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10.09.2021 13:13

Alles bleibt anders

Dr. Gabriele Neumann Stabsstelle Hochschulkommunikation
Philipps-Universität Marburg

    Große Sammlungstagung an der Universität Marburg zu digitalem Kuratieren

    Viele Objekte universitärer Sammlungen stammen aus vergangenen Jahrhunderten. Die Sammlungen selbst bewegen sich aber immer im gesellschaftlichen Diskurs der Gegenwart, so zum Beispiel in der aktuellen Debatte um Objekte aus kolonialen Kontexten. Im Mittelpunkt der Tagung „Digitales Kuratieren“ an der Philipps-Universität Marburg stehen vom 15. bis 17. September 2021 die digitalen Aspekte der Arbeit mit und in wissenschaftlichen Universitätssammlungen. Diese lassen sich aber nicht von den gesellschaftlichen Fragen trennen. Die 12. Sammlungstagung und zugleich 9. Jahrestagung der Gesellschaft für Universitätssammlungen, ursprünglich für 2020 geplant, wurde wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben und findet nun rein digital statt.

    Digitalisierte Objekte in großer Zahl verfügbar zu machen, stellt wissenschaftliche Sammlungen vor eigene und neue Herausforderungen. In Vorträgen und Workshops tauschen sich Vertreterinnen und Vertreter universitärer Sammlungen unter anderem über folgende Fragen aus: Welche Standards für Dateiformate und Objekterschließung sollen gewählt werden? Wie kann sichergestellt werden, dass die Standards eingehalten werden? Wie wird das Rechtemanagement geregelt? Die Diskussion geschieht auch vor dem Hintergrund, dass der Zugang zu Forschungsförderung zunehmend von der Leistungsfähigkeit und der Einhaltung von Standards im Bereich des digitalen Kuratierens sowie der Veröffentlichung der Ergebnisse abhängig ist.

    „Am Beispiel der Biodiversitätsforschung, zu der eine bedarfsgerechte Digitalisierung zoologischer und botanischer Sammlungen an Universitäten wichtige Beiträge leistet, zeigt sich die enorme gesellschaftliche Relevanz des digitalen Kuratierens“, sagt Dr. Christian Bracht, Direktor des Deutschen Dokumentationszentrums für Kunstgeschichte (DDK) – Bildarchiv Foto Marburg. Und fügt hinzu: „Das nachhaltige Pflegen von Sammlungs- und Forschungsdaten ist eine große Kraftanstrengung, für die die Öffentlichkeit aber täglich belohnt wird. Ich finde es unglaublich faszinierend, im Internet in den bislang verborgenen Schätzen von Universitätssammlungen zu stöbern, von digitalisierten Elefanten bis hin zu exotischen Mineralien und Kunstwerken aus aller Welt. Das ist wie eine digitale Kunst- und Wunderkammer.“

    Öffentliche Podiumsdiskussion am 16. September

    Bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion zum Thema „Digitale Strategien für wissenschaftliche Universitätssammlungen“ diskutieren Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Disziplinen am Donnerstag, 16. September 2021, von 15:30 bis 17:00 Uhr über die Herausforderungen und Chancen, die mit der Digitalisierung von wissenschaftlichen Sammlungen verbunden sind.
    In den vergangenen zehn Jahren, seit der Veröffentlichung der Empfehlungen zu wissenschaftlichen Sammlungen als Forschungsinfrastrukturen durch den Wissenschaftsrat, ist an den Universitätssammlungen viel erreicht worden. Einen weiteren Schwung wird die Digitalisierung auslösen, wobei neue Investitionsmaßnahmen, wie etwa die Einrichtung der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI), wichtige Impulse setzen.

    Denn ohne qualitätsvolle digitale Dienste können die Bedarfe der Forschung von den Sammlungen kaum mehr adressiert werden. Die aktuelle Debatte über Objekte aus kolonialen Kontexten ist zudem ein Beleg dafür, dass digitales Kuratieren von historischen Sammlungen in der globalisierten Welt auch ein gesellschaftspolitisches Erfordernis ist. Und die Corona-Pandemie hat gerade im Bereich der Gedächtnisinstitutionen gezeigt, wie notwendig digitale Zugänge sind: als niederschwellige Angebote für kulturelle Teilhabe, als Medien für Wissenstransfer in der Forschung und in die Bürgergesellschaft. Aber sind die Sammlungen an den Universitäten für diese Veränderungen überhaupt gerüstet? Wie können sie die Potenziale der Digitalisierung sinnvoll nutzen? Woran bemisst sich der Erfolg einer Digitalstrategie im Spannungsfeld von Sammlungs- und Forschungsdaten?

    Darüber diskutieren:
    • Dr. Marie Luisa Allemeyer – Georg-August-Universität Göttingen / Gesellschaft für Universitätssammlungen
    • Dr. Michael Farrenkopf – Deutsches Bergbau-Museum Bochum
    • Prof. Dr. Friederike Fless – Deutsches Archäologisches Institut Berlin
    • Prof. Dr. Katharina Krause – Philipps-Universität Marburg
    • Dr. Peter Reuter – Universitätsbibliothek Justus-Liebig-Universität Gießen
    • Prof. Dr. Cornelia Weber – Justus-Liebig-Universität Gießen / Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitätssammlungen in Deutschland

    Moderiert wird die Diskussion von Dr. Christian Bracht (Direktor Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg) und Dr. Ortrun Brand (Stabsstelle Forschungsdatenmanagement der Philipps-Universität Marburg).

    Podiumsdiskussion live verfolgen

    Interessierte können die Diskussion online verfolgen. In anschließenden Workshops der Sammlungstagung 2021 werden die Impulse der Podiumsdiskussion aufgenommen und entlang von sechs Themenfeldern zu Bausteinen für eine „Marburger Erklärung“ verarbeitet, um den Forderungen der Universitätssammlungen – an sich selbst und an die Politik – sichtbare Gestalt zu geben.

    Ausstellung zu Sammlungen der Philipps-Universität im realen und digitalen Raum

    Im Zuge der Tagung wird am Mittwoch, 15. September 2021, ab 18:00 Uhr öffentlich die Ausstellung „Spuren lesen: Objekte erzählen. Marburger Universitätssammlungen digital“ eröffnet. Sie entstand unter Federführung des Museums für Kunst und Kulturgeschichte und der Universitätsbibliothek und präsentiert im realen und digitalen Raum Objekte verschiedener Sammlungen der Philipps-Universität. „Zu allen Exponaten werden digitale Angebote bereitgestellt, die auf vielfältige Weise zum Verständnis dieser Objekte und ihrer wissenschaftlichen Kontexte beitragen“, erläutert Museumsdirektor Dr. Christoph Otterbeck.

    Den Festvortrag zur Eröffnung „Entrepreneurs & Philanthropists: die Geschäftsmodelle britischer Universitätssammlungen“ wird Prof. Dr. Katharina Lorenz (Klassische Archäologie, Justus-Liebig-Universität Gießen) halten. Auch der Festvortrag am 15. September 2021 um 18:00 Uhr kann öffentlich mitverfolgt werden. Er ist ebenfalls online erreichbar.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Christian Bracht
    Direktor des Deutschen Dokumentationszentrums für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg
    Tel.: 06421 28-23604
    E-Mail: bracht@fotomarburg.de

    Dr. Christoph Otterbeck
    Direktor des Museums für Kunst und Kulturgeschichte
    Philipps-Universität Marburg
    Tel.: 06421 28-22355
    E-Mail: museum@uni-marburg.de


    Weitere Informationen:

    https://www.uni-marburg.de/de/sammlungen/sammlungstagung-2021/tagung-und-program... (Tagungsprogramm)
    https://www.uni-marburg.de/de/ub/ueber-uns/oeffentlichkeitsarbeit/ausstellungen-... (Digitale Sammlungsausstellung, ab 15. September aufrufbar)
    https://uni-marburg.webex.com/uni-marburg-de/j.php?MTID=m1e4ee46f0c526ca3afd27c3... (Podiumsdiskussion)
    https://uni-marburg.webex.com/uni-marburg-de/j.php?MTID=mcf50013b5b0ccdcc1e8a65c... (Ausstelllungseröffnung)


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    fachunabhängig
    überregional
    Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


    Das Skelett des Elefanten "Jack" gehört zu den Exponaten der Zoologischen Sammlung der Philipps-Universität. Das Exponat ist am Fachbereich Biologie zu sehen.


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