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23.08.2018 15:53

Falsche Selbstwahrnehmung: Wütende Menschen sind nicht so schlau, wie sie denken

Sabine Ranke-Heinemann Pressestelle
Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund / Institut Ranke-Heinemann

    Wütende Menschen halten sich häufig für sehr intelligent – selten entspricht das jedoch der Realität. Neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass zu Wutausbrüchen neigende Menschen ihre kognitiven Fähigkeiten gern überschätzen. Es konnte eine Beziehung zwischen narzisstischem Verhalten und Intelligenzüberschätzung nachgewiesen werden.

    Menschen, die ihre Beherrschung schnell verlieren, tendieren dazu, ihre eigene Intelligenz zu überschätzen. Das wurde in einer neuen Studie der University of Western Australia in Perth und der University of Warsaw veröffentlicht. Die Wissenschaftler haben die Rolle von charakterbedingter Wut (also Menschen, die aufgrund einer Veranlagung wütend werden) bei gleichzeitiger Überschätzung der kognitiven Fähigkeiten bei Bachelorstudierenden in Warschau untersucht.

    Die Teilnehmer wurden darum gebeten, Fragen zu beantworten, die Rückschlüsse auf charakterbedingte Wut, mentale Stabilität und Narzissmus zuließen. Sie sollten darüber hinaus ihre Intelligenz auf einer 25-Punkte-Skala selbst bewerten. Anschließend nahmen sie an einem objektiven Intelligenztest teil.

    Gilles Gignac von der University of Western Australia und Co-Autor des Papers mit Professor Marcin Zajenkowski von der University of Warsaw sagt, dass die Studie eine interessante Beziehung zwischen dem Persönlichkeitsmerkmal, schnell gereizt zu sein - bei kleinen und großen Anlässen - und der Wahrnehmung der eigenen Intelligenz aufzeigt.

    „Wut kann in manchen Fällen die Konsequenz von verminderter emotionaler Stabilität, also beispielsweise von Ängsten, sein," so Professor Gignac. „In manchen Fällen ist es aber nicht Angst, die Frustration, Boshaftigkeit oder Wutausbrüche schürt. Hier scheint der Grund Narzissmus zu sein. Entsprechend bewerten die Narzissten auf Nachfrage ihre Intelligenz besonders hoch.

    Die Ergebnisse dieser Studie beantworten wichtige Fragen zu den dynamischen Prozessen zwischen Zorn, emotionaler Stabilität und Narzissmus. Durch das bessere Verständnis von charakterbedingten Wutausbrüchen können Klinikärzte, Pflegepersonal und die Gesellschaft lernen, besser mit ihnen umzugehen.

    Die Studie führt zu einigen wichtigen Spekulationen, die künftig erforscht werden können. „Die Hauptpersönlichkeitsstörung des Narzissten bzw. des grandiosen Narzissten ist eine übertriebene positive Selbstwahrnehmung," sagt Professor Gignac. „Es ist also nicht allzu überraschend, dass wir eine Verbindung zwischen den Narzissten und der Überschätzung der eigenen Intelligenz sehen".

    „Das Interessante aber ist, dass die charakterbedingte Wut in diesem Prozess wohl auch eine Rolle spielt. Es wird vermutet, dass sich bei vielen grandiosen Narzissten dieses Wutgefühl mit der Zeit entwickelt, wenn ihnen langsam bewußt wird, dass es einen Unterschied zwischen der eigenen Wahrnehmung ihrer eingebildeten Großartigkeit und ihren tatsächlichen Leistungen und Errungenschaften gibt."

    Das Paper wurde diesen Monat im Intelligence (Elsevier) veröffentlicht.

    Weitere Informationen:

    Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund
    Pressestelle Friedrichstr. 95
    10117 Berlin
    Email: berlin(at)ranke-heinemann.de
    Tel.: 030-20 96 29 593

    oder:

    UWA Media and PR Advisor
    Jess Reid
    Email: jess.reid(at)uwa.edu.au
    Tel.: +61 (0)8 6488 6876


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    Das Institut ist die gemeinnützige Einrichtung zur Förderung des Austausches und der Auslandsstudien insbesondere mit allen Universitäten Australiens und Neuseelands sowie zur Förderung von Wissenschaft und Forschung. In seinen Förderprogrammen stellt es SchülerInnen und Studierenden Unterstützung in der Finanzierung durch Stipendien und Coaching in der Studienberatung und Studienplatzbewerbung zur Verfügung.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    https://www.ranke-heinemann.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Psychologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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