Wie kann die Demokratie gestärkt werden angesichts zunehmender Angriffe von innen und außen? Unter dem Titel „Brüche – Demokratie in Zeiten der Regression“ soll eine neue Veranstaltungsreihe Erhellendes dazu beitragen. Durch die Kooperation von Goethe-Universität, Institut für Sozialforschung und Sigmund-Freud-Institut mit der Oper Frankfurt sollen neue Perspektiven entstehen. Die Initiative ist im Frankfurter Teil des Forschungsverbunds DemoReg angesiedelt.
FRANKFURT. Der hessenweite Forschungsverbund „Herausforderungen der Demokratie in Zeiten ihrer Regression – Zeiten, Räume und Diskurse“ (kurz „DemoReg“) nimmt Ursachen und Folgen demokratiegefährdender Entwicklungen in den Blick. Gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, verbindet die Initiative Grundlagenforschung mit empirischer Analyse und anwendungsorientierter Wissensproduktion – auch mit Blick auf mögliche Maßnahmen zur Demokratiestärkung.
„Indem wir als interdisziplinärer wissenschaftlicher Verbund mit der Oper zusammenarbeiten, erhoffen wir uns zusätzliche Perspektiven auf das Thema“, sagt Vera King, Professorin für Soziologie und Psychoanalytische Sozialpsychologie an der Goethe-Universität und zugleich Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts. Bei der Tagung „Nach uns die Sintflut“ im vorigen Jahr habe sich die Kooperation mit der Oper als äußerst fruchtbar erwiesen. Gerade das Musiktheater verfüge durch die Musik und die Macht der Inszenierung über große emotionale Schubkraft. „Kunst kann die affektiven Seiten des Zusammenlebens auf eigene Weise beleuchten, das ist wertvoll für das Verständnis gesellschaftlicher und politischer Dynamiken“, so King.
Den Auftakt zur Kooperation wird am 20. Juni ein öffentliches Panel in der Oper Frankfurt mit Kurzbeiträgen und Diskussion machen zum Thema „Antidemokratische Mobilisierung und die Macht der Gefühle“. Anlässlich der Neuproduktion der Oper „Tancredi“ von Gioachino Rossini kommen, moderiert vom Frankfurter Dramaturgen Konrad Kuhn, der Opernregisseur Manuel Schmitt mit der Sozialpsychologin Vera King und dem Soziologen Stephan Lessenich ins Gespräch. Die Handlung der Oper bietet zahlreiche Anknüpfungsmöglichkeiten: Die Oper erzählt von der Bedrohung einer Gemeinschaft durch innere und äußere Gefährdungen, von gesellschaftlicher Schließung und Radikalisierung als regressiven Reaktionsweisen. Für das Opernpublikum besteht nach der Veranstaltung die Möglichkeit einer Fortsetzung des Austauschs im Rahmen des Formats „Oper im Dialog“.
„Musiktheater ist eine vielschichtige Kunstform. Ein großer Reiz liegt immer auch darin, Werke aus vergangenen Epochen mit unserer Gegenwart in Beziehung zu setzen. Das kann auf sehr unterschiedliche Weise geschehen und bildet den Kern unseres kulturellen Auftrags. Von daher ist es für die Oper Frankfurt ein Glücksfall, wenn unsere Aufführungen mit wissenschaftlichen Diskursen in einen Dialog treten können – noch dazu mit so traditionsreichen und für Frankfurt prägenden Partnern wie dem Institut für Sozialforschung und dem Sigmund-Freud-Institut“, sagt Dramaturg Konrad Kuhn.
Am 10. Dezember dann soll unter Beteiligung der Oper ein ganztägiges interdisziplinäres wissenschaftliches Symposium in der ehemaligen Dondorf-Druckerei stattfinden. „Zukunftsbilder – Demokratie nach den Zeiten ihrer Regression“ lautet der Titel. „In einer Zeit, in der Zukunft verstellt zu sein scheint, ist die Öffnung von Vorstellungshorizonten ein wichtiger Beitrag zur Revitalisierung der Demokratie“, so Stephan Lessenich, Professor für Gesellschaftstheorie und Sozialforschung an der Goethe-Universität und Direktor des Instituts für Sozialforschung. Vorgesehen sind Beiträge aus Politik- und Sozialwissenschaften, Philosophie, Psychoanalyse und Sozialpsychologie sowie aus künstlerischen Perspektiven. Um welche Oper es dann gehen wird, wird Ende April bekannt gegeben.
Prof. Dr. Vera King
Professur für Soziologie und Psychoanalytische Sozialpsychologie
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Telefon 069 798-36531
E-Mail king@soz.uni-frankfurt.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
Musik / Theater, Psychologie
überregional
Buntes aus der Wissenschaft, Kooperationen
Deutsch

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