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16.01.2019 16:40

Ratgeber zur „Leichten Sprache“ soll Textverständlichkeit weiter verbessern

Gabriele Meseg-Rutzen Presse und Kommunikation
Universität zu Köln

    Ein sprachwissenschaftliches Forschungsteam hat die bisherigen Regeln „Leichter Sprache“ untersucht und sieht diese insgesamt eher kritisch. Die sogenannte „Leichte Sprache“ soll Menschen mit Lern- und Leseschwierigkeiten helfen, Texte aus den verschiedensten Lebensbereichen zu verstehen.

    Forschungsteam sieht Verbesserungsbedarf bei bisherigen Regeln zu ‚Leichter Sprache‘ / Neuer Ratgeber soll Orientierung beim Erstellen von Texten in ‚Leichter Sprache‘ bieten

    Die Kölner Sprachwissenschaftlerin Bettina M. Bock hat im interdisziplinären Forschungsprojekt „Leichte Sprache im Arbeitsleben“ (LeiSA) der Universität Leipzig maßgeblich mitgewirkt und erforscht, ob das Textverständnis dadurch tatsächlich erleichtert wird. Darauf aufbauend ist nun der Ratgeber „‘Leichte Sprache‘- Kein Regelwerk“ erschienen. Aus den LeiSA-Forschungsergebnissen werden darin Empfehlungen abgeleitet, um Texte in „Leichter Sprache“ noch verständlicher zu formulieren.
    Im Rahmen des Projekts LeiSA führten Sprachwissenschaftlerinnen empirische Verständnistests mit zwei Zielgruppen durch: Menschen mit Lernschwierigkeiten sowie Menschen mit geringen Lesekompetenzen/funktionale Analphabeten. Die aus den Projektergebnissen abgeleiteten Empfehlungen sind praxisnah und differenziert. Die Studien zeigten beispielsweise, dass die in der „Leichten Sprache“ oft vorkommende Bindestrichschreibung wie etwa „Bundes-Gleichstellungs-Gesetz“ das Lesen langer Wörter erleichtert. Eine explorative Befragung zeigte aber auch, dass die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer die Getrenntschreibung selbst oft ablehnen. Mit solchen gegenläufigen Tendenzen muss sich die Praxis entsprechend stärker auseinandersetzen. Um zu entscheiden, welche Formulierung im jeweiligen Fall besser oder schlechter ist, haben die Forscherinnen fünf Kriterien und Orientierungsfragen für das Schreiben von Texten formuliert: 1) Ein Text muss zum Leser passen. 2) Er muss die Funktion und den Zweck des Textes deutlich machen. 3) Der Text soll dem Inhalt gerecht werden. 4) Er soll der Lesesituation entsprechen. 5) Der Text soll zum Sender passen.
    Neu im Ratgeber „‘Leichte Sprache‘- Kein Regelwerk“ ist nicht nur der Umgang mit den Regeln „Leichter Sprache“. Um die Zielgruppe besser zu erreichen, arbeitet die die Publikation gezielt mit Grafiken, die die Forschungsergebnisse verständlich vermitteln. Zudem gibt es Kurzzusammenfassungen der wichtigsten Inhalte, die sich explizit an Leser richten, die sonst vielleicht keine Forschungsberichte lesen oder die eine schnelle Übersicht über die Inhalte suchen.
    Von November 2014 bis zum Januar 2018 evaluierten Wissenschaftler aus der Sonderpädagogik, der Sozialmedizin, der Soziologie und der Linguistik an der Universität Leipzig sowie Menschen mit Lernschwierigkeiten im Projekt „Leichte Sprache im Arbeitsleben“ die sogenannte „Leichte Sprache“. Das Projekt wurde gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales.
    Der Ratgeber „‘Leichte Sprache‘- Kein Regelwerk“ ist auch online frei verfügbar:http://ul.qucosa.de/api/qucosa%3A31959/attachment/ATT-0/
    Inhaltlicher Kontakt:
    Dr. Bettina Bock
    Institut für deutsche Sprache und Literatur II
    +49 221 9331-7241
    bettina.bock@uni-koeln.de
    Presse und Kommunikation:
    Jan Voelkel
    +49 221 470-2356
    j.voelkel@verw.uni-koeln.de
    Publikation:
    Bock, Bettina M. (2019): „Leichte Sprache“ – Kein Regelwerk. Sprachwissenschaftliche Ergebnisse und Praxisempfehlungen aus dem LeiSA-Projekt. Frank &Timme.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Kulturwissenschaften, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Sprache / Literatur
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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