettert; Menschen fluechteten in Panik auf die Strasse. Selbst die Baugerueste an den Domtuermen sollen ins Schwanken geraten sein - so die von Dr. Meidow zusammengestellten Quellen.

    Problematisch fuer die genaue Analyse der historischen Erdbeben ist das Fehlen instrumenteller Registrierungen. Deshalb stuetzt sich Dr. Meidow in seiner Rekonstruktion der Beben vor allem auf zeitgenoessische Zeitungsartikel, ergaenzt durch weitere historische Quellen wie Chroniken, Tagebuecher, Briefe oder Rechnungsbuecher. Hinzu treten Daten aus regionalgeschichtlichen und naturwissenschaftlichen Schriften des 19. und 20. Jahrhunderts sowie aus verschiedenen Erdbebenkatalogen. Mit dem Erdbeben von Roermond 1992 bot sich fuer den Koelner Geologen die unerwartete Gelegenheit, die Validitaet der rekonstruierten historischen Daten zu beurteilen. Insbesondere die aufgetretenen Kirchenschaeden und deren Korrelation mit den makroseismischen Intensitaeten benutzte Dr. Meidow als Hilfsmittel, um die Staerke der historischen Beben zu ermitteln. Auf der Basis der historischen Angaben und des Vergleiches zum Erdbeben von 1992 konnte der Koelner Geologe ferner die geographische Lage des Epizentrums, die Epizentralintensitaet, die Herdtiefe und die Richterstaerke der historischen Erdbeben feststellen. So war es ihm unter anderem moeglich, eine seismotektonische Karte des noerdlichen Rheinlandes zu erstellen.

    Ferner fand Dr. Meidow durch seine Untersuchungen heraus, dass das Erdbeben von 1756 in seiner Staerke sogar staerker war als das Erdbeben im Jahr 1992, das den Wert von 5,9 an der Richterskala erreichte. Das Erdbeben von 1992 richtete im deutsch-niederlaendischen Grenzgebiet immerhin einen Sachschaden von 250 Millionen Mark an. Dennoch war nicht das 92er Erdbeben, sondern die Duerener Erdbebenserie von 1755 und 1756 nach Dr. Meidow der Hoehepunkt der seismischen Aktivitaeten in den noerdlichen Rheinlanden in den vergangenen tausend Jahren.

    Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

    Fuer Rueckfragen steht Ihnen Dr. Hein Meidow unter der Telefonnummer 02203/913268, Fax-Nummer 02203/913269 und der Email-Adresse Meidow@flix.de zur Verfuegung.

    Fuer die UEbersendung eines Belegexemplares waeren wir Ihnen dankbar.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Meer / Klima, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Es wurden keine Arten angegeben
    Deutsch


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