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02.03.2017 12:14

Kurzarbeit hilft in Krisenzeiten

Dr. Susanne Langer Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

    Wirtschaftswissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben untersucht, ob Kurzarbeit in konjunkturellen Krisen Arbeitsplätze sichern kann. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass Kurzarbeit ein stabilisierendes Instrument bei der Bewältigung wirtschaftlicher Rezessionen ist, temporäre staatliche Eingriffe jedoch im Allgemeinen nur geringe Effekte zeigen.

    Kaum ein Industriestaat hat die Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008/2009 so gut überstanden wie Deutschland. Ein Teil des Erfolges wird dem Instrument der Kurzarbeit zugeschrieben, das es Unternehmen erlaubt, die Arbeitszeit ihrer Belegschaft vorübergehend zu reduzieren, ohne Mitarbeiter entlassen zu müssen. Prof. Dr. Christian Merkl, Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Makroökonomik, hat gemeinsam mit Prof. Dr. Britta Gehrke, Juniorprofessorin für Makroökonomik und Arbeitsmarktforschung an der FAU und am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), in einem von der Fritz-Thyssen-Stiftung geförderten Projekt die Wirkung von Kurzarbeit auf den Arbeitsmarkt analysiert. „Mikroökonomische Studien und Länderquerschnittsstudien zu diesem Thema gab es bereits“, sagt Merkl. „Wir haben erstmals detailliert untersucht, welche makroökonomischen Effekte die Kurzarbeit auf Beschäftigung und Konjunktur tatsächlich hat.“

    Kurzarbeit kann Ökonomie stabilisieren

    Für die Studie werteten die Forscher umfangreiche Arbeitsmarkt-, Wirtschafts- und Betriebsdaten aus, unter anderem zur Entwicklung der Beschäftigtenzahlen, des Bruttoinlandsproduktes und der Nutzung der Kurzarbeit auf der betrieblichen und aggregierten Ebene. Ihre Analyse zeigt, dass Kurzarbeit durchaus in der Lage ist, eine Ökonomie im großen Maße zu stabilisieren: Nach Schätzungen der Wissenschaftler konnten in der großen Rezession des Jahres 2009 rund eine halbe Million Arbeitsplätze gerettet werden. „Unsere Modellsimulationen zeigen, dass der Großteil dieses Erfolges auf die regelgebundene Kurzarbeit zurückzuführen ist, deren Kriterien gesetzlich verankert sind“, sagt Christian Merkl.

    Ad-hoc-Maßnahmen zeigen geringe Wirkung

    Diskretionäre staatliche Maßnahmen dagegen, etwa die Verlängerung der Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes oder die Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge, zeigen eine vergleichsweise geringe Wirkung. Nur in besonders tiefen Rezessionen wie im Jahr 2009 kann ein besserer Zugang zur Kurzarbeit in einem gewissen Umfang Arbeitsplätze retten. Allerdings besteht hier die Gefahr von Mitnahmeeffekten – dass also Firmen subventioniert werden, ohne dass dies einen Effekt auf das Entlassungsverhalten hat. „In konjunkturellen Aufschwungsphasen sollte der Zugang zur Kurzarbeit keinesfalls gelockert werden“, sagt Britta Gehrke. „Dies wäre mit hohen Kosten verbunden und hätte keinerlei positive makroökonomische Wirkungen.“ Die Forscher plädieren dafür, zusätzliche Erleichterungen generell nicht ad hoc zu beschließen, sondern gesetzlich zu verankern. Das würde Unternehmen in die Lage versetzen, ihre Beschäftigungspolitik langfristig auf diese Regelungen auszurichten.

    Kurzarbeit ist kein Allheilmittel

    Der besonders starke Effekt der regelgebundenen Kurzarbeit auf Beschäftigung und Konjunktur in Deutschland könne nicht eins zu eins auf andere Länder übertragen werden, so Merkl: „Kurzarbeit greift vor allem dann, wenn Entlassungen für Unternehmen besonders kostenintensiv sind. In Ländern wie den USA beispielsweise ist dies nicht der Fall.“ Außerdem könne die positive Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes im Jahr 2009 und danach nur zum Teil durch Kurzarbeit erklärt werden. Hier kommen nach Einschätzung der Wirtschaftswissenschaftler auch die anhaltenden positiven Effekte der Arbeitsmarktreformen im Rahmen der Hartz-Gesetze vor der Rezession zum Tragen. Merkl: „Kurzarbeit ist ein durchaus effektives Instrument der Wirtschaftspolitik, aber sie wird nicht ausreichen, um in der nächsten Rezession ein erneutes Arbeitsmarktwunder zu erleben.“

    Weitere Informationen für die Medien:

    Prof. Dr. Christian Merkl
    Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbes. Makroökonomik
    christian.merkl@fau.de

    Prof. Dr. Britta Gehrke
    Juniorprofessur für Makroökonomik und Arbeitsmarktforschung
    britta.gehrke@fau.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Gesellschaft, Politik, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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