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30.10.2015 07:44

Arbeitsgedächtnis: Zugrundeliegende Prozesse komplexer als gedacht

Dr. Julia Weiler Dezernat Hochschulkommunikation
Ruhr-Universität Bochum

    Wenn Menschen eine Information für kurze Zeit im Kopf behalten, benötigen sie dafür das Arbeitsgedächtnis. Die zugrunde liegenden Prozesse sind deutlich komplexer als bislang gedacht, berichten Forscher der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Bonn in der Zeitschrift „Cell Reports“. Zwei Gehirnzustände müssen sich rhythmisch abwechseln, um eine Information aufrechtzuerhalten.

    Arbeitsgedächtnis: Neue Informationen für kurze Zeit speichern

    Das Arbeitsgedächtnis ist immer dann gefragt, wenn wir uns eine neue Information für kurze Zeit merken wollen, zum Beispiel eine Telefonnummer. Verschiedene Hirnregionen sind daran beteiligt, unter anderem der Hippocampus, der auch entscheidend für das Langzeitgedächtnis ist. Das Team um Prof. Dr. Nikolai Axmacher vom Bochumer Institut für Kognitive Neurowissenschaft und Marcin Leszczynski, Wissenschaftler in Bochum sowie in der Klinik für Epileptologie der Universität Bonn, untersuchte die Aktivitätsrhythmen im Hippocampus, während Menschen sich eine Reihe von Zahlen oder Gesichtern merkten.

    Zwei Aktivitätszustände im Halbsekundentakt

    Das Team arbeitete zu diesem Zweck mit Epilepsie-Patienten, die zur Operationsplanung Elektroden in den Hippocampus implantiert bekommen hatten. Diese Elektroden ermöglichen es, die Aktivität der tief im Gehirn liegenden Region zu messen. Während sich die Patienten die Gesichter- oder Zahlenfolgen merkten, beobachteten die Forscher zwei Aktivitätszustände im Hippocampus, die sich zweimal pro Sekunde abwechselten: einen angeregten und einen weniger angeregten Zustand.

    Scheinbar einfache Aufgaben erfordern hochkomplexe Prozesse

    Trat das rhythmische Muster im Hippocampus nicht auf, neigten die Patienten dazu, Fehler in der Aufgabe zu machen. Anhand der Aktivitätsmuster konnten die Forscher außerdem schätzen, wie viele Ziffern oder Gesichter die Probanden sich verlässlich merken konnten. „Die Ergebnisse zeigen, dass auch während scheinbar einfacher Aufgaben hochkomplexe Prozesse im Gehirn ablaufen“, sagt Prof. Nikolai Axmacher. „Unser Gefühl, ob etwas einfach oder kompliziert ist, ist kein verlässlicher Marker dafür, wie das Gehirn die Aufgaben tatsächlich löst.“

    Titelaufnahme

    M. Leszczyński, J. Fell, N. Axmacher (2015): Rhythmic working memory activation in the human hippocampus, Cell Reports, DOI: 10.1016/j.celrep.2015.09.081

    Weitere Informationen

    Prof. Dr. Nikolai Axmacher, Abteilung Neuropsychologie, Institut für Kognitive Neurowissenschaft, Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-22674, E-Mail: nikolai.axmacher@rub.de

    Marcin Leszczyński, Klinik für Epileptologie, Universität Bonn, Tel. 0228/287-19344, E-Mail: leszczynski.marcin@gmail.com


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Psychologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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