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15.01.2016 14:53

Die neuen Agendasetter

Wolfgang C. Goede Vorstand
TELI - Journalistenvereinigung für technisch-wissenschaftliche Publizistik

    In Wissenschaftsdebatte live begegnen Bürgerinnen und Bürger den Forschern gleichberechtigt auf Augenhöhe. Als Experten der Praxis sind sie ein wichtiger Partner für akademische Fachexperten, Politik und Behörden. In der Debatte werden aus Kontrahenten neue Kooperationsakteure für mehr Gemeinsamkeit in Forschung und Forschungspolitik. Die Journalistenvereinigung TELI zieht Bilanz aus einem Projekt, das auch dazu beitrug, die deutsche Debattenprägnanz zu schärfen.

    Die Journalistenvereinigung für technisch-wissenschaftliche Publizistik TELI e.V. http://www.teli.de/ hat ihr Projekt Wissenschaftsdebatte Live http://www.wissenschaftsdebatte.de/ erfolgreich zu Ende gebracht. Mit finanzieller Unterstützung durch die Philip Morris Stiftung http://www.philipmorris-stiftung.de/ organisierte sie drei große Debatten.

    Im Wiesbadener Rathaus suchten Experten und die betroffene Öffentlichkeit nach Auswegen aus dem zunehmenden Lärmstress http://www.wissenschaftsdebatte.de/?s=L%C3%A4rm in Deutschland und seinen gesundheitlichen Bedrohungen. Ein europaweites Thema, die Chancen und Risiken der Nanotechnologie http://www.eusja.org/no-evidence-of-harm-evidence-of-no-harm/, stand beim EuroScience Open Forum ESOF https://de.wikipedia.org/wiki/Euroscience_Open_Forum in Kopenhagen zur Debatte. Um die ungebremste globale Erwärmung und die Verantwortung der Wirtschaft dafür ging es im Münchner Internationalen PresseClub http://www.presseclub-muenchen.de/; die Klimadebatte http://www.wissenschaftsdebatte.de/?p=5493 war ein Beitrag und Signal für den Pariser Weltklimagipfel COP 21 http://www.cop21paris.org/.

    Die TELI-Debatte unterscheidet sich grundsätzlich von allen anderen Debattenformaten, schreibt das TELI Vorstandsmitglied Hanns-J. Neubert http://www.sciencecom.eu/ in seinem Abschlussbericht. Wissenschaftsdebatte live schaffe einen öffentlichen Raum für das Austragen von Kontroversen sowie den Austausch und der Entwicklung neuer Ideen und Visionen. Realisiert werde es durch eine Auswahl von Fachexperten aus Forschung, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Sie leuchten das Thema von gegensätzlichen Seiten aus.

    Bürger beteiligen – statt Akzeptanz zu beschaffen

    Im Unterschied zu herkömmlichen Debatten begegnet das Publikum den Fachexperten auf Augenhöhe. Es ist in der Rolle der Praxisexperten, als Betroffene, Steuerzahler, Wähler oder Verbraucher. Direkt in den Debattenprozess eingebunden, erarbeitet das Publikum in Arbeitsgruppen eigene Fragestellungen und Stellungnahmen. Diese liefern die eigentliche Agenda für die Debatte und Diskussion mit den Fachexperten. Die Ergebnisse fließen in ein Memorandum der Bürger ein, das veröffentlicht und breit gestreut wird.

    „Wissenschaftsdebatte live“ zielt darauf ab, Bürgerinnen und Bürger an Entscheidungsprozessen zu beteiligen, und zwar bei öffentlich relevanten Themen, die mit Forschung, Wissenschaft und Technologie verzahnt sind. Dies ist das Novum, anders als bei herkömmlichen Debatten, „bei denen nur Experten einer Seite präsent sind und bei denen es in der Regel um die Gewinnung von Akzeptanz geht“, schreibt Neubert. Er ist der Designer der TELI-Wissenschaftsdebatte und war zusammen mit seinem TELI Vorstandskollegen Wolfgang C. Goede verantwortlich für die Durchführung der Live-Debatten.

    Bürger fordern Experten heraus

    Wissenschaftsdebatte live http://www.wissenschaftsdebatte.de/ ist mit dem TV-Format Hart aber Fair http://www1.wdr.de/daserste/hartaberfair/ vergleichbar. Nur dass diesem die Bürger fehlen, die ihrerseits die Experten herausfordern, was das inhaltliche Niveau erhöht. Das macht die Wissenschaftsdebatte besonders spannend für die journalistische Berichterstattung. Denn das Format bringt eine Vielzahl von Meinungen und Fakten zu einem Thema hervor, die die eher eindimensionalen Debatten konventionellen Stils vermissen lassen.

    Ergebnisse der Live-Veranstaltungen sind ein Lärm-Memorandum http://www.wissenschaftsdebatte.de/?p=4661, in dem Kommunen und alle Verantwortlichen zu lärmmindernden Maßnahmen, besonders in Städten und Straßenverkehr aufgefordert werden; die Kopenhagen Deklaration http://www.eusja.org/kopenhagen-declaration/ verlangt die ausnahmslose Kennzeichnung von Waren, die Nanopartikel enthalten; die Klimadebatte mündete in den Appell https://idw-online.de/de/news641972, das Klimaexperiment zu stoppen.

    Neue Kooperationsformen zwischen Kontrahenten

    Als Fazit hebt Neubert bei aller Kontroverse die konfliktüberbrückende Eigenschaft von Wissenschaftsdebatten hervor. „Die öffentliche Reaktion, wie auch die von Forschern, Politikern, Behörden- und Industrievertretern war durchweg positiv“, schreibt Neubert. Das sei auch dem Umstand gedankt, „dass in den moderierten Debatten durchaus gegensätzliche Standpunkte in gegenseitiger Anerkennung und ohne emotionale Auseinandersetzungen verhandelt werden konnten“. Selbst zwischen Organisationen mit ausgesprochen konträren Ausrichtungen, wie etwa CSU und ÖDP sei es zur vorsichtigen Annäherung gekommen. Insgesamt hätten sich zwischen Kontrahenten neue Kooperationsformen abgezeichnet.

    Neubert verweist auch auf ein Schreiben des Generaldirektors Forschung der EU-Kommission. Darin würdigt Robert-Jan Smits https://de.wikipedia.org/wiki/Robert-Jan_Smits die Wissenschaftsdebatte live und unterstützt die Ziele des Formats. Er drückt weiterhin das Interesse der EU an debattengetriebenen Projekten zur Unterstützung der Forschungsoffensive Horizon 2020 https://ec.europa.eu/programmes/horizon2020/ aus. Sie strebt Partizipation und Inklusion an, um damit die europäischen Bevölkerungen stärker in die großen Forschungsthemen einzubinden.

    Wissenschaftsjahr „Müllkippe Meer“ verlangt nach Technikdebatte

    In seinem Ausblick regt Neubert eine Fortsetzung des Formats als „TELI Technikdebatte live“ an. Der Fokus auf technologische Themen entspräche noch mehr der eigentlichen Zielsetzung der 1929 gegründeten Organisation. Die TELI ist die älteste Journalistenorganisation der Welt, die sich der Auseinandersetzung mit der Welt der Technik widmet. Die meisten Wissenschaftsjournalisten sehen das nicht als ihr Metier an. Deshalb ist der kritische Technikdiskurs in Deutschland eher verwaist.

    Themen gäbe es genug, von Hirnschrittmachern, über Drohnennavigation bis zur Reinhaltung der Meere, im Wesentlichen eine Frage der Technik, darunter: sauberere Schiffsantriebe und die Abkehr von der Verbrennung hochgiftiger Raffinerieabfälle; ungiftige Schiffsanstriche; Plastikmüllentsorgung. Die wachsende Müllkippe Meer spricht auch das Wissenschaftsjahr 2016, „Unsere Ozeane - Deine Zukunft“ https://www.greenpeace-magazin.de/tickerarchiv/muellkippe-ozean-wissenschaftsjah... des Bundesforschungsministeriums BMBF https://www.bmbf.de/ an.

    Alleinstellungsmerkmal: kontrovers und unabhängig

    Um in diesen hochaktuellen Themen aktiv zu werden, müsste die TELI allerdings „weitere Förderer finden“, schreibt Neubert, „die bereit sind, das demokratische, kontroverse und vor allem unabhängige Alleinstellungsmerkmal der TELI-Debatten zu unterstützen“. Das könnte dazu beitragen, schließt der Hamburger Wissenschaftsjournalist, „einer prägnanteren Debattenkultur in Deutschland noch näher zu kommen“.


    Weitere Informationen:

    http://www.maecenata.eu/images/documents/mi/resources/2013_op68.pdf
    https://idw-online.de/de/news598142
    https://idw-online.de/de/news641972
    http://www.euroscientist.com/the-german-science-debate-innovation-with-democarti...
    http://www.pantaneto.co.uk/issue49/goede.htm
    http://wcsj2013.org/debate-driven-journalism-science-debates-tool-opportunity-sc... WCSJ
    http://www.pcst-2014.org/pcst_proceedings/artigos/wolfgang_c_goede_workshop.pdf PCST


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medien- und Kommunikationswissenschaften, Meer / Klima
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Wissenschaftspolitik
    Deutsch


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