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13.04.2016 16:37

FAU-Studentin enträtselt „Höhlenbilder“

Susanne Langer Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

    Die Mäanderhöhle bei Bamberg galt bisher als eine archäologische Sensation. Ihre steinzeitlichen Höhlenbildnisse gehören nach bisheriger Annahme zu den ältesten in Deutschland. Julia Blumenröther konnte in ihrer Masterarbeit am Institut für Ur- und Frühgeschichtliche der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) jedoch nachweisen, dass es sich bei den im Jahr 2005 entdeckten Ritzungen im Inneren der Höhle nicht, wie noch einige Jahre zuvor behauptet, um von Menschen eingravierte Fruchtbarkeitsdarstellungen handelt. Vielmehr seien diese Linien auf natürliche Weise entstanden.

    Einer der Räume in der etwa 75 Meter langen Höhle ist voll mit kugligen Ablagerungen von Mineralien, den sogenannten Cave Clouds, die ähnlich wie Tropfsteine auf Felsvorsprüngen entstehen. Auf der steinharten Oberfläche dieser Cave Clouds entdeckten Höhlenforscher im Jahr 2005 eine ganze Reihe von Linien, die aussehen, als ob sie menschlichen Ursprungs seien. Ein Archäologe untersuchte diese Linien einige Jahre später und veröffentlichte seine Interpretation in einem Vorbericht: Die etwa 14.000 bis 16.000 Jahre alten Linien seien von Menschenhand gemacht und stellen wohl einen Phallus sowie abstrakte Frauenfiguren dar.

    Zwei erneute Kampagnen brachten eindeutige Ergebnisse
    „Der Vorbericht verlangte nach einer weiteren wissenschaftlichen Untersuchung“, sagt Julia Blumenröther. In zwei Feldkampagnen untersuchte sie zusammen mit ihrem Kooperationspartner vom Neanderthal Museum in Mettmann und mit Unterstützung des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege 138 Linien, die als von Menschen gemacht galten. „Wären dies Zeugnisse von Menschenhand, so hätte es eindeutige Spuren vom Einsatz steinzeitlicher Werkzeuge und auch vergleichbare Darstellungen an anderen Orten geben müssen“, so PD Dr. Andreas Pastoors, ein ausgewiesener Experte für steinzeitliche Höhlenkunst vom Neanderthal Museum.

    Für die Dokumentation und Analyse der Linien in der oberfränkischen Höhle setzte die damalige Studentin Blumenröther auf eine breite Auswahl archäologischer Untersuchungsmethoden. Um Tiefe und Form der Linien zu untersuchen, kamen auch neue Technologien wie digitale Mikroskopie und 3D-Streiflichtscans zum Einsatz. Die dabei gemachten digitalen Aufnahmen von Querschnitt und Verlauf der Linien verglich die Erlanger Nachwuchsforscherin nicht nur mit Ritzlinien anderer Höhlenbildnisse, sondern auch mit im Labor hergestellten. Dazu ließ Blumenröther Ritzungen auf aus der Höhle entnommenen Proben des Mineralgesteins mit extra hergestellten Steinsticheln anbringen.

    Die genaue Untersuchung führte letztendlich zu einem ernüchternden Ergebnis: Menschen sind wohl nicht an der Entstehung der Linien in der Mäanderhöhle beteiligt gewesen. „Die wissenschaftliche Analyse hat gezeigt, dass der Verlauf und Querschnitt sämtlicher Linien der These einer von Menschenhand erzeugten Gravur mit einem spitzen und harten Gegenstand widersprechen. Zudem ergibt sich aus keiner der 138 Linien ein irgendwie bekanntes altsteinzeitliches Motiv“, sagt Blumenröther. Damit ist die Antwort für die FAU-Archäologin klar: „Die Mäanderhöhle ist mit ihren Cave Clouds für die Höhlenforschung sicherlich sehr interessant, kann aber nicht als die erste altsteinzeitliche Bilderhöhle Deutschlands angesehen werden.“

    Kontakt für Medienvertreter:

    Julia Blumenröther
    Tel. 09131/85-29286
    julia.blumenröther@fau.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Geowissenschaften, Geschichte / Archäologie, Kulturwissenschaften
    überregional
    Forschungsergebnisse, Forschungsprojekte
    Deutsch


    Andreas Pastoors bei der Aufnahme mit einem 3D-Scanner


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