Gesamtvision – Bildung zukunftsfähig gestalten

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14.02.2020 12:11

Gesamtvision – Bildung zukunftsfähig gestalten

Dr. Andreas Ratajczak Innovation und Bildung
VDI Technologiezentrum GmbH

    Diagnose des Bildungssystems der Deutschsprachigen Gemeinschaft Ostbelgiens. Bildungsminister Mollers stellt Ergebnisbericht der Diagnosephase vor.

    Im Rahmen einer Pressekonferenz stellte Bildungsminister Mollers gemeinsam mit dem Dienstleister VDI Technologiezentrum GmbH (VDI TZ) die relevanten Erkenntnisse der ersten Bestandsaufnahme – der „Diagnosephase“ – vor. Auf Grundlage des von April 2019 bis Januar 2020 erhobenen Meinungsbildes identifizierte VDI TZ die Stärken und Herausforderungen des ostbelgischen Bildungssystems und formulierte konkrete Handlungsoptionen für die Zukunft.

    „Im vorliegenden Ergebnisbericht wird unter Einbeziehung der gesamten Bevölkerung Ostbelgiens ein differenziertes Meinungsbild zum Bildungssystem in Ostbelgien dargestellt. Hervorzuheben ist insbesondere die hohe Beteiligung an der anonymen Online-Umfrage, so dass die Repräsentativität der Ergebnisse für die meisten Akteursgruppen gegeben ist. Eine solch umfassende Betrachtung des Bildungssystems in Ostbelgien hat es bisher noch nicht gegeben. Insofern konnte die Perspektive der bisher durchgeführten Umfragen und Untersuchungen deutlich geweitet und auf ein solides Fundament gestellt werden,“ erläutert Frau Dr. Stahl-Rolf, Projektleiterin am VDI Technologiezentrum und Leiterin des Bereichs Innovation und Bildung.

    Im Rahmen der Online-Umfrage hatten die Bürger die Möglichkeit, sich frei zu den Stärken und Herausforderungen des Bildungssystems zu äußern. Darüber hinaus konnten sie Thesen zum Bildungssystem bewerten, die in fünf Themenfelder gruppiert wurden. Für alle Themenfelder wurden Handlungsfelder identifiziert und Handlungsoptionen aufgezeigt. Bei der nachfolgenden Auflistung handelt es sich um eine Auswahl. Eine vollständige Übersicht aller Handlungsfelder und -optionen entnehmen Sie bitte dem Ergebnisbericht ab Seite 38.

    1. Schule als Lernort
    - Die Schüler werden gut auf das Studium, aber noch nicht gut genug auf das Leben vorbereitet. Lebenspraktische Kompetenzen und Inhalte, Berufsorientierung und Soft Skills wie Problemlösekompetenz und kritisches Denken sollen im Schulalltag stärker gefördert werden.
    - Die Mehrsprachigkeit wurde gleichzeitig als Chance und als Herausforderung identifiziert. Ein Fokus sollte auf dem aktiven Sprachgebrauch liegen.
    - Zur besseren individuellen Förderung von Schülern bedarf es u.a. eines Gesamtkonzeptes, in dem die vorhandenen Fördermöglichkeiten optimiert und aufeinander abgestimmt werden.
    - Organisatorische Aspekte des Bildungssystems wie z.B. die Länge der Sommerferien und der Zeitpunkt der Nachprüfungen bedürfen einer kritischen Prüfung.

    2. Schule als Arbeitsort
    - Die Aus- und Weiterbildung des Lehrpersonals sollte dieses umfangreicher und praktischer auf die Herausforderungen des heutigen Schulalltags vorbereiten, damit das Lehrpersonal seinem Bildungs- und Erziehungsauftrag besser gerecht werden kann. Dies kann unter anderem über eine Verlängerung der akademischen Ausbildung erreicht werden.
    - Mehrere Aspekte des Dienstrechts erscheinen nicht mehr zeitgemäß – etwa die Verbeamtung, befristete Verträge oder die nicht vorhandene Übertragbarkeit der Diensttage der Personalmitglieder zwischen Unterrichtsträgern. Bestehende Strukturen sollten überdacht und vereinfacht werden, um die Attraktivität des Lehrerberufs zu stärken. Dadurch könnten mehr Studierende und qualifizierte Berufseinsteiger sowie Quereinsteiger für den Lehrerberuf gewonnen werden.
    - Die Arbeitszeit von Lehrkräften muss neu geregelt werden. Ein neues Konzept (Übergang von Stundendeputaten zu Jahresarbeitszeit-Konzepten) könnte mehr Flexibilität und Raum für mehr Teamarbeit schaffen sowie die Wertschätzung für den Beruf steigern.
    - Teamarbeit und kollegialer Austausch sollten vermehrt den Arbeitsalltag des Lehrpersonals prägen und könnten den Schulentwicklungsprozess fördern sowie den Schulalltag des Lehrpersonals erleichtern. Lehrer sollten besser als bisher hierfür, etwa durch ein Coaching, vorbereitet werden.
    - Berufseinsteiger benötigen mehr Unterstützung, etwa durch ein Mentoring-Programm. Auch die bessere Integration von Quereinsteigern, beispielsweise durch die engere Begleitung in pädagogischen Fragestellungen, steht in der Diskussion.

    3. Rahmenpläne
    - Vor allem die älteren Rahmenpläne sollten auf ihre Aktualität und Relevanz hin überprüft werden. Es ist ferner zu diskutieren, ob und in welcher Weise Rahmenpläne fächerübergreifende Kompetenzen adressieren sollen.

    4. Schulentwicklung
    - Aktuell sind zahlreiche Dienste (u. a. externe Evaluation, Schulentwicklungsberatung, Fachberatungen) am Schulentwicklungsprozess beteiligt und erscheinen dabei nicht gut abgestimmt. Es ist eine Stärkung der Profile der einzelnen Dienste und eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Diensten erforderlich.
    - Starke Schulleiter sind die Treiber hinter erfolgreichen Schulentwicklungsprozessen. Aktuell gibt es jedoch einen Mangel an Schulleitern. Die Reformen des Dienstrechts sollten insbesondere auch darauf gerichtet sein, mehr und gute Schulleiter zu gewinnen.

    5. Mittelständische Ausbildung
    - Die Berufsorientierung hin zur mittelständischen Ausbildung ist ausbaufähig. Ihre Chancen und die mit den Ausbildungsgängen verbundenen konkreten Berufsprofile könnten noch besser vermittelt werden. So ließe sich auch die Attraktivität der mittelständischen Ausbildung steigern.
    - Die Strukturen der mittelständischen Ausbildung werden als zu komplex beschrieben. Eine Strukturanpassung könnte dazu beitragen, Ressourcen besser zu nutzen.
    - Die Qualität sowohl der betrieblichen als auch der schulischen Ausbildungsbestandteile könnte verbessert werden.

    Der Ergebnisbericht bildet mit seinen Handlungsoptionen die Grundlage für die Weiterentwicklung der Gesamtvision in den kommenden Jahren.

    Bildungsminister Harald Mollers sieht den eingeschlagenen Kurs der Regierung in puncto Weiterentwicklung des Schulsystems erst einmal bestätigt. „Viele der durch die Bevölkerung identifizierten Handlungsfelder und –optionen sind bereits im Regionalen Entwicklungskonzept (REK III) oder im laufenden Arbeitsprogramm der Regierung verankert. Beispielsweise die Förderung der Mehrsprachigkeit, der politischen Bildung und der Berufswahlorientierung in den Schulen, die Dienstrechtsreform, die Strukturreform der technisch-beruflichen Ausbildung und die Reform im Bereich Förderpädagogik“ betont der Minister.

    Wie wird der weitere Projektverlauf aussehen?
    Minister Mollers nutzte das Pressegespräch zudem, um einen Ausblick in die Zukunft zu wagen. „Die Resonanz aus der Bevölkerung und von Seiten der Bildungsakteure im Rahmen des Beteiligungsprozesses war herausragend. Es wurden tausende Meinungen, Kommentare und Anmerkungen eingereicht. Das umfassende Meinungsbild ergibt eine detaillierte Innensicht auf unser Bildungssystem. Jetzt gilt es, einen Blick von außen auf das System zu werfen“, so der Bildungsminister.

    In dieser zweiten Etappe soll eine systemische Wirksamkeitsanalyse durchgeführt werden, die das Meinungsbild um eine empirische Untersuchung ergänzt.

    Zahlen und Verlauf „Diagnosephase“
    - April 2019: Kick-off
    - Mai bis August 2019: Experteninterviews mit 16 Schlüsselakteuren des Bildungswesens“
    - August bis September 2019: Online-Umfrage (3480 Teilnehmer)
    - Oktober 2019: Vier Diskussionsforen für Bildungsakteure (rund 110 Teilnehmer)
    - November 2019: Rundtischgespräch mit Schlüsselakteuren (19 Teilnehmer)
    - Dezember 2019: Zwei Zukunftsforen Bildung (rund 150 Teilnehmer)

    Ansprechpartnerin bei der VDI Technologiezentrum GmbH:
    Dr. Silke Stahl-Rolf
    Leiterin des Bereichs Innovation und Bildung
    stahl-rolf@vdi.de


    Weitere Informationen:

    https://www.vditz.de/fileadmin/media/news/documents/Ergebnisbericht_Diagnose_fin... - Download des Ergebnisberichts
    http://www.gesamtvision.be - Weitere Informationen zum Prozess „Gesamtvision“


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
    Pädagogik / Bildung
    überregional
    Schule und Wissenschaft
    Deutsch


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