idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
05.09.2013 11:18

Oskar Negt hält Vortrag: „Mein Verhältnis zur Frankfurter Schule“

Ulrike Jaspers Marketing und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

    FRANKFURT. „Mein Verhältnis zur Frankfurter Schule“ betitelt der Sozialphilosoph Prof. Oskar Negt seinen öffentlichen Vortrag, den er am 12. September (Donnerstag) um 19.15 Uhr im Institut für Sozialforschung an der Goethe-Universität, Senckenberganlage 26, hält. Der 1934 geborene Wissenschaftler gilt heute als einer der herausragenden Vertreter der zweiten Generation der Frankfurter Schule, der die Zeit der 1960er und 1970er Jahre maßgeblich mitprägte.

    Eine Episode aus dem Jahr 1960 wird der Doktorand Adornos nicht unerwähnt lassen: Statt der in der DDR bestelltem Marx-Engels-Ausgabe bekam Negt Post vom Amtsgericht Frankfurt, es sei ein Paket mit staatsgefährdendem Propaganda-Material für ihn eingetroffen. Der Briefwechsel zwischen Negt und dem Amtsgericht ist das erste Dokument seines Vorlasses, den der Sozialphilosoph 2010 an das Archivzentrum der Frankfurter Universitätsbibliothek übergeben hat und dessen Erschließung nun online zugänglich ist – dies ist auch der Anlass für Negts Vortrag an seiner alten Wirkungsstätte. Es handelt sich um insgesamt 91 Archiveinheiten zu rund 10.000 Seiten für die Jahre von 1960 bis 2010.

    Und hier ein Auszug aus dem Brief des Amtsgerichts Frankfurt: „Es wird Ihnen mitgeteilt, dass ein an Sie gerichtetes Paket aus der Sozialistischen Besatzungszone, in welchem sich staatsgefährdendes Propagandamaterial befand, auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen von dem Amtsgericht in Rothenburg beschlagnahmt worden ist.“ Negt wartete damals tatsächlich dringend auf eine Büchersendung mit Bänden der Marx-Engels-Werke aus Ost-Berlin und sah sich veranlasst, das Amtsgericht aufzuklären: „Auf Grund des innerdeutschen Handels sind alle Bücher, die im Dietz- und Aufbauverlag erschienen sind, im westdeutschen Buchhandel erhältlich. Ich folgere daraus, dass sie deshalb nicht staatsgefährdend sein können.“ Und weiter betonte er, dass es keine westdeutsche Gesamtausgabe von Marx gebe, weshalb man gezwungen sei, sich auf die ostdeutsche Edition zu stützen. Was aus heutiger Sicht eine Lappalie ist, war für Negt ein echtes Problem. Die akademische Auseinandersetzung mit dem Marxismus wurde in der Adenauer-Ära und Zeiten des Kalten Krieges auch juristisch unter die Lupe genommen.

    Negt, der bei Theodor Adorno promovierte, war Assistent von Jürgen Habermas, befreundet mit Ernst Bloch und stand Herbert Marcuse sehr nahe. Gleichzeitig war er für die Studierenden eine der Symbolfiguren der 68er-Bewegung und zeitlebens dem gewerkschaftlichen Milieu eng verbunden. Im Jahre 1970 folgte er dem Ruf der Universität Hannover, wo er bis zur Emeritierung 2002 lehrte.

    Diesen Vortrag organisieren und veranstalten gemeinsam das Archivzentrum der Universitätsbibliothek J.C. Senckenberg und das Institut für Sozialforschung(IfS). Der Vorlass von Oskar Negt ist über die Webseite des Archivzentrums in der online-Datenbank HADIS (Hessisches Archiv-Dokumentations- und Informationssystem) zugänglich. Die originalen Unterlagen zu Oskar Negt und zur Frankfurter Schule können im Archivzentrum montags bis freitags von 9.30 bis 16.30 Uhr nach Voranmeldung und im Rahmen der Benutzungsordnung eingehend studiert werden. Desweiteren befinden sich im Archivzentrum die Vor- und Nachlässe anderer Wissenschaftler der Frankfurter Schule; dazu gehören u.a.: Max Horkheimer, Herbert Marcuse, Leo Löwenthal, Ludwig von Friedeburg und Jürgen Habermas.

    Informationen: Dr. Mathias Jehn, Archivzentrums der Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Tel. (069) 798 39007; E-Mail: m.jehn@ub.uni-frankfurt.de; Dr. Sidonia Blättler, Institut für Sozialforschung (IfS), Tel.: (069) 75618316; E-Mail: blaettler@em.uni-frankfurt.de, Campus Bockenheim

    Fotos zum Download: http://service.ub.uni-frankfurt.de/auftrag/20130904_negt/
    Copyright Oskar Negt


    Weitere Informationen:

    http://service.ub.uni-frankfurt.de/auftrag/20130904_negt/


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Geschichte / Archäologie, Gesellschaft, Kulturwissenschaften, Philosophie / Ethik, Politik
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Personalia
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay