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03.09.2002 12:07

Unterdrückung blieb ohne Einfluss

Gabriele Rutzen Presse und Kommunikation
Universität zu Köln

    Unterdrückung blieb ohne Einfluss
    Geringer Einfluss des Kommunismus auf den Glauben

    Der Kommunismus in den ehemaligen Ostblockländern hat trotz staatlicher Unterdrückung keinen längerfristigen Einfluss auf die Religion nehmen können. Zwar schritt die Verweltlichung schneller voran als in den westeuropäischen Demokratien. Die Säkularisierung der Gesellschaft in Osteuropa geht seit dem Zusammenbruch des Kommunismus jedoch wieder zurück. Die Religion lebt nach Beendigung des Zwangs wieder auf. Die Zahl der Gläubigen nimmt zu. Zu diesem Ergebnis kommt Professor Dr. Heiner Meulemann vom Institut für Angewandte Sozialforschung der Universität zu Köln.

    Je höher das Ansehen der Kirchen ist, desto schwieriger ist es, die Säkularisierung mit staatlichen Zwangsmitteln durchzusetzen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die nationale Identität. Wenn sie religiös fundiert ist, ist die Unterdrückung des Glaubens schwierig. Polen ist deshalb ein Sonderfall unter den osteuropäischen Ländern. In diesem Land konnte die Säkularisierung nie durchgesetzt werden, da die katholischen Wurzeln der Bevölkerung zu stark waren. Auch nach der staatlichen Unterdrückung ist die Quote der Gläubigen in Polen höher als in den westeuropäischen Ländern. Im Gegensatz dazu ist Ostdeutschland das am höchsten säkularisierte Land. Gründe dafür sieht der Kölner Soziologe unter anderem in der protestantischen Vergangenheit des Landes.

    Nicht allein der Staat beeinflusst die Religiosität der Menschen. Auch persönliche Faktoren wie Alter und Grad der Erziehung wirken auf den Glauben des Einzelnen ein. Am bedeutsamsten ist die Teilnahme an der gemeinschaftlichen Ausübung des Glaubens, zum Beispiel in Gottesdiensten. Nur durch ihre Unterdrückung konnte die Abschaffung der Religion im Sozialismus vorangetrieben werden. Am Wiederaufleben des Glaubens in Osteuropa hat die religiöse Praxis heute deswegen einen hohen Anteil. Beim gemeinsamen Gebet treffen Gläubige auf andere Menschen, die ihre Überzeugung teilen. Auf diese Weise wird ihre Religiosität gefestigt.

    Datenbasis der Untersuchung ist eine Umfrage, die in den Jahren 1991 und 1998 in neun west- und fünf osteuropäischen Ländern durchgeführt wurde. Mit Hilfe von Fragen über Gott und die Bibel kann das Verhältnis der Teilnehmer zum Glauben bestimmt werden. Im Westen veränderte sich diese Haltung im Zeitraum von 1991 und 1998 nur gering. Im Osten ist der Grad der Säkularisierung 1991 höher als im Westen. Die Einflüsse der staatlichen Unterdrückung sind in dieser Umfrage noch deutlich sichtbar. Bis 1998 erfolgt dann jedoch ein spontanes, wenn auch nicht vollständiges Wiederaufleben der Religiosität.

    Der Glaube an Gott ist stärker beschädigt als der Glaube an die Bibel. Die Zahl der Menschen, die positiv über die Bibel denken, steigt seit dem Ende des Kommunismus in Osteuropa weitaus stärker als die Zahl derjenigen, die an Gott glauben. Die Bibel besitzt auch historische Teile, die weltlich und rational beurteilt werden können. Diese Teile stehen deswegen einer kommunistischen Weltanschauung, die von einem weltlichen Glauben an den wissenschaftlichen Materialismus geprägt ist, nicht entgegen.

    Verantwortlich: Laura Ewers

    Für Rückfragen steht Ihnen Professor Dr. Heiner Meulemann un-ter der Telefonnummer 0221/470-5658, der Fax-Nummer 0221/470-5169 und unter der Emailadresse meulemann@wiso.uni-koeln.de zur Verfügung.

    Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web
    (http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/).


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Philosophie / Ethik, Religion
    regional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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