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16.07.2013 15:20

Verwandtschaft zwischen entzündlichen Erkrankungen entdeckt

Blandina Mangelkramer Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

    Entzündungen sind wichtige Abwehrprozesse des Körpers, die normalerweise zeitlich begrenzt sind und zur Heilung einer Körperschädigung führen. Chronische Entzündungen dagegen sind schwerwiegende Krankheitsbilder: Sie können zu bleibenden Organschädigungen führen, wenn sie nicht rasch therapiert werden. In experimentellen und klinischen Studien, in denen die Wirkung neuer Medikamente erforscht wurde, entdeckten Forscher vom Universitätsklinikum der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in Zusammenarbeit mit internationalen Kollegen Verwandtschaften zwischen unterschiedlichen chronisch-entzündlichen Erkrankungen.

    Die Erkenntnisse und einen Stammbaum verschiedener Krankheitsbilder haben die Wissenschaftler um Prof. Dr. med. Georg Schett (Direktor der Medizinischen Klinik 3) und Prof. Dr. med. Markus F. Neurath (Direktor der Medizinischen Klinik 1) vom Universitätsklinikum Erlangen jetzt in Nature Medicine veröffentlicht.*

    Die Symptome sind grundverschieden: Arthritis führt zu einer schmerzhaften Zerstörung der Gelenke, Knochen und der Wirbelsäule. Die Crohn’sche Erkrankung befällt die Darmwand und zeigt sich in Krämpfen und blutigen Durchfällen. Schuppenflechte wiederum führt zu einer sehr belastenden und teilweise sogar entstellenden chronischen Entzündung der Haut. Eine Verwandtschaft ist zwischen diesen entzündlichen Erkrankungen ist nicht auf Anhieb ersichtlich.

    „Die Verwandtschaft entzündlicher Erkrankungen ist manchmal nur eine entfernte, teils aber auch eine enge, fast familiäre Beziehung“, erklärt Prof. Georg Schett. „Durch die Verordnung moderner Arzneimittel und die Reaktionen darauf verstehen wir nun, dass nicht alle entzündlichen Erkrankungen die gleichen Mechanismen benutzen – wir konnten aber auch erstaunliche Gemeinsamkeiten erkennen“, erklärt Prof. Schett. Man weiß etwa, dass diese unterschiedlichen Krankheiten fast allesamt gut auf die therapeutische Hemmung eines bestimmten Entzündungsstoffes, des Tumor-Nekrose-Faktors (TNF), reagieren.

    Darüber hinaus ließen sich auch weitere Gemeinsamkeiten zwischen einzelnen Erkrankungen ausmachen: Beispielsweise besteht hinsichtlich der Abhängigkeit von bestimmten Entzündungsbotenstoffen – und einem entsprechenden therapeutischen Erfolg, wenn man diese hemmt – eine enge Verbindung zwischen der rheumatoiden Arthritis, einer schweren Form des Gelenkrheumas, und einer seltenen Form der Gefäßentzündung, der Riesenzellenarteriitis, die vor allem im Alter auftritt und zu gefährlichen Gefäßverschlüssen führen kann.

    Eine weitere Allianz bildet die Gicht mit bestimmten Formen des kindlichen Rheumas: Beide Erkrankungen sind stark von dem Entzündungseiweiß Interleukin-1 abhängig. Ebenso konnten die Wissenschaftler eine Verknüpfung zwischen der Schuppenflechte und speziellen Formen der Gelenk- und Wirbelentzündung erkennen.

    Ähnliches ließ sich für chronische Darmentzündungen feststellen: „Die Darmentzündung spricht auf einige Entzündungshemmer ausgezeichnet an, während andere Wirkstoffe wenig hilfreich oder sogar schädlich sind“, sagt Prof. Markus F. Neurath. „Unsere Untersuchungen haben aber auch gezeigt, dass es Entzündungshemmer gibt, die insgesamt eine positive Wirkung auf das Gleichgewicht der Organfunktionen ausüben. Hemmen wir den falschen Botenstoff einer Entzündungsreaktion, können wir mehr Schaden als Nutzen anrichten“, fasst Prof. Neurath zusammen.

    Angesichts dieser Erkenntnisse sind sich die Forscher darüber einig, dass es gerade bei der Behandlung entzündlicher Erkrankungen ausgewiesener Spezialisten bedarf, die dank ihrer Kenntnisse über Wesen und Funktion der Entzündung, die richtigen Diagnosen stellen und die richtigen Therapie-Entscheidungen treffen können.

    *(Schett G, Elewaut D, McInnes IB, Dayer JM, Neurath MF.How Cytokine Networks Fuel Inflammation: Toward a cytokine-based disease taxonomy. Nat Med. 2013 Jul;19(7):822-4.).; doi: 10.1038/nm.3260.

    Informationen für die Medien:
    Sandra Jeleazcov
    Tel.: 09131/85-39109
    sandra.jeleazcov@uk-erlangen.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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