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23.04.2002 13:35

Leben ohne Westfernsehen

Volker Schulte Stabsstelle Universitätskommunikation / Medienredaktion
Universität Leipzig

    "Leben ohne Westfernsehen" ist der Titel eines jetzt im Leipziger Universitätsverlag erschienenen Buches, mit dem der Kommunikations- und Medienwissenschaftler Prof. Dr. Hans-Jörg Stiehler von der Universität Leipzig aufschlussreiche Studien zur Medienwirkung und Mediennutzung in der Region Dresden in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts vorlegt.Damit wurde ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstütztes Projekt abgeschlossen.

    Am 18. Juli 1984 erhielt die Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Dresden eine Weisung aus dem Ministerium in Berlin. Durch den Stellvertreter von Minister Mielke, Generalleutnat Neiber, wurde die Arbeitsgruppe XXII (Terrorabwehr) mit der operativen Bearbeitung eines neuen Falles beauftragt. Die Abteilung M (Postkontrolle) hatte "im nationalen Briefverkehr" einen auf den 9. Juli datierten Drohbrief an den Staatsrat der DDR "sichergestellt". Die Adresse auf dem Briefumschlag und der pseudonyme Absender waren mit einer Schriftschablone geschrieben, der Text war aus Zeitungsüberschriften und Zeitungsmeldungen zusammengeschnitten und aufgeklebt worden. Er lautete:

    Aus kochendem Untergrund in Dresden
    Forderungen, denen
    keiner ausweichen kann
    BRD Rundfunk-
    und Fernsehprogramm
    Wir drohen mit Gewalt
    Einsatz einer Arbeitsgruppe
    Bereit zum sprengen
    des FS und UKW-Turm Dresden/Wachwitz
    UKW-Sender Löbau
    Forderungen überbracht
    in die Tat umsetzen
    bis 6. 11. 1984

    Dieser Drohbrief war Anlass für die Auslösung des Operativen Vorgangs "Turm", der die - im übrigen fehlgeschlagene - Suche nach dem Absender wie auch die Bemühungen von Einwohnern Dresdens um Zugang zum Westfernsehen dokumentiert. Zusammen mit Sekundäranalysen von Datensätzen aus der DDR-Sozialforschung und medienbiographischen Interviews in der Region Dresden bildet der Aktenfund aus der Außenstelle Dresden der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR ein reichhaltiges Material, das die Mediennutzung und die Medienwirkung zu Zeiten des Mangels an Alternativen zu den DDR-Medien zu beschreiben gestattet. In der nicht ohne Häme "Tal der Ahnungslosen" genannten Region Dresden, wo das Westfernsehen nicht zu empfangen war, war dieser Mangel besonders gravierend.

    Weitere Informationen: Prof. Dr. Stiehler
    Telefon: 0341 9735742
    E-Mail: stiehler@uni-leipzig.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Geschichte / Archäologie, Medien- und Kommunikationswissenschaften
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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