Im Jubiläumsheft geben Konrad H. Jarausch (Mitbegründer und bis heute Mitherausgeber) und die Redaktion gemeinsam einen Rück- und Ausblick auf die Zeitschrift. Ihre Entwicklung seit der ersten Ausgabe von 2004 ist auch ein Indikator für generelle Trends der Zeitgeschichte. Das aktuelle Heft enthält neun Beiträge, unter anderem Aufsätze zur Geschichte von „Dritte-Welt-Läden“ und zur Politisierung betrieblicher Weiterbildung in der Bundesrepublik der 1970er-Jahre.
Die „Zeithistorischen Forschungen“ (ZF) erscheinen gedruckt bei Vandenhoeck & Ruprecht und zugleich frei zugänglich im Internet (https://zeithistorische-forschungen.de).
Wichtige Hintergründe zu gegenwärtigen Debatten liefert Andreas Eckert (Humboldt-Universität zu Berlin) in seinem Essay „Postkoloniale Zeitgeschichte?“. Er regt dazu an, mit Hilfe postkolonialer Perspektiven nicht nur neue Themenfelder oder Regionen zu untersuchen. Vielmehr gehe es darum, „den eigenen Blickwinkel darauf, was denn eigentlich ‚Zeitgeschichte‘ ausmacht, zu entprovinzialisieren“. Seit einigen Jahren sind derartige Forschungen und Diskussionen auch verstärkt in Gang gekommen, nicht nur bezogen auf die Sammlungsbestände und Ausstellungskonzepte von Museen.
Benjamin Möckel (Universität zu Köln) verfolgt in diesem Heft die Geschichte von „Dritte-Welt-Läden“ in der Bundesrepublik Deutschland und in Großbritannien. Ökonomisch gesehen blieben diese „konsumkritischen Konsumorte“ eher marginal, aber für Ideen und Praktiken eines gerechten, postkolonialen Welthandels gaben sie seit den 1970er-Jahren Impulse.
Der Blick der Zeitgeschichtsforschung richtet sich inzwischen auch verstärkt auf die 1990er-Jahre: In der Rubrik „Neu gelesen“ bietet Cora Schmidt-Ott (Universität Tübingen) eine kritische Einordnung von Samuel P. Huntingtons einflussreichem Buch „The Clash of Civilizations and the Remaking of World Order“, dessen Erstauflage vor 25 Jahren erschienen ist. Die Suche nach einer neuen globalen Ordnung nach dem Kalten Krieg verband sich darin mit einer gezielten innenpolitischen Intervention, dem Streben nach einer möglichst homogenen „Identität“ der US-amerikanischen Gesellschaft.
Unter dem Titel „Windeln wechseln für den Sozialismus?“ fragt Martina Winkler (Universität zu Kiel), wie „sozialistisch“ Elternratgeber der Jahre 1948 bis 1989 in der Tschechoslowakei waren. Zwar wurden über die Ratgeberliteratur bestimmte Werte und Normen des sozialistischen Aufbaus vermittelt, aber besonders nach 1968 zeigte sich ein wachsender Pragmatismus. Manche Empfehlungen für die Säuglingspflege und Kindererziehung ließen zudem Parallelen zum „Westen“ erkennen.
Um ganz andere Formen von „Erziehung“ geht es in einem Aufsatz von Franziska Rehlinghaus (Universität Göttingen): In der Bundesrepublik der 1970er-Jahre wurde betriebliche Weiterbildung zum Kampfplatz divergierender politischer Ordnungsmodelle. Die Autorin analysiert, wie Unternehmen und deren Interessenverbände bewusst in die politische Bildung einstiegen, um damit die Führungskräfte und die Betriebsräte zu prägen. Im Zentrum stand die Einübung politischer Kommunikation als eine Art Selbstermächtigung gegen linke Herausforderer („Dialektik für Manager“).
Die „Zeithistorischen Forschungen“ werden am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (https://zzf-potsdam.de) herausgegeben von Frank Bösch, Konrad H. Jarausch und Martin Sabrow. Die Zeitschrift erscheint gedruckt im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht (https://www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com) und zugleich frei zugänglich im Internet (https://zeithistorische-forschungen.de).
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Cover Heft 50 der Fachzeitschrift "Zeithistorische Forschungen"
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
Geschichte / Archäologie, Gesellschaft
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Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch
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