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24.09.1998 00:00

Stimmungslage als Störquelle bei Beurteilungen?

Dr.rer.pol. Dipl.-Kfm. Ragnwolf Knorr Presse und Kommunikation
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

    Gerade an diesem Tag sei der Personalchef schlechter Laune gewesen - damit mag ein Bewerber sich trösten, wenn das Einstellungsgespräch für ihn wenig zufriedenstellend verlaufen ist. Doch so einfach ist der Zusammenhang zwischen Stimmungen und Entscheidungen nicht, auch wenn der Einfluß von Emotionen auf die Urteilskraft nicht geleugnet werden kann. In einem DFG-geförderten Projekt am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialpsychologie von Prof. Dr. Klaus Moser werden Thesen und Forschungsergebnisse aus diesem Themenkreis praxisnah überprüft. Wissenschaftlicher Mitarbeiter ist Diplom-Soziologe Alexander-Maximilian Goersch.

    Urteile sind Ergebnisse sehr komplexer Prozesse und unterliegen verschiedensten Einflüssen. Je nach Kontext, Relevanz und Wichtigkeit des Urteils heißen wir diese Einflüsse gut, stehen ihnen gleichgültig gegenüber oder befinden sie gar als schädlich. In der Berufseignungsdiagnostik sind emotionale Zustände des Urteilers häufig als Störquelle bezeichnet worden, die für eine geringe Aussagekraft z. B. des Einstellungsinterviews mitverantwortlich sind.

    Tendenz zum Extremen

    Bisher ist man davon ausgegangen, daß eine bestimmte Stimmung das Urteil in eine bestimmte Richtung verzerrt. So fand z. B. Baron (1987), daß positiv gestimmte Urteiler wohlmeinendere Urteile fällen. Neue Ansätze und Untersuchungen lassen jedoch an dieser Vorstellung zweifeln. Danach scheint es vielmehr so zu sein, daß Personen in positiver Stimmung zu qualitativ höchst unterschiedlichen Urteilen kommen können. Nach Murray, Sujan, Hirt und Sujan (1990) fällen Personen in positiverer Gemütslage extremere Urteile als solche in negativer Gemütslage. Aus diesem Grund sprechen Murray et al. von einer erhöhten Flexibilität positiv gestimmter Urteiler.

    Das Forschungsprojekt trägt dieser veränderten Wissensgrundlage Rechnung und versucht zudem die neuen Erkenntnisse aus der bisherigen Laborsituation in das berufseignungsdiagnostische Anwendungsfeld zu übertragen. Dabei sind die Ergebnisse nicht nur für die Berufseignungsdiagnostik von Bedeutung. Urteile über Personen, Situationen oder Dinge prägen unseren Alltag, und nur selten können wir davon ausgehen, daß emotionale Zustände keinen Einfluß auf unser Urteil haben. Überall dort, wo wir ein besonderes Interesse haben, gehaltvolle Urteile zu fällen und tragfähige Entscheidungen zu treffen, muß uns daran gelegen sein, die psychologischen Gesetzmäßigkeiten aufzudecken, denen die Urteilsbildung folgt.

    * Kontakt:
    Prof. Dr. Klaus Moser, Dipl.-Soz. A.-M. Goersch
    Lehrstuhl für Psychologie, insbesondere Wirtschafts- und Sozialpsychologie
    Lange Gasse 20, 90403 Nürnberg, Tel.: 0911/5302 -259 (vorm.)
    E-mail: klaus.moser@wiso.uni-erlangen.de

    FAU-Pressestelle, Redaktion Forschung: Gertraud Pickel, Tel.: 09131/85 -24036, -26167


    Weitere Informationen:

    http://www.wiso.uni-erlangen.de/WiSo/Sozw/psy/


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Gesellschaft, Psychologie, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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