Immer mehr Unternehmen werben mit angeblich nachhaltiger Produktion. Doch oft orientieren sich entsprechende Bewertungen und Gütesiegel vor allem an den Faktoren CO₂-Emissionen und Energieverbrauch – und lassen weitere wichtige Aspekte außer Acht. Forschende der Technischen Universität München (TUM) haben daher eine umfassende Methode zur ganzheitlichen Umweltbewertung von Geschäftsprozessen entwickelt, die Sustainability-Oriented Process Analysis (SOPA). So können Firmen gezielt Defizite aufdecken und Maßnahmen ergreifen, um Ressourcen zu schonen und Emissionen zu verringern.
Landnutzung, Wasserverschmutzung, Ressourcenaufwand und schädliche Emissionen: all diese Aspekte finden sich in Ansätzen, die die Nachhaltigkeit von Geschäftsprozessen bewerten, bislang kaum oder sogar überhaupt nicht wieder. „Wir wollen mit SOPA Transparenz schaffen – als Gegenstück zu Greenwashing und vagen Nachhaltigkeitslabels. Letztendlich können der CO₂-Ausstoß und Investitionen in Nachhaltigkeit entscheidend dafür sein, ob sich Kundinnen und Kunden für ein Unternehmen entscheiden oder nicht. Ich gehe aber auch davon aus, dass staatliche Vorgaben bezüglich Messung und datenbasierter Transparenz in diesem Bereich kommen werden“, sagt Luise Pufahl, Professorin für Information Systems am TUM Campus Heilbronn. Sie hat SOPA gemeinsam mit ihrem Team entwickelt.
Ein neuer Maßstab für die Umweltbewertung
In ihrem Framework ergänzen sie den „Business Process Management“-Lebenszyklus, eine gängige Methode, um die verschiedenen Phasen des Managements eines Geschäftsprozesses zu beschreiben, um zwei Aspekte. Das „Life Cycle Assessment“ (LCA) betrachtet die Umweltwirkungen eines Produkts oder Prozesses über dessen gesamten Lebenszyklus – von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung. Ergänzt wird es durch das Prinzip des „Activity-Based Costing“ (ABC), das Kosten nicht pauschal verteilt, sondern den Prozessaktivitäten zuordnet, die sie tatsächlich verursachen.
Statt teurem Trial-and-Error vorab Kosten und Nutzen testen
Ein weiteres zentrales Element von SOPA ist die Möglichkeit, nachhaltige Prozessänderungen vorab zu simulieren. Während viele Unternehmen Änderungen in ihren Abläufen bislang durch teure Trial-and-Error-Methoden testen, können Unternehmen mit SOPA verschiedene Szenarien datenbasiert analysieren und bewerten. „Mit unseren Simulationen sehen Prozessexpertinnen und -experten genau, welche Maßnahmen den größten Effekt auf die Umwelt haben und wo Einsparungen am sinnvollsten sind“, sagt Finn Klessascheck, Doktorand an der Professur für Information Systems und Erstautor der Studie. „Unternehmen können dadurch gezielt umweltfreundliche Alternativen entwickeln, ohne hohe Kosten oder Risiken einzugehen.“
Die Forschenden haben SOPA mithilfe einer Fallstudie zur Personalgewinnung an einer deutschen Universität getestet. Dabei haben die Forschenden drei Szenarien simuliert, von einem papierbasierten bis zu einem vollständig digitalen Einstellungsprozess, und die jeweiligen Umweltkosten berechnet. Dabei zeigte sich, dass der verstärkte Einsatz digitaler Kommunikation die Umweltbelastung deutlich senken kann. SOPA eignet sich aber nicht nur für Universitäten, sondern kann generell in jedem Unternehmen für nahezu alle Prozesse angewendet werden.
Prof. Dr. Luise Pufahl
Technische Universität München
Professur für Information Systems
luise.pufahl@tum.de
www.tum.de
Klessascheck, F., Weber, I. & Pufahl, L. SOPA: a framework for sustainability-oriented process analysis and re-design in business process management. Inf Syst E-Bus Manage (2025). https://doi.org/10.1007/s10257-024-00695-x
https://www.tum.de/aktuelles/alle-meldungen/pressemitteilungen/details/echte-nac...
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Informationstechnik, Wirtschaft
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch
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