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13.09.2017 14:15

Wenn Musik männliche Gesichter attraktiver macht

Stephan Brodicky Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien

    Frauen bewerten Bilder von männlichen Gesichtern als attraktiver und würden diese Männer eher daten, wenn sie zuvor Musik gehört haben. Je größer die musikalische Erregung, desto größer ist der Effekt von Musik auf die sexuelle Anziehung. Was uns dieser Befund über den Ursprung von Musik verrät, legen PsychologInnen um Manuela Marin und Helmut Leder in ihrer neuesten Publikation in der Fachzeitschrift PLOS ONE dar.

    Musik ist Teil jeder Kultur, aber der Ursprung von Musik gibt nach wie vor große Rätsel auf. Warum investieren Menschen so viel Energie, Zeit und Geld in Musik? Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Entstehungstheorien, und einige davon betonen die biologischen und sozialen Aspekte von Musik. Charles Darwin meinte z.B. im Rahmen seiner Evolutionstheorie, dass sich Musik durch sexuelle Selektion entwickelt hat. Die motorischen und kognitiven Fähigkeiten, die beim Musizieren notwendig sind, dienen dabei als Indikator für gute Gene und erhöhen somit den Fortpflanzungserfolg. Dies ist vergleichbar mit dem Gesang von Vögel in der Paarungszeit. "Derzeit gibt es nur wenige empirische Befunde, die Darwins Theorie zum Ursprung von Musik stützen. Wir wollten ein neues experimentelles Paradigma anwenden, um die Rolle von Musik bei der Partnerwahl zu untersuchen", meint Manuela Marin, Leiterin der Studie und ehemalige Mitarbeiterin des Instituts für Psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethodik der Universität Wien.

    In der aktuellen Studie untersuchten Marin und ihre KollegInnen den Einfluss von Musikerleben auf die subjektiven Bewertungen von gegengeschlechtlichen Gesichtern. "Die Attraktivität des Gesichts ist eines der wichtigsten körperlichen Merkmale, welche die Partnerwahl beeinflussen kann. Wir wollten herausfinden, wie Musik die Wahrnehmung dieses Merkmales verändern kann", so Helmut Leder von der Fakultät für Psychologie der Universität Wien. Da Musik vor allem vor der Technologisierung immer im Hier und Jetzt und meist im sozialen Kontext erlebt wurde, ist es plausibel anzunehmen, dass Musik die visuelle Wahrnehmung von Gesichtern positiv beeinflussen könnte.

    In ihrem Experiment präsentierten die WissenschafterInnen den heterosexuellen TeilnehmerInnen instrumentale Musikausschnitte, die in Bezug auf ihren emotionalen Gehalt variierten, gefolgt von Bildern von einem gegengeschlechtlichen Gesicht mit neutralem Gesichtsausdruck. Das Gesicht wurde in Bezug auf seine Attraktivität auf einer Skala bewertet. Zudem wurde auch die Bereitschaft, diese Person zu daten, erhoben. In der Kontrollgruppe wurden nur Gesichter ohne Musik präsentiert. Es gab drei Gruppen von TeilnehmerInnen: Frauen in der fruchtbaren Phase ihres Zyklus, Frauen in der unfruchtbaren Phase ihres Zyklus und Männer. Diese Gruppen waren sich in ihren musikalischen Vorlieben und ihrer musikalischen Ausbildung, sowie in ihrer Stimmung vor dem Experiment und in ihrem Beziehungsstatus ähnlich. Die Resultate zeigten, dass Musik zu erhöhter Attraktivität von männlichen Gesichtern und Bereitschaft zu einem Date bei Frauen führte. Die Zyklusphase hatte keinen großen Einfluss auf die Bewertungen. Vor allem hocherregende und somit komplexe Musik führte zum größten Effekt im Vergleich zur Kontrollbedingung. Bei Männern konnte dieser Effekt nicht nachgewiesen werden.

    Diese Ergebnisse eröffnen neue Möglichkeiten, die Rolle von Musik bei der Partnerwahl in Verbindung mit Aspekten der körperlichen Attraktivität zu untersuchen. So gilt es z.B. zu klären, ob musikalische Fähigkeiten und Kreativität Schwächen in Bezug auf körperliche Erscheinung und Fitness zum Teil kompensieren können. Die Implikationen der Ergebnisse könnten weitreichend sein: "Die empirischen Befunde, dass Musik die Kraft besitzt, menschliches Verhalten in Bezug auf die Partnerwahl zu beeinflussen, nehmen zu. Aber wie kann man Darwins Theorie mit anderen biologischen und sozialen Theorien zur Entstehung von Musik in Einklang bringen? Musik kann den sozialen Zusammenhalt fördern, und sie spielt auch eine Rolle in der Mutter-Kind Beziehung. Bis wir diese Zusammenhänge verstehen, ist es noch ein weiter Weg", so Manuela Marin, mittlerweile Mitarbeiterin am Institut für Psychologie der Universität Innsbruck.

    Publikation in PLOS ONE
    Marin, M. M., Schober, R., Gingras, B., & Leder, H. (2017). Misattribution of musical arousal increases sexual attraction towards opposite-sex faces in females. PLoS ONE 12(9): e0183531.
    https://doi.org/10.1371/journal.pone.0183531
    http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0183531

    Wissenschaftlicher Kontakt
    Mag. Mag. Manuela M. Marin, MSc
    Institut für Psychologie
    Universität Innsbruck
    6020 Innsbruck, Maximilianstraße 2
    T +43-512-507-56039
    manuela.marin@uibk.ac.at und manuela.marin@univie.ac.at

    Rückfragehinweis
    Mag. Alexandra Frey
    Pressebüro der Universität Wien
    Forschung und Lehre
    Universitätsring 1, 1010 Wien
    T +43-1-4277-175 33
    M +43-664-60277-175 33
    alexandra.frey@univie.ac.at

    Offen für Neues
    Die Universität Wien ist eine der ältesten und größten Universitäten Europas: An 19 Fakultäten und Zentren arbeiten rund 9.500 MitarbeiterInnen, davon 6.600 WissenschafterInnen. Die Universität Wien ist damit die größte Forschungsinstitution Österreichs sowie die größte Bildungsstätte: An der Universität Wien sind derzeit rund 94.000 nationale und internationale Studierende inskribiert. Mit 174 Studien verfügt sie über das vielfältigste Studienangebot des Landes. Die Universität Wien ist auch eine bedeutende Einrichtung für Weiterbildung in Österreich. http://www.univie.ac.at


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Gesellschaft, Psychologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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