idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
06.07.2018 14:59

Werteinstellungen beeinflussen Erwerbstätigkeit von Müttern

Johannes Scholten Stabsstelle Hochschulkommunikation
Philipps-Universität Marburg

    Die deutsche Teilung als Verhaltensexperiment: Ob Mütter sich dazu entschließen, einem Beruf nachzugehen, hängt nicht nur von materiellen Anreizen ab – es spielt auch eine Rolle, wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Gesellschaft bewertet wird, in der die Frauen leben. Das zeigen Wirtschaftswissenschaftlerinnen aus Marburg und Hamburg, indem sie die Verhältnisse in Ost- und Westdeutschland vergleichen. Professorin Dr. Evelyn Korn von der Philipps-Universität Marburg und Professorin Dr. Miriam Beblo von der Universität Hamburg veröffentlichen ihren Aufsatz in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift „Sozialer Fortschritt“, die Ende des Monats erscheint.

    Zahlreiche sozialwissenschaftliche Erhebungen belegen, dass die weibliche Erwerbsbeteiligung durch institutionelle Maßnahmen beeinflussbar ist, etwa durch Elternzeitregelungen oder das Steuersystem. „Unsere Studie zeigt, wie solche materiellen Einflüsse durch weiche Faktoren ergänzt werden, besonders durch gesellschaftlich vorherrschende Überzeugungen zur Vereinbarkeit von Familie und Berufstätigkeit“, sagt Mitverfasserin Evelyn Korn. Die beiden Autorinnen analysierten die Entwicklung der Werthaltungen sowie des Erwerbsverhaltens in Ost- und Westdeutschland. „Wir nutzen die deutsche Teilung gewissermaßen als ein natürliches Experiment“, führt Korn aus.

    Obwohl sich Löhne, Betreuungseinrichtungen und weitere Institutionen mittlerweile bundesweit weitgehend angeglichen haben, unterscheiden sich Ost- und Westdeutschland sowohl was den Grad der Erwerbsbeteiligung von Müttern angeht, als auch hinsichtlich der Einstellung zu der Frage, ob Familie und Beruf vereinbar seien. Wie der europaweite Vergleich zeigt, müsste der Anteil der berufstätigen Mütter in Deutschland deutlich höher ausfallen, sofern der institutionelle Rahmen die einzige Ursache für deren Erwerbsbeteiligung wäre. „Das legt nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen der mütterlichen Berufstätigkeit und den Überzeugungen geben muss“, legt Korn dar: „Wenn alle Akteure am Arbeitsmarkt glauben, dass Familie und Beruf vereinbar sind, wird sich dies in größerer weiblicher Erwerbsbeteiligung niederschlagen und umgekehrt.“

    Ostdeutsche Frauen sind mehr in den Arbeitsmarkt integriert als ihre Geschlechtsgenossinnen im Westen der Republik: So sind ostdeutsche Frauen häufiger erwerbstätig, seltener in Teilzeit, und insbesondere Mütter sind doppelt so häufig in Vollzeit beschäftigt wie in Westdeutschland. „Wir vermuten aufgrund unserer Analysen, dass die größere Ähnlichkeit ostdeutscher Frauen und Männer in ihrem Arbeitsmarktverhalten auf die staatssozialistische Prägung der DDR-Bürgerinnen und -Bürger zurückzuführen ist“, folgert Korn aus den Ergebnissen; „die geringere Ähnlichkeit westdeutscher Frauen und Männer könnte hingegen auf das in der Wirtschaftswunderzeit der 1950er Jahre etablierte Einverdiener-Hausfrauenmodell zurückgehen.“

    Professorin Dr. Evelyn Korn lehrt Mikroökonomie an der Philipps-Universität. In ihrer Forschung befasst sie sich mit der Frage, wie Institutionen das Verhalten von Entscheidern beeinflussen, insbesondere ihre Bereitschaft zur Kooperation. Seit Frühjahr 2016 amtiert Korn als Uni-Vizepräsidentin für Studium und Lehre. Professorin Dr. Miriam Beblo hat die Professur für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Arbeitsmarkt, Migration, Gender an der Universität Hamburg inne. Die Ökonomin ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat für Familienfragen des Bundesfamilienministeriums.

    Originalpublikation: Miriam Beblo und Evelyn Korn: Mütterliche Erwerbsbeteiligung – eine Überzeugungsfrage, in: Sozialer Fortschritt Jg. 67/Heft 7, Juli 2018, S. 525-548

    Weitere Informationen:
    Ansprechpartnerin: Professorin Dr. Evelyn Korn
    Philipps-Universität Marburg,
    Fachgebiet Mikroökonomie
    Tel.: 06421 28-26008
    E-Mail: korn@wiwi.uni-marburg.de

    Professorin Dr. Miriam Beblo
    Universität Hamburg,
    Fachgebiet Sozialökonomie
    Tel.: 040 42838-8680
    E-Mail: Miriam.Beblo@uni-hamburg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Gesellschaft, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Mütterliche Erwerbsbeteiligung – eine Überzeugungsfrage? Die Mathematikerin und Wirtschaftswissenschaftlerin Professorin Dr. Evelyn Korn ... (vollst. BU: http://www.uni-marburg.de)


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay