Auch Tiere komponieren

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17.02.2015 09:59

Auch Tiere komponieren

Stephan Brodicky Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien

    Musik ist ein wesentlicher Bestandteil aller menschlichen Kulturen. Sie scheint aber nicht nur ein rein kulturelles Phänomen darzustellen, sondern auch tief in unserer biologischen Veranlagung verankert zu sein. Diesen Schluss zieht ein internationales ForscherInnenteam rund um Marisa Hoeschele vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien auf Basis verschiedener evolutionsbiologischer Studien. Anhand der Forschung des natürlichen Verhaltens von Tieren könnte es möglich sein, die Fundamente der menschlichen Musikalität zu entschlüsseln. Ihr Aufsatz dazu erscheint aktuell in der renommierten Fachzeitschrift "Philosophical Transactions of the Royal Society B".

    Die verschiedensten menschlichen Kulturen haben unabhängig voneinander einzigartige musikalische Systeme entwickelt. Trotz der Einzigartigkeit jeder einzelnen Tonwelt haben viele Kulturen bestimmte Aspekte der Musik gemein, wie etwa welche Notenintervalle als angenehm empfunden werden. Basierend auf zahlreichen Studien kommt nun ein internationales ForscherInnenteam um die Kognitionsbiologin Marisa Hoeschele von der Universität Wien zur Erkenntnis, dass die Forschung mit Tieren von zentraler Bedeutung sein könnte, wenn es darum geht zu entschlüsseln, welche Aspekte der menschlichen Musik rein kulturelle Phänomene sind und welche in unserer Biologie verwurzelt sind.

    Mit Verhaltensforschung Musikalität ergründen

    In ihrem Übersichtsartikel im Fachjournal "Philosophical Transactions of the Royal Society B" erklären die WissenschafterInnen, dass es mithilfe der Verhaltensforschung von Tieren möglich ist, die Fundamente der menschlichen Musikalität zu rekonstruieren. Mittels Vergleich kann untersucht werden, ob Tierarten bestimmte musikalische Merkmale, die auch Teil der menschlichen Musikalität sind, mit uns gemeinsam haben. Dabei wird neben dem natürlichen Verhalten von Tieren auch das Verhalten unter künstlichen Laborbedingungen berücksichtigt.

    Vom Piepmatz zum Komponisten

    "Wenn alle Menschen musikalische Systeme entwickeln und diese Systeme zudem klare Parallelen zueinander aufweisen, dann liegt der Schluss nahe, dass die Musik ein biologisches Phänomen der menschlichen Spezies ist", erläutert Hoeschele. Genauso wie es Parallelen in der Musik verschiedener Kulturen gibt, so finden sich auch Ähnlichkeiten in den Lauten und der Wahrnehmung zwischen verschiedenen Tierarten. Beispielsweise müssen Singvögel, die ihre Bezeichnung aufgrund ihrer liedähnlichen Laute tragen, als Jungvögel ihre Gesänge erlernen – dies ist in der Tierwelt eine relativ seltene Fähigkeit und Voraussetzung dafür, dass neue Gesänge entstehen können.

    Einige Singvögel können sogar als Erwachsene neue Laute und Gesänge erlernen. Hierzu gehören etwa Papageien, die, wie Forschung erst kürzlich gezeigt hat, auch einen Rhythmus identifizieren und sich im Takt dazu bewegen können. Solche Beispiele zeigen deutlich, dass einige Tierarten über biologische Anpassungen verfügen, die den menschlichen recht ähnlich sind.

    Tiere mit Musikgeschmack

    Einige Tierarten können also, ähnlich wie die Menschen, Musik ihrem Komponisten und/oder ihrem Genre zuordnen. Bislang wurde hierzu nur wenig erforscht, aber es scheint, dass es in der Tierwelt nicht nur viele Parallelen in den musikalischen Fähigkeiten gibt, sondern auch, dass viele Tierarten Bestandteile der Musik so wahrnehmen wie wir auch, und dass wenigstens einige ähnliche Aspekte wie wir in der Musik genießen. "Unser Überblicksartikel umreißt, was in diesem sich rasant entwickelnden Forschungsgebiet bereits erforscht wurde und in welche Richtung es sich zukünftig entwickeln sollte, um letztendlich die Frage über den Ursprung der menschlichen Musikalität beantworten zu können", sagt Hoeschele.

    Publikation in Philosophical Transactions of the Royal Society B:
    Hoeschele, M., Merchant, H., Kikuchi, Y., Hattori, Y., ten Cate, C. (2015). Searching for the origins of musicality across species. Philosophical Transactions of the Royal Society B, 370(1664).
    DOI: 10.1098/rstb.2014.0094

    Wissenschaftlicher Kontakt
    Marisa Hoeschele, PhD
    Department für Kognitionsbiologie
    Universität Wien
    1090 Wien, Althanstraße 14
    T +43-699-1722-34 67
    marisa.hoeschele@univie.ac.at

    Rückfragehinweis
    Mag. Veronika Schallhart
    Pressebüro der Universität Wien
    Forschung und Lehre
    1010 Wien, Universitätsring 1
    T +43-1-4277-175 30
    M +43-664-602 77-175 30
    veronika.schallhart@univie.ac.at

    Die Universität Wien ist eine der ältesten und größten Universitäten Europas: An 15 Fakultäten und vier Zentren arbeiten rund 9.700 MitarbeiterInnen, davon 6.900 WissenschafterInnen. Die Universität Wien ist damit auch die größte Forschungsinstitution Österreichs sowie die größte Bildungsstätte: An der Universität Wien sind derzeit rund 92.000 nationale und internationale Studierende inskribiert. Mit über 180 Studien verfügt sie über das vielfältigste Studienangebot des Landes. Die Universität Wien ist auch eine bedeutende Einrichtung für Weiterbildung in Österreich. 1365 gegründet, feiert die Alma Mater Rudolphina Vindobonensis im Jahr 2015 ihr 650-jähriges Gründungsjubiläum. http://www.univie.ac.at

    1365 gegründet, feiert die Alma Mater Rudolphina Vindobonensis im Jahr 2015 ihr 650-jähriges Gründungsjubiläum mit einem vielfältigen Jahresprogramm – unterstützt von zahlreichen Sponsoren und Kooperationspartnern. Die Universität Wien bedankt sich dafür bei ihren KooperationspartnerInnen, insbesondere bei: Österreichische Post AG, Raiffeisen NÖ-Wien, Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, Stadt Wien, Industriellenvereinigung, Erste Bank, Vienna Insurance Group, voestalpine, ÖBB Holding AG, Bundesimmobiliengesellschaft, Mondi. Medienpartner sind: ORF, Die Presse, Der Standard.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Gesellschaft, Kulturwissenschaften, Psychologie, Tier / Land / Forst
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Mittels Verhaltensforschung von Tieren könnten die Fundamente menschlicher Musikalität entschlüsselt werden.


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    Leitete das internationale ForscherInnenteam - Marisa Hoeschele.


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