Neue App aus der FAU unterstützt Lai/-innen bei der Dokumentation archäologischer Funde
Ein Acker, frisch gepflügt. Zwischen Erdklumpen blitzt etwas auf – eine unscheinbare Scherbe, vielleicht nur ein Stein. Doch wer genauer hinsieht, könnte gleich ein Stück Vergangenheit in der Hand halten. Hier setzt ein Projekt aus dem Institut für Ur- und Frühgeschichte der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) an. Gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) und der Gesellschaft für Archäologie in Bayern haben die Forschenden eine App entwickelt, die auch Lai/-innen nutzen können, um Funde zu dokumentieren und zu melden. Prof. Dr. Thorsten Uthmeier vom Lehrstuhl für Ältere Urgeschichte und Archäologie Prähistorischer Jäger und Sammler der FAU erklärt, was es mit dem ASTRAcker auf sich hat.
Wozu die App?
Prof. Dr. Thorsten Uthmeier: In der Archäologie sind wir stark auf sogenannte „Citizen Science“ angewiesen, also auf die Mithilfe von Lai/-innen, meist ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landesämter, die mit offenen Augen durch die Natur gehen oder systematisch über Äcker laufen und nach Zeugnissen aus der Vergangenheit Ausschau halten. Allein in Bayern gibt es ein paar Tausend Menschen, die das ehrenamtlich tun. Damit diese engagierten und zum Teil sehr gut informierten Bürgerinnen und Bürger ihre Funde möglichst unkompliziert vor Ort, vor allem aber auch wissenschaftlich verwertbar, dokumentieren können, haben wir die App entwickelt.
Wie genau unterstützt die App dabei, Funde korrekt zu erkennen und zu melden?
Prof. Dr. Thorsten Uthmeier: Alles wird sehr viel einfacher. Bisher gab es in Bayern keine Software, um Funde ganz einfach mit dem Smartphone im Gelände zu dokumentieren. Häufig wurde nur grob erfasst, auf welchem Landstück ein Fund gemacht wurde, manche benutzen Meterschritte und wiederum andere GPS-Geräte, um die Lage der Funde zu verorten. Für die Meldung an das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege gab es ein analoges Formular. In der App lassen sich jetzt bereits im Gelände mit wenigen Klicks Daten zusammenführen, wie die GPS-Koordinaten des Fundortes, ein Foto des Fundes, Informationen zu Wetter und Begehungsbedingungen oder eine Beschreibung des Fundplatzes, also zum Beispiel ob der Fund auf ebener Fläche oder einem Hang gemacht wurde, ob frisch gepflügt ist, was sonst noch sichtbar ist und so weiter. Das Tolle an der App ist eine Internet-Schnittstelle zu einer eigens entworfenen Online-Datenbank beim Bayerischen Landesamt für Denkpflege, an die alle Daten auf Knopfdruck gesendet werden. In ihr können sich die Finderinnen und Finder dann ihre Fundstellen und Funde als Listen anzeigen und sogar kartieren lassen – ganz einfach über bereits vorinstallierte Befehlsfelder. Das gesamte Paket aus App auf dem Handy und Datenbank im Internet ermöglicht archäologisch Interessierten also nicht nur die Dokumentation ihrer Funde im Gelände, sondern auch erste wissenschaftliche Auswertungen.
Im Landesamt für Denkmalpflege entscheiden die Mitarbeiter/-innen, ob eine Fundstelle in die Liste der Bodendenkmäler eingetragen wird. Was wie ein trockener Verwaltungsakt klingt, ist für das weitere Schicksal von archäologischen Fundstellen von entscheidender Bedeutung: Ohne eine solchen Eintrag gehen möglicherweise für die Landesgeschichte entscheidende Informationen etwa durch Bauvorhaben für immer verloren. Die Wissenschaftler/-innen vom Amt entscheiden auch, ob zum Beispiel eine Notbergung vorgenommen werden muss – Privatleuten ist nämlich jede Art von Ausgrabungen untersagt.
Sie sprechen oft von Ehrenamtlichen. Welche Rolle spielen Lai/-innen für die moderne Archäologie?
Prof. Dr. Thorsten Uthmeier: Was Ehrenamtliche leisten, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Systematische Begehungen, zum Beispiel auf Feldern, gehören zu den klassischen Methoden, um neue archäologische Fundplätze zu entdecken. Das machen viele geschichtsbegeisterte Menschen in ihrer Freizeit. Allein in Bayern sind das mehrere Hundert. Rund 90 Prozent aller Bodendenkmäler im Freistaat – von altsteinzeitlichen Lagerplätzen aus der Zeit der Neandertaler über die ersten Siedlungen der ersten Bauern bis hin zu mittelalterlichen Wehranlagen – sind erst durch deren Engagement gefunden worden.
Woher kam die Idee, eine App für archäologische Feldbegehungen zu entwickeln?
Prof. Dr. Thorsten Uthmeier: Da gibt es eine Vorgeschichte. Mein Kollege Andreas Pastoors und ich haben bei der Erforschung menschlicher Fußspuren in Höhlen in Frankreich mit Fährtenlesern aus Namibia zusammengearbeitet. Angehörige der Gruppe der San sind exzellente Fährtenleser. Viele von ihnen dokumentieren die Tracks der Tiere ganz modern, mit einer App, die CyberTracker heißt. Mit dieser können Fotos, Geodaten und Informationen zur Fundstelle, zur Tierart, dem Geschlecht, der Art der Spur und so weiter mit dem Handy festgehalten werden. Vom Prinzip her genau, wie wir das in der Archäologie auch brauchen, wenn irgendwo ein Fund gemacht wird. Zurück an der FAU haben wir dann mit unseren Studierenden mehrere Semester lang recherchiert, welche Software es schon gibt, und getestet. Schließlich haben wir uns für die frei verfügbare Cybertracker-Software aus Südafrika entschieden, die wir dann mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und der Gesellschaft für Archäologie Bayern so angepasst haben, dass Wissenschaftler/-innen wie Lai/-innen damit arbeiten können. So entstand der ArchaeoSurveyTracker.
Heißt das, mit der App kann ich am Wochenende auf die Suche gehen?
Prof. Dr. Thorsten Uthmeier: Wenn man loszieht, um nach Funden aus der Vergangenheit zu suchen, gibt es einige zu beachten. Zum Beispiel muss man mit Besitzern oder Pächtern von Feldern abklären, ob man deren Äcker überhaupt absuchen darf. Alles, was man findet, gehört der Gesellschaft, also dem bayerischen Freistaat, muss also gemeldet werden. Und bitte, bitte, nicht selbst graben! Für uns Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist nicht nur das Fundstück an sich wichtig. Der Ort, an dem ein Objekt gefunden wurde, kann uns ganz viel darüber verraten, über seine Besitzer und seine Geschichte verraten. Dazu muss der Fundort bis zur Ankunft eines Teams aus Archäologinnen und Archäologen möglichst unberührt bleiben. Ohne eine genaue Dokumentation der Fundlage, der Fundschicht und der Beifunde sind archäologische Funde tatsächlich nahezu wertlos.
Die App selbst gibt es direkt über das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege:
https://www.blfd.bayern.de/ehrenamt-engagement/bodendenkmalpflege/
Darüber hinaus bieten das Landesamt und die Gesellschaft für Archäologie in Bayern auch Schulungen für Interessierte an, die ehrenamtlich in die Geschichte eintauchen möchten.
Bildmaterial zum Download:
https://www.fau.de/2026/04/news/citizen-science-per-smartphone/
Zur Pressemeldung des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege:
https://www.blfd.bayern.de/blfd/presse/index.html
Kontakt für Medien:
Prof. Dr. Thorsten Uthmeier
Lehrstuhl für Ältere Urgeschichte und Archäologie Prähistorischer Jäger und Sammler
thorsten.uthmeier@fau.de
Prof. Dr. Thorsten Uthmeier
Lehrstuhl für Ältere Urgeschichte und Archäologie Prähistorischer Jäger und Sammler
thorsten.uthmeier@fau.de
https://www.fau.de/2026/04/news/citizen-science-per-smartphone/ Bildmaterial zum Download
https://www.blfd.bayern.de/ehrenamt-engagement/bodendenkmalpflege/ App des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege
https://www.blfd.bayern.de/blfd/presse/index.html Zur Pressemeldung des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten
Geschichte / Archäologie
überregional
Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
Deutsch

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