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13.08.2019 13:39

Im Trend: Öffentliche Bücherschränke

Anneliese Odenthal Presse und Kommunikation
Universität zu Köln

    Ist das noch Literatur oder kann das weg?


    Stefan Udelhofen vom Institut für Medienkultur und Theater hat im Rahmen eines Seminars mit Studierenden die Nutzung der öffentlichen Bücherschränke Kölns untersucht und festgestellt, dass 50 bis 70 % der in die Bücherschränke eingestellten Bücher wöchentlich neue Leser finden.

    An verschiedenen Orten Kölns und anderen Städten Deutschland sind seit einigen Jahren öffentliche Bücherschränke zu finden. Menschen können hier nicht mehr gebrauchte oder gewollte Bücher abgeben, damit diese neue Besitzer*innen finden. Ebenso wie das eher webbasierte Bookcrossing, verbindet das Angebot gegenwärtige Tendenzen zur Nachhaltigkeit, Wiederverwertung und Sharing Economy mit einer kulturell-historisch geprägten Wertschätzung für Bücher als zu bewahrende und nicht vorschnell wegzuwerfende Güter.

    Auffallend ist die generell hohe Nutzung des Angebotes. Im Durchschnitt fasst ein Bücherschrank ca. 250 Bücher, von denen je nach Standort mindestens ein Drittel bis zu 90 Prozent zwischen zwei Erhebungen entnommen und durch neue Bücher ersetzt wurde. Die teilweise deutlichen Unterschieden im Grad der Nutzung lassen sich vorläufig durch verschiedene Faktoren erklären. Die Übersichtlichkeit des Angebotes sowie die Sichtbarkeit des Bücherschranks zeigten sich dabei als zentral. So werden Bücherschränke, die gut einsehbar platziert sind weitaus umfänglicher genutzt als Bücherschränke, die eher versteckt im Foyer von Bürgerämtern, in Einkaufspassagen oder auf Schulhöfen zu finden sind. Eine Überfülle an Büchern und das Fehlen einer ehrenamtlichen Betreuung durch Vereine oder Privatpersonen wirkt eher abschreckend.
    Das Angebot der Bücher ist breit gefächert und unterscheidet sich von Stadtteil zu Stadtteil. Wenig überraschend überwiegt Belletristik, insbesondere Krimis und Liebesromane. Daneben finden sich allerdings auch allerlei Kuriositäten, seien es Ernährungsratgeber aus den 1960er-Jahren oder Originalausgaben, die bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlegt wurden. Die meisten Bücher indes sind jüngeren Datums, wobei sich bemerkenswerte Häufigkeiten des Erscheinungsjahres in den 1970er-, 1990er- und 2000er-Jahren zeigen. Durchaus erfreulich, wurden die meisten Bücher in einem eher guten, zumindest lesbaren Zustand vorgefunden.

    Studierende des Bachelor-Studiengangs Medienkulturwissenschaft haben im Rahmen des Seminars „Ist das noch Literatur oder kann das weg? Öffentliche Bücherschränke in Köln als Fallstudie Materieller Kultur“ insgesamt 18 Bücherschränke in Köln über den Zeitraum des Wintersemesters 2018/2919 angeschaut. In Brück, Ehrenfeld, Kalk und anderen Stadtteilen wurden hierzu in ca. wöchentlichem Abstand insgesamt 12-15 Erhebungen je Bücherschrank durchgeführt, um den Bestand im Zeitverlauf zu dokumentieren. Neben der Erfassung bibliografischer Angaben, wurden der Zustand der Bücher sowie Auffälligkeiten, etwa Widmungen oder Stempel notiert. Zugleich erfolgte eine Kategorisierung der Bücher nach etablierten Gattungen und Genres sowie eine Bewertung der Attraktivität und Sichtbarkeit des Bücherschranks in den einzelnen Stadtteilen.

    Inhaltlicher Kontakt:
    Stefan Udelhofen
    Institut für Medienkultur und Theater
    +49 221 470-6622
    Stefan.udelhofen@uni-koeln.de
    Presse und Kommunikation:
    Anneliese Odenthal
    +49 221 470-5602
    odenthal@uni-koeln.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Gesellschaft, Kulturwissenschaften
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


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