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30.01.2018 15:31

Ein hochkarätiges Forschungsprojekt hinterfragt die Authentizität der Luther-Bildnisse

Dr. Susanne Langer Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

    Welchem Luther-Bildnis können wir trauen? Luther war der erste Medienstar der Geschichte. Von keiner anderen Person seiner Zeit, keinem Kaiser oder Papst, existieren mehr Bildnisse. Bei der Verbreitung spielte Lucas Cranach d. Ä. eine zentrale Rolle. Er prägte verschiedene Images des Reformators: Luther als frommer Mönch, als Junker Jörg, als Reformator oder als Ehemann mit seiner Frau Katharina von Bora. Mit anhaltender Legendenbildung um den Kirchenmann und seiner wachsenden Verehrung entstanden immer mehr Bilder. Viele wollten wissen, wie der umstrittene, verehrte und verachtete Mann aussah, den der Papst zum Ketzer erklärt und über den der Kaiser 1521 die Reichsacht verhängt hatte.

    Doch sah Luther wirklich so aus, wie auf den Bildern dargestellt? Bekannt ist, dass Cranach Studien auf Papier nach der lebenden Person anfertigte und die Gemälde dann mit Werkstattmitarbeitern seriell produzierte. Aber eine solche Studie ist für Luther nicht erhalten. Also wann und wie sind die Bildnisse von Luther überhaupt entstanden? Halten sie ihn tatsächlich in einem spezifischen Moment seines Lebens fest? Oder sind sie Zeugnisse für die nachträgliche Heroisierung und Verehrung des Reformators?

    Ein von der Leibniz-Gemeinschaft mit knapp einer Million Euro gefördertes Forschungsprojekt des Germanischen Nationalmuseums (GNM) in Nürnberg, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und der TH Köln wird diesen Fragen in den nächsten drei Jahren nachgehen. In Kooperation werden der Kunsthistoriker und Altmeister-Experte Dr. Daniel Hess (GNM), der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Anselm Schubert, der Informatiker Prof. Dr. Andreas Maier (beide FAU), der Restaurator und Kunsthistoriker Prof. Dr. Gunnar Heydenreich (TH Köln) sowie der Leiter des Instituts für Kunsttechnik und Konservierung (IKK) am GNM, Oliver Mack M.A., ein kritisches Werkverzeichnis der frühen Luther-Bildnisse aus der Zeit zwischen 1519 und 1530 erstellen.

    Weltweit werden alle Luther-Porträts des Untersuchungszeitraums kunsttechnologisch untersucht, digital erfasst und durch spezielle Analyseverfahren in ihren relativen Ähnlichkeitsverhältnissen dargestellt. Dabei können die Projektpartner auf die Erfahrungen von Prof. Heydenreich mit dem Cranach Digital Archive (lucascranach.org) und die Spezialisierung von Prof. Maier auf Digitale Mustererkennung zurückgreifen. Physikalische Analyseverfahren und naturwissenschaftliche Methoden werden bei der Datierung helfen, um belastbarere kunsthistorische Zuschreibungen zu gewinnen. In der Verbindung von Kunstgeschichte, Kunsttechnologie, Reformationsgeschichte und digitaler Mustererkennung schafft das interdisziplinäre Projekt die methodischen und inhaltlichen Voraussetzungen, um die Authentizität der Bilder und damit auch ihren reformationsgeschichtlichen Quellenwert genauer zu bestimmen.

    Denn wie in der heutigen Zeit der Massenmedien gilt es zu hinterfragen, was als authentisch gelten kann und was zu repräsentativen oder gar manipulativen Zwecken eingesetzt wurde. Welches Bild von einer Person ist echt und welches Fake? Durch diese modernen Erfahrungen im Umgang mit Bildern und Bildnissen stellen sich auch neue Fragen an die Vergangenheit: Wie echt sind die uns so vertrauten Bildnisse Luthers?

    Kritischer Katalog der Luther-Bildnisse (1519 – 1530)
    Forschungskooperation des Germanischen Nationalmuseums (GNM) in Nürnberg
    mit der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg und der TH Köln
    Laufzeit: 2018-2020
    Bewilligungssumme: knapp 1 Million Euro
    Leitung: Dr. Daniel Hess (GNM), Prof. Dr. Anselm Schubert (FAU)

    Ansprechpartner für die Medien:
    Germanisches Nationalmuseum (GNM)
    Pressestelle
    Dr. Sonja Mißfeldt
    Tel. +49 (0)911 / 1331-103
    presse@gnm.de

    Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)
    Lehrstuhl für Kirchengeschichte II (Neuere Kirchengeschichte)
    Prof. Dr. Anselm Schubert
    Tel.: +49 (0)9131 / 85 222 11
    anselm.schubert@fau.de

    TH Köln
    Referat Kommunikation und Marketing, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Monika Probst
    Tel. +49 (0)221 / 82 75 39 48
    pressestelle@th-koeln.de


    Anhang
    attachment icon Wie authentisch sind die Luther-Bildnisse von L. Cranach? Untersuchungen machen deutlich, dass viele Porträts dem selben Schema unterliegen (basierend auf L. Cranach d.Ä. Luther als Augustinermönch)

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Geschichte / Archäologie, Informationstechnik, Kulturwissenschaften, Kunst / Design, Religion
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


    Lucas Cranach d. Ä. / Werkstatt: Posthumes Bildnis Martin Luthers als Augustinermönch, nach 1546, Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg, Leihgabe der Paul Wolfgang Merkelschen Familienstiftung


    Zum Download

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    Wie authentisch sind die Luther-Bildnisse von L. Cranach? Untersuchungen machen deutlich, dass viele Porträts dem selben Schema unterliegen (basierend auf L. Cranach d.Ä. Luther als Augustinermönch)


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