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11.03.2002 17:29

"Unaussprechliches gestalten - über Psychoanalyse und Kreativität"

Pernille Jaeger Public Relations und Kommunikation
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)

    Symposium zur Verabschiedung der Psychoanalytikerin Prof. Dr. Christa Rohde-Dachser an der Goethe-Universität Frankfurt

    FRANKFURT. "Unaussprechliches gestalten - über Psychoanalyse und Kreativität" lautet das Thema eines Symposiums, das am 13. und 14. April (Samstag und Sonntag) an der Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität veranstaltet wird. Zu der Veranstaltung werden 250 bis 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Aula des Hauptgebäudes der Universität erwartet. Mit dieser Tagung verabschiedet sich die Psychoanalytikerin Prof. Dr. Christa Rohde-Dachser von der Universität Frankfurt. Sie hatte dort über mehr als 15 Jahre den ehemaligen Lehrstuhl von Alexander Mitscherlich am Institut für Psychoanalyse des Fachbereichs Psychologie und Sportwissenschaften inne. Rohde-Dachser gilt als eine der bekanntesten Psychoanalytikerinnen in Deutschland. Zu den Schwerpunkten ihrer Forschung gehörten die Problematisierung des psychoanalytischen Diskurses über die Weiblichkeit, die Psychoanalyse der Borderline-Persönlichkeitsstörung und in den vergangenen Jahren zunehmend auch die Beziehung zwischen Psychoanalyse und Religion.

    Das Symposium wurde von ihr ganz bewusst unter das Thema Kreativität gestellt. Denn Kreativität ist aus der Sicht der Psychoanalyse ein Prozess, in dem sich der Abschied von Althergebrachtem und der Aufbruch zu Neuem, zunächst noch Unbekanntem auf schöpferische Weise miteinander verbinden. Was dabei Gestalt zu gewinnen sucht, sind unbewusste Wünsche und Phantasien, die - bisher verdrängt - im schöpferischen Prozess machtvoll an die Bewusstseinsoberfläche drängen. Weil das Unbewusste - so Freud - die Zeit nicht kennt, sind es gleichzeitig Wünsche, die mit der Erfahrung von Zeitlosigkeit verbunden sind, auch wenn das Wissen um menschliche Vergänglichkeit dem diametral entgegensteht. Kreatives Handeln dient dann nicht zuletzt dem Ziel, diesem unaufhebbaren Widerspruch menschlicher Existenz immer neuen Ausdruck zu verleihen.

    In den Vorträgen des Symposiums soll etwas von diesen schöpferischen Möglichkeiten sichtbar werden. Zum Auftakt spricht am Samstag Prof. Dr. Jean-Christophe Ammann, Direktor des Museums für Moderne Kunst und Honorarprofessor am Institut für Kunstgeschichte der Goethe-Universität über "Dare tempo al tempo - Der Zeit Zeit geben", wobei er zwei Künstler in ihrem Verhältnis zur Zeit einander gegenüber stellt. Der amerikanische Psychoanalytiker Prof. Leon Wurmser (Towson) setzt sich anschließend mit der tragischen Doppelheit des Menschen in den Romanen des russischen Schriftstellers Dostojewsky auseinander.

    Am Samstagnachmittag stehen Kreativität und Weiblichkeit im Mittelpunkt. Für Freud war die Psychologie der Frau immer ein dunkler Kontinent. Christa Rohde-Dachser hat demgegenüber einer emanzipatorischen Theorie des Geschlechterverhältnisses innerhalb der Psychoanalyse den Weg gebahnt. Dies sollte auch auf dem Symposium zur Sprache kommen. Die Psychologin Eva S. Poluda-Korte (Brühl) spricht über die Bedingungen weiblicher Kreativität ("Trauer muss Elektra tragen"). Die Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Christina von Braun, Humboldt-Universität Berlin, beschäftigt sich mit dem Verborgenen und Schöpferischen: "Krypta und Kreativität - das 'verschlüsselte' Gedächtnis der Frauen". Die Diplom-Psychologin Mechthild Zeul (Madrid) setzt sich an Hand des Films "Die Geliebte des französischen Leutnants" mit der filmischen Ästhetik der Femme Fatale auseinander.

    Die Themen des Sonntags: Der Frankfurter Soziologie-Professor Ulrich Oevermann beschäftigt sich mit künstlerischer Produktion als sozialem Handeln, die Frankfurter Diplom-Psychologin Marina Gambaroff mit Kreativität und Religiosität. Zur Problematik menschlichen Begehrens in psychoanalytischer Sicht nimmt Prof. Dr. Hermann Lang (Würzburg) Stellung und illustriert seinen Vortrag mit Klang- und Videobeispielen aus musikalischen Werken.

    Nähere Informationen: Prof. Dr. Christa Rohde-Dachser, Institut für Psychoanalyse, Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaften, Telefon 069/798-22541, E-Mail: r.wicke@psych.uni-frankfurt.de, Internet: www.psychoanalyse.uni-frankfurt.de/kongress
    Anmeldung für Teilnahme: Tagungsbüro Heike Müßner, Telefon 0511/783931, Fax 0511/783932, Mobil 0160/1805788


    Weitere Informationen:

    http://www.psychoanalyse.uni-frankfurt.de/kongress


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Gesellschaft, Kunst / Design, Musik / Theater, Psychologie, Sprache / Literatur
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Personalia, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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