Palmen in Österreich als Folge des Klimawandels

idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo


Teilen: 
30.07.2019 12:11

Palmen in Österreich als Folge des Klimawandels

Stephan Brodicky Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien

    Wärmeres Klima fördert die Ausbreitung Wärme liebender exotischer Pflanzenarten

    Die heißen Sommer und milden Winter der vergangenen Jahre als Folge des sich beschleunigenden Klimawandels haben deutliche Auswirkungen auf die Verbreitung von Tier- und Pflanzenarten. Während sich viele heimische Arten in höhere Lagen zurückziehen, breiten sich Wärme liebende Arten aus. Darunter befinden sich auch viele vom Menschen eingeführte exotische Tier- und Pflanzenarten. Erstmals wurden in den letzten Jahren in Österreich sogar Vorkommen verwilderter Palmen nachgewiesen, wie eine Studie von Franz Essl vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien zeigt.

    Die letzten Jahre waren in Österreich bis zu zwei Grad Celsius wärmer als der langjährige Durchschnitt, und der Sommer 2019 zeigt, dass lang andauernde Hitzeperioden mittlerweile regelmäßig auftreten. Bereits seit längerer Zeit ist bekannt, dass die Flora und Fauna stark auf den Klimawandel reagiert. Viele heimische Arten, die an kühleres Klima angepasst sind, leiden unter dem zunehmenden Hitze- und Trockenstress, und verschwinden aus tiefen Lagen. Dies hat vielfältige negative Auswirkungen, auch für die Land- und Forstwirtschaft, wie an den Schäden vieler Bäume in österreichischen Wäldern in tiefen Lagen klar erkennbar ist. Es gibt aber auch Gewinner des Klimawandels. Dies sind meist anpassungsfähige, Wärme liebende Arten, und darunter befinden sich viele vom Menschen eingeführte exotische Arten – sogenannte Neobiota. Viele dieser Arten stammen aus wärmeren Gegenden anderer Kontinente, und konnten sich in Österreich bislang nicht ausbreiten. Starke Fröste und zu kühle Sommer haben dies verhindert.

    Palmen in Österreich
    Palmen gelten zu Recht als Sinnbild tropischer und subtropischer Länder. Sie kommen auf allen warmen Kontinenten vor, in Europa sind Palmen mit zwei Arten auf das Mittelmeergebiet beschränkt. In den letzten Jahrzehnten wurde die aus Ostasien stammende Hanfpalme vermehrt auch in Österreich als Zierbaum angepflanzt, wobei ein Überdauern strenger Winter nur an geschützten Standorten oder in Glashäusern möglich war. Eine neue Studie hat jedoch gezeigt, dass Hanfpalmen in den letzten Jahren als Folge des Klimawandels nicht nur zunehmend den Winter im Freien gut überdauern, sondern dass sie sich mittlerweile auch ausbreiten können. "Insgesamt sechs Fundorte verwilderter junger Palmen sind mittlerweile für Österreich bekannt geworden", erläutert Franz Essl vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung an der Universität Wien und Autor der Studie.

    "Bislang handelt es sich nur um kleine Vorkommen besonders in Städten wie in Wien, und es wurden ausschließlich junge verwilderten Palmen aufgefunden", ergänzt Essl. "Aber, in einigen Jahrzehnten könnten Palmen in Österreich schon häufiger verwildert angetroffen werden." Dies zeigt auch ein Blick über die Grenze in die Süd-Schweiz. Dort kommt die Hanfpalme auf der Südseite der Alpen in einem etwas wärmeren Klima als in Österreich seit einigen Jahrzenten verwildert vor und dringt dort mittlerweile massiv in die Wälder ein. Palmen könnten daher in nicht allzu ferner Zukunft in österreichischen Wäldern möglicherweise kein ungewöhnlicher Anblick mehr sein.

    Die Folgen des Klimawandels für Natur und Mensch
    Generell belegt die Studie, dass der Klimawandel schon heute gravierende Auswirkungen auf das Vorkommen vieler Arten hat. Die Folgen des Klimawandels betreffen dabei auch stark Land- und Forstwirtschaft, da Hitze und Dürre immer öfter zu Ernteausfällen führen. "Daher ist es absolut notwendig, dass Österreich eine weitaus ambitioniertere Klimapolitik als bisher umsetzt", betont Essl.

    Publikation in "BioInvasions Records":
    Essl F 2019. First records of casual occurrences of Chinese windmill palm Trachycarpus fortunei (Hook.) H. Wendl. in Austria. BioInvasions Records
    DOI: 10.3391/bir.2019.8.3.01


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Mag. Dr. Franz Essl, Privatdoz.
    Department für Botanik und Biodiversitätsforschung
    Universität Wien
    1030 - Wien, Rennweg 14/1
    +43-676-609-16 38
    franz.essl@univie.ac.at


    Originalpublikation:

    https://www.reabic.net/journals/bir/2019/Accepted/BIR_2019_Essl_correctedproof.p...


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Gesellschaft, Meer / Klima, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Hanfpalmen sind in Wäldern der Süd-Schweiz ein häufiger Anblick. Im Bild dominieren sie den Unterwuchs eines Laubwaldes im Tessin.


    Zum Download

    x

    Im Bild dominieren sie den Unterwuchs eines Laubwaldes im Tessin.


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).

    Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Durch das Weitersurfen auf idw-online.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Datenschutzerklärung
    Okay