idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Thema Corona

Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Teilen: 
19.05.2022 10:42

Ein Blick in die Schatzkammern der deutschen Herbarien: www.herbarium.gbif.de geht online

Franziska Krug Pressestelle Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin
Freie Universität Berlin

    Mit rund 23 Millionen getrockneten Pflanzen, Pilzen und Algen in über 70 Herbarien verfügt Deutschland über den weltweit drittgrößten Bestand. Das Onlineportal https://herbarium.gbif.de zeigt nun mit einer Million digital vernetzten Belegen, welches Wissen in ihnen schlummert. Die Schätze von 22 bedeutenden deutschen Herbarien können hier erstmals als Gesamtschau eingesehen werden. Kuratiert wird das Virtuelle Herbarium Deutschland vom Botanischen Garten Berlin der Freien Universität Berlin, der gemeinsam mit der internationalen Open Data-Plattform Global Biodiversity Information Facility (GBIF) auch die Software hinter dem Portal entwickelt hat.

    Eine digitale Reise zu Humboldts Fundorten

    Auf www.herbarium.gbif.de können Botanik-Interessierte neben den hochaufgelösten Fotografien von 300.000 historischen Belegen – unter ihnen Originalbelege von Alexander von Humboldt oder Carl Ludwig Willdenow – auch die genauen Fundorte auf einer digitalen Weltkarte entdecken. Das Portal bietet Hobby-Botanikerinnen und Pflanzenliebhabern ebenso wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erstmals einen anschaulichen Schnelleinstieg in die digitalisierten Belege der deutschen Herbarien. Neben seltenen Typus-Exemplaren (erstmalig botanisch beschriebene Arten) finden sich auch Belege zu Pflanzen, die heute gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind: so eine Form des Königsfarns (Osmunda regalis f. crispa Willd), die Humboldt in der Nähe des Humboldt-Schlösschens in Berlin gesammelt hat. Das Virtuelle Herbarium Deutschland präsentiert bisher über zwanzig Sammlungen von Universitäten, Museen und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen – zu den teilnehmenden Partnern gehören unter anderem das Herbarium Senckenbergianum Frankfurt/Main und das Herbarium Haussknecht der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

    Herbarium 3.0 – neues Wissen dank digitaler Vernetzung

    Virtuelle Herbarien sind Wissensbasis und unverzichtbare Quelle für die aktuelle und zukünftige Forschung zur globalen Biodiversität. Durch digitale Aufbereitung der Belege von Pflanzen, Pilzen und Algen und ihre Vernetzung mit weiteren Forschungsdaten können heute völlig neue Erkenntnisse über die Verteilung von Arten in Raum und Zeit gewonnen und neue Handlungsempfehlung zu ihrem Erhalt entwickelt werden: „Je mehr Daten wir intelligent verknüpfen, umso besser werden wir Entwicklungen rund um Global Change modellieren und wegweisende Prognosen treffen können. Die deutschen Herbarien arbeiten daher eng zusammen, um eine vollständige Digitalisierung ihrer Sammlungen zu erreichen. Dies ist nicht nur eine wichtige Grundlage für die Forschung, sondern auch eine Investition in unser aller Zukunft“, so Anton Güntsch, Leiter des 2021 neu gegründeten Zentrums für Biodiversitätsinformatik und Sammlungsdatenintegration am Botanischen Garten Berlin.

    Zukunft Biodiversitätsforschung: Digitalisierungsinitiative in der Botanik

    Der Großteil der rund 23 Millionen Belege in deutschen Herbarien ist heute noch ein ungehobener Schatz – derzeit liegt die Digitalisierungsquote bei gerade einmal 13 Prozent. Gemeinsam haben sich die deutschen Herbarien vorgenommen, ihre Bestände vollständig zu digitalisieren.
    Um die Potenziale in Zukunft voll auszuschöpfen, muss eine Forschungsinfrastruktur aufgebaut werden, die einen umfassenden und freien Zugang zu den Informationen in Herbarien und botanischen Sammlungen ermöglicht. Hierfür haben sich führende wissenschaftliche Institutionen bereits 2020 in einem gemeinsamen Statementpapier stark gemacht.

    Auch der Botanische Garten Berlin hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 seine eigene Herbarsammlung komplett online zur Verfügung zu stellen. Als Vorreiter der Biodiversitätsinformatik bietet er heute bereits Datenservices, von denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit profitieren. Für das virtuelle Herbarium www.herbarium.gbif.de haben die Biodiversitätsinformatiker und Biodiversitätsinformatikerinnen am Botanischen Garten Berlin in Kooperation mit der Global Biodiversity Information Facility (GBIF) das neue Datenportal aufgebaut. Als internationales Netzwerk hat sich GBIF zum Ziel gesetzt, wissenschaftliche Daten und Informationen zur weltweiten Artenvielfalt in digitaler Form über das Internet frei und dauerhaft verfügbar zu machen. Deutschland (GBIF-D) gehört zu den GBIF-Gründungsmitgliedern, der Botanische Garten Berlin koordiniert den Knotenpunkt in Deutschland.

    Herbarien in Deutschland

    Weltweit lagern bis zu 388 Millionen Belege in fast 3.100 Herbarien in 178 Ländern. Die drei Länder in Europa mit der höchsten Anzahl an Herbarbelegen sind Frankreich, Großbritannien und Deutschland mit 25,96, 22,31 bzw. 22,16 Millionen Exemplaren (Thiers 2019). Deutschland verfügt über 70 Herbarien, die nach dem Index Herbariorum 2018 akkreditiert sind, drei davon gehören zu den zwanzig größten Herbarien der Welt. Die für Deutschland gelisteten 22,16 Millionen Belege entsprechen 6 % der Belege weltweit und 12 % der in europäischen Herbarien gelagerten Belege. Deutsche Herbarien sind daher nicht nur auf nationaler Ebene eine wichtige Forschungsinfrastruktur, sondern auch von globaler Bedeutung. Die meisten Herbarien sind Teil einer Universität (34 Herbarien mit insgesamt 14,3 Millionen Exemplaren). Weitere gehören zu städtischen Museen (10) oder staatlichen Museen (8), mit insgesamt sechs Millionen Exemplaren. Sechs Herbarien mit insgesamt 2,5 Mio. Belegen gehören zu aus Bundesmitteln geförderten Einrichtungen wie Leibniz-Instituten und vier zu Nichtregierungsorganisationen mit insgesamt 0,06 Mio. Belegen.

    Übersicht zu den 22 Partnern von www.herbarium.gbif.de/de/partners

    Pressefotos: www.bo.berlin/de/presse/pressefotos#Virtuelles Herbarium Deutschland

    Pressekontakt:

    Stephanie Henkel
    Leiterin Stabsstelle Kommunikation und Marketing
    Botanischer Garten Berlin
    Freie Universität Berlin
    Königin-Luise-Str. 6-8, 14195 Berlin
    Tel. +49 30 838-57 779, E-Mail: presse@bo.berlin

    BO Berlin – Internationales Wissenszentrum der Botanik

    Der Botanische Garten Berlin ist BO Berlin – Internationales Wissenszentrum der Botanik. Ein einzigartiger Ort, der Botanik in allen Facetten erlebbar macht. Mit einer Vielzahl von nahezu 20.000 Pflanzenarten ist der Botanische Garten Berlin der größte in Deutschland und zählt zu den bedeutendsten weltweit. Auf 43 Hektar Freigelände und in fünfzehn Gewächshäusern erhalten Besucherinnen und Besucher faszinierende Einblicke in die Welt der Botanik. Als Knotenpunkt der internationalen Biodiversitätsforschung und Ort der Wissensgenerierung und -vermittlung beschäftigt der Botanische Garten mehr als 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit dem Botanischen Museum verfügt er über Deutschlands einzigartige museale Einrichtung, die sich der Vielfalt der Pflanzenwelt, ihrer Bedeutung und der Darstellung ihrer Kultur- und Naturgeschichte widmet. Seit 1995 gehört die Einrichtung zur Freien Universität Berlin.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    www.herbarium.gbif.de am Botanischen Garten Berlin
    Projektleitung / Ansprechpartner für Interviewfragen:

    Prof. Dr. Thomas Borsch, Direktor Botanischer Garten Berlin
    +49 (0)30 838 50133
    sekretariat-direktor@bo.berlin

    Anton Güntsch, Leiter Zentrum für Biodiversitätsinformatik und Sammlungsdatenintegration
    +49 (0)151 - 70 24 55 02
    a.guentsch@bo.berlin

    Jörg Holetschek, Koordinator Biodiversitätsdatennetzwerke
    +49 (0)30 838-50150
    j.holetschek@bo.berlin


    Weitere Informationen:

    https://www.bo.berlin/de/presse/pressefotos#Virtuelles%20Herbarium%20Deutschland Pressefotos
    https://herbarium.gbif.de/ (Virtuelles Herbarium Deutschland)
    https://riojournal.com/article/50675/ (Statementpapier)
    http://sweetgum.nybg.org/science/docs/The_Worlds_Herbaria_2018.pdf (Thiers 2019)


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Biologie, Informationstechnik
    überregional
    Forschungsprojekte, Kooperationen
    Deutsch


    Pflanzenbelege im im Willdenow-Herbar / Alexander von Humboldt / Herbarium Berolinense im Botanischen Garten Berlin


    Zum Download

    x

    Typus-Beleg Königsfarn / Alexander von Humboldt / Herbarium Berolinense im Botanischen Garten Berlin


    Zum Download

    x

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).