idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
1000. idw-Mitglied!
1000 Mitglieder
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
23.07.2015 10:30

RoboCup 2015: Team B-Human wird Vizeweltmeister und holt drei Trophäen nach Bremen

Andrea Fink DFKI Bremen
Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

    Das Bremer Team B-Human konnte beim RoboCup 2015 in Hefei, China, in der Standard Platform League den Titel des Vizeweltmeisters sowie die Hälfte der insgesamt sechs vergebenen Trophäen erringen. Neben den zweiten Plätzen in den Fußball- und Auswahlmannschaftswett-bewerben erzielte das gemeinsame Projekt der Universität Bremen und des Deutschen For-schungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) GmbH den ersten Platz im technischen Wettbewerb. Den Weltmeistertitel im Fußballwettbewerb holte erneut das Team UNSW Australia aus Sydney.

    Das Finale im Fußballwettbewerb gegen den amtierenden Weltmeister UNSW Australia war eine Neuauflage des Halbfinales des Vorjahres. Mit 1:3 war der Spielausgang zwar weniger deutlich als 2014, es blieb eine bittere Niederlage für den vierfachen Weltmeister aus Bremen. UNSW Australia attackierte das Bremer Tor in der ersten Halbzeit unermüdlich, scheiterte aber bis kurz vor der Halb-zeitpause immer wieder an der starken Bremer Defensive. Dann allerdings konnten die Australier einen Schuss aus kurzer Distanz zum 1:0 verwandeln. Die zweite Halbzeit begann ausgeglichener und der Ball wechselte zwischen beiden Hälften hin und her. Nach sechseinhalb Minuten – eine Halbzeit dauert zehn – schafften die Bremer Roboter den Ausgleich zum 1:1. Das australische Team nahm daraufhin einen Time-out, d.h. eine Spielunterbrechung von fünf Minuten. Zurück im Spiel gelang es ihnen, eine Minute vor Ende der zweiten Halbzeit erneut mit 2:1 in Führung zu gehen. Schließlich setzten die Roboter aus Down Under noch eins drauf und erzielten sechs Sekunden vor dem Abpfiff durch einen Distanzschuss sogar noch das 3:1, weil der Bremer Torwart den Ball erst hinter der Linie aufhalten konnte. Insgesamt war es ein packendes Finale.

    Neben dem normalen Fußballturnier wird beim RoboCup seit zwei Jahren auch der Auswahlmann-schaftswettbewerb ausgetragen. Dabei wird in gemischten Teams mit wechselnden Zusammenstel-lungen der NAO-Roboter gespielt. Jedes teilnehmende Team stellt nur einen Spieler, der mit Robotern aus anderen Teams kooperieren muss. Bei diesem Wettbewerb geht es zwar auch darum, die Spiele zu gewinnen, viel stärker wird aber berücksichtigt, wie gut sich ein Roboter als Mitspieler verhält und ob er die Regeln befolgt. Dies wird von Punktrichtern bewertet. Im Vorjahr konnte B-Human diesen Wettbewerb für sich entscheiden und auch diesmal erhielt das Team von den Punktrichtern die beste Bewertung. Allerdings lag das Nao-Team HTWK in der Bewertung nur knapp dahinter, war aber häu-figer auf der Seite der siegreichen Mannschaft und konnte so B-Human auf den zweiten Platz ver-drängen. Insgesamt wurden in diesem Wettbewerb die vier ersten Plätze von deutschen Teams belegt, denn nach Leipzig und Bremen folgten gleich die Nao Devils aus Dortmund sowie Berlin United.

    Traditionell werden beim RoboCup auch die so genannten technischen Wettbewerbe ausgetragen, bei denen es Einzelaufgaben zu lösen gilt, mit denen mögliche Regel¬änderungen für die Zukunft getestet werden. Dieses Jahr ging es erstens um den Ablauf eines Eckstoßes, den es bisher in den Regeln nicht gibt, zweitens um das Laufen auf unterschiedlichen Teppichen, um dem letztendlich anvisierten Spielen auf Rasen näher zu kommen, und drittens um das Spiel mit beliebigen Bällen, denn bisher wird nur ein ganz bestimmter, farblich auffälliger Ball verwendet. In jedem dieser Einzelwettbewerbe erreichte B-Human jeweils den zweiten Platz unter 27 Teams und konnte damit den technischen Wettbewerb als Ganzes deutlich für sich entscheiden.

    Das Team B-Human besteht aktuell aus 10 Studierenden der Universität Bremen sowie den Betreuern Dr. Thomas Röfer vom DFKI-Forschungsbereich Cyber-Physical Systems, der von Prof. Dr. Rolf Drechsler geleitet wird, und Dr. Tim Laue von der Universität Bremen. B-Human tritt seit 2009 bei den RoboCup German Open und der Weltmeisterschaft in der Standard Platform League an und hat sie-benmal die deutschen Meisterschaften gewonnen und viermal den Weltmeistertitel errungen.

    In der Standard Platform League verwenden alle Fußball-Teams dasselbe Robotermodell, nämlich den humanoiden Roboter NAO der französischen Firma Aldebaran Robotics. Die Teams unterschei-den sich allein in der Software, die sie für die Roboter entwickeln. Dank ihrer Hilfe agieren die NAOs im Spiel vollständig autonom. Sie müssen ihre Umgebung erkennen, Entscheidungen fällen und diese dann gemeinsam umsetzen. In den Fußballspielen treten jeweils fünf Roboter gegeneinander an.

    Im diesjährigen Wettbewerb gab es drei zentrale Neuerungen: Die Tore sind nun weiß statt wie bisher gelb, wodurch sie viel schwieriger für die Roboter auszumachen sind, da weiß in der Umgebung we-sentlich häufiger vorkommt und die NAOs selbst auch weiß sind. Zudem dürfen die einzelnen Teams nun eigene Trikots entwerfen und verwenden, wodurch es für das Publikum deutlicher ist, welche Teams gerade gegeneinander spielen. Allerdings müssen die Roboter nun verschiedenen Variationen an Trikots unterscheiden können. Die dritte neue Herausforderung besteht darin, dass die NAOs ab dem Halbfinale das Pfeifen des Schiedsrichters selbst erkennen müssen. B-Human nutzt dafür eine Erkennung, der genau ein Pfeifengeräusch eintrainiert wurde, damit die Roboter in einer Halle voller Fußballfelder nicht auf das Pfeifen von Nachbarwettbewerben reagieren. Leider erzeugten die beim Wettbewerb verwendeten Pfeifen nicht immer denselben Ton, so dass die Erkennung zwar meistens, aber nicht immer funktionierte. Andere Teams verwendeten tolerantere Ansätze, wodurch die Erken-nung besser funktionierte, die Roboter aber auch manchmal ein Pfeifen hörten, obwohl der Schieds-richter gar nicht gepfiffen hatte.

    Über den RoboCup

    Hinter dem Wettbewerb steht eine internationale Initiative zur Förderung der Forschung in den Berei-chen Künstliche Intelligenz und Robotik. Gemeinsames wissenschaftliches Ziel ist, bis zum Jahre 2050 ein Team von autonomen, humanoiden Robotern zu entwickeln, das in der Lage ist, den zu diesem Zeitpunkt amtierenden menschlichen Fußballweltmeister zu schlagen. Um dieses Ziel zu erreichen, werden in verschiedenen Ligen unterschiedliche Forschungsschwerpunkte gesetzt und die An-forderungen an die Teams kontinuierlich erhöht.

    Kontakt:
    Dr. Thomas Röfer
    Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) GmbH
    Forschungsbereich Cyber-Physical Systems
    Telefon: (0421) 218 64200
    E-Mail: Thomas.Roefer@dfki.de


    Weitere Informationen:

    http://www.b-human.de
    http://www.robocup2015.de
    http://www.informatik.uni-bremen.de/spl/bin/view/Website/Results2015
    http://www.dfki.de/cps


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Elektrotechnik, Informationstechnik, Maschinenbau
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


    Der Vizeweltmeister und seine Trophäen: Das Team B-Human von der Universität Bremen und dem DFKI in Hefei, China.


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).