idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
05.05.2023 14:00

Rheuma einen Riegel vorschieben?

Blandina Mangelkramer Presse und Kommunikation
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

    Immunoglobulin G-Antikörper (IgG) spielen bei infektiösen und Autoimmunerkrankungen eine wichtige Rolle als Entzündungstreiber. Gewinnt man jedoch dieselben Immunglobuline aus dem Blutplasma gesunder Spender, zeigen sie – gereinigt und in die Blutbahn injiziert – eine entzündungshemmende und das Immunsystem positiv beeinflussende Wirkung. Warum das so ist, war bisher weitgehend unklar. Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sowie der Universitäten Ulm und Würzburg hat nun den Mechanismus entschlüsselt, durch den diese intravenösen Immunglobuline die Auflösung von Gelenkentzündungen bei rheumatoider Arthritis vermitteln.

    Ihre Erkenntnisse haben die Forschenden im Fachjournal Immunity veröffentlicht.

    Die Ergebnisse zeigen, dass die Antikörper aus gesunden Spendern – auch als intravenöse Immunglobuline, kurz IVIg, bezeichnet – in der Lage sind, einen zentralen selbstzerstörerischen Prozess im Rahmen der rheumatoiden Arthritis zu unterdrücken: den Ab- und Umbau von Knochen und Knorpelgewebe im Gelenk. „Dieser durch die Entzündungsreaktion auftretende Knochenabbau führt sonst bei Patienten zu einer schweren Schädigung der Gelenke“, erklärt Prof. Dr. Falk Nimmerjahn vom Lehrtuhl für Genetik an der FAU, der das Projekt geleitet hat. „Die Ergebnisse der Studie zeigen jetzt erstmals, wie dieser Prozess auf molekularer Ebene durch Antikörper unterdrückt wird.“ Überraschend war für das interdisziplinäre Forschungsteam vor allem, dass Moleküle, die eigentlich mit der Abwehr von Erregern wie Bakterien und Pilzen in Verbindung gebracht werden, eine zentrale Rolle für die entzündungshemmende Wirkung von intravenösen Immunglobulinen spielen. In der Tat kam es in Abwesenheit dieser Rezeptoren zu einem Verlust der knochenschützenden und entzündungshemmenden Wirkung der Antikörper. Diese Erkenntnisse sind von großer Bedeutung für die Entwicklung neuer Therapien bei Autoimmunerkrankungen und Entzündungen, die durch Zytokine und Autoantikörper ausgelöst werden.

    Essenziell für diese interdisziplinäre Studie war die Zusammenarbeit mit führenden Experten in der atomistischen Simulation von Rezeptoren und Zellmembranen (Prof. Rainer Böckmann, FAU), die von dem optimalen Umfeld des Zentrums für Nationales Hochleistungsrechnen Erlangen (NHR@FAU) profitierten. Ebenso wichtig war die Zusammenarbeit mit weltweit führenden Wissenschaftlern auf dem Gebiet der hochauflösenden Mikroskopie (Super-Resolution-Mikroskopie) um Prof. Markus Sauer (Universität Würzburg). Die Forschungsarbeiten wurden im Rahmen des Forschungsverbundes CRC1181 (Auflösung von Entzündungsprozessen; Sprecher: Prof. Georg Schett, FAU), gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, durchgeführt.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Weitere Informationen:
    Prof. Dr. Falk Nimmerjahn
    Lehrstuhl für Genetik
    falk.nimmerjahn@fau.de


    Originalpublikation:

    DOI: 10.1016/j.immuni.2023.02.019


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).