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07.07.2026 14:55

Die bestmögliche Entscheidung, wenn jede Minute zählt: PRIORITAS optimiert Notfallversorgung

Christian Heyer DFKI Kaiserslautern | Darmstadt
Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

    · KI-basierte Entscheidungsunterstützung für Integrierte Leitstellen: PRIORITAS
    · Ganzheitliche Abbildung der Rettungskette vom Notruf bis zur Klinik
    · Echtzeitdaten unterstützen die Disposition von Rettungsmitteln
    · Das DFKI entwickelt die KI-Methoden und Analyseverfahren des Projekts
    · Die DRF Luftrettung beteiligt sich als Praxispartner an der Entwicklung

    Eine schnelle und zielgerichtete Notfallversorgung erfordert in den Integrierten Leitstellen täglich komplexe Entscheidungen unter hohem Zeitdruck. Disponenten müssen dabei medizinische, einsatztaktische und organisatorische Faktoren gleichzeitig bewerten. Das Verbundprojekt PRIORITAS (Präklinische Rettungsmitteloptimierung durch ein intelligentes, optimierendes, ressourcenorientiertes IT-gestütztes Analysesystem) entwickelt deshalb ein intelligentes, KI-gestütztes System, das Leitstellen bei diesen komplexen Entscheidungen unterstützt. Grundlage ist die sogenannte „Next-Best-Strategie“: Ziel ist es, für jeden Einsatz die bestmögliche Versorgungsoption zu identifizieren – von der Auswahl der geeigneten Rettungsmittel und Sicherung einer schnellstmöglichen Versorgung bis hin zur Zuweisung in die medizinisch bestgeeignete Klinik. So soll die präklinische Notfallversorgung, vom Notrufeingang in der Integrierten Leitstelle bis zur Patientenübergabe in der Klinik, weiter verbessert und wertvolle Zeit für Patienten gewonnen werden.

    Mit KI in den Leitstellen den Einsatz der Luftrettung strategisch disponieren

    Bei zeitkritischen Notfällen treffen Disponenten in den Integrierten Leitstellen innerhalb kürzester Zeit Entscheidungen, welche maßgeblich für das Leben und die spätere Genesung von Patienten sind. Sie müssen anhand der verfügbaren und abgefragten Informationen einschätzen, in welchem Zustand sich ein Patient befindet und daraus ableiten, welche Rettungsmittel benötigt werden. Neben der Verfügbarkeit der Rettungsmittel spielt auch die Aufnahmekapazität der geeigneten Kliniken eine wesentliche Rolle bei der Entscheidungsfindung. Kommt ein Luftrettungsmittel zum Einsatz, können unter anderem auch bestimmte Wetterlagen Einfluss auf die Durchführung des Einsatzes haben. Diese Vielzahl an Faktoren macht den Einsatzalltag hochkomplex – genau hier setzt PRIORITAS an, ein innovatives, durch die DRF Stiftung gefördertes KI-Projekt, das den Dispositionsprozess in den Leitstellen nachhaltig optimieren soll.

    Geballtes Forschungs-Know-how zum Wohle der Patienten

    Bisherige Systeme lassen sich nur bedingt auf situative Umstände anpassen. Sie zielen weitestgehend auf die Minimierung der Anfahrtszeit ab oder nutzen statische Vorgaben. Unter der Leitung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) entsteht ein neuartiges, KI-gestütztes Analyse- und Entscheidungssystem, das die gesamte Rettungskette sowie verschiedene Parameter erstmals ganzheitlich betrachtet. Vom ersten Notruf an bis zur Patientenübergabe in der geeigneten Klinik bündelt PRIORITAS sämtliche einsatzrelevanten Informationen in einem klar strukturierten, digitalen Lagebild. Dynamisch wechselnde Faktoren – wie die Verfügbarkeit von Rettungsmitteln und Kliniken sowie aktuelle Wetterdaten – werden dabei in Echtzeit berücksichtigt und können nahtlos in bestehende Einsatzleitsysteme integriert werden. Leitstellendisponenten erhalten systematisch aufbereitete, transparent erklärte Vorschläge, die ihre Expertise nicht ersetzen, sondern sie gezielt unterstützen und den Entscheidungsprozess begleiten. Das Ziel: die kognitive Beanspruchung senken, Entscheidungssicherheit und -qualität steigern.

    Effizientere Prozesse, bessere Versorgung – Mehrwert für alle Beteiligten im Rettungswesen

    Von den im Projekt PRIORITAS entwickelten Ansätzen profitieren unterschiedliche Akteure im Gesundheits- und Rettungswesen: Für Patienten bedeutet die optimierte Steuerung von Rettungseinsätzen vor allem kürzere Prähospitalzeiten und eine verbesserte Versorgungsqualität. Einsatzkräfte werden durch stabilere Einsatzabläufe und eine geringere Zahl an Nachalarmierungen entlastet. Leitstellen erhalten eine bessere Übersicht über verfügbare Ressourcen und können Entscheidungen konsistenter und fundierter treffen. Auch Krankenkassen und andere Kostenträger profitieren von effizienteren Prozessen, die Transport- und Behandlungskosten reduzieren können. Insgesamt trägt PRIORITAS dazu bei, die Notfallversorgung effizienter, zielgerichteter und qualitativ hochwertiger zu gestalten.

    Expertise und Netzwerk aus über 50 Jahren Luftrettung

    Die DRF Luftrettung begleitet die Entwicklung eng und bringt ihre praktische Erfahrung sowie ihr Netzwerk ein, um sicherzustellen, dass das System nicht nur technisch beeindruckt, sondern im realen Einsatzalltag überzeugt. Besonderes Augenmerk liegt auf einem verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Ziel ist es, eine Lösung zu schaffen, die nachvollziehbar, transparent und praxistauglich ist – und so das Vertrauen und die Akzeptanz der Leitstellendisponenten gewinnt. Gemeinsam mit ausgewählten Leitstellen aus Baden-Württemberg werden im Projektverlauf die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für einen Probebetrieb von PRIORITAS abgestimmt. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse werden in die weitere Entwicklung des Systems einfließen. Die Rückmeldungen aus dem echten Einsatzgeschehen sorgen dafür, dass das System Schritt für Schritt verfeinert wird und sich an konkreten Anforderungen der Praxis orientiert. Ein entscheidender Vorteil: PRIORITAS entwickelt ein innovatives Schema zur Notrufabwicklung, das bewusst als Open-Source-Projekt entsteht. Es bleibt offen, transparent und durch verschiedene Partner weiterentwickelbar – ein wichtiger Baustein für eine langfristige, bundesweite Integration.

    Projekt Kick-off am 8. April 2026 setzt ein starkes Signal

    Bereits beim Auftakttreffen Anfang April am Operation Center der DRF Luftrettung in Rheinmünster wurde deutlich, worauf es bei der Entwicklung von PRIORITAS ankommt: die enge Zusammenarbeit von Partnern aus Forschung, Luftrettung, Leitstellenbetrieb und Technologieentwicklung. Die Beteiligten bringen nicht nur ihre fachliche Expertise ein, sondern auch wertvolle Erfahrungen aus ihren jeweiligen Netzwerken. Dadurch fließen unterschiedliche Perspektiven und Erkenntnisse aus der Notfallversorgung in die Entwicklung ein.

    Ebenso wurde klar gemacht, welchen Nutzen PRIORITAS schlussendlich stiften soll: Menschen in Not schneller, sicherer und zielgerichteter die richtige Hilfe zukommen zu lassen. Wir sind überzeugt, dass PRIORITAS einen wichtigen Beitrag dazu leisten wird, Leben noch wirksamer zu retten und Ressourcen effizient einzusetzen – heute und in Zukunft.

    Über das DFKI

    Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH (DFKI) wurde 1988 als gemeinnützige Public-Private-Partnership (PPP) gegründet. Es unterhält Standorte in Kaiserslautern, Saarbrücken, Bremen, Niedersachsen und Darmstadt, Labore in Berlin und Lübeck, sowie eine Außenstelle in Trier. Das DFKI verbindet wissenschaftliche Spitzenleistung und wirtschaftsnahe Wertschöpfung mit gesellschaftlicher Wertschätzung. Das DFKI forscht seit über 35 Jahren an KI für den Menschen und orientiert sich an gesellschaftlicher Relevanz und wissenschaftlicher Exzellenz in den entscheidenden zukunftsorientierten Forschungs- und Anwendungsgebieten der Künstlichen Intelligenz. In der internationalen Wissenschaftswelt zählt das DFKI zu den wichtigsten „Centers of Excellence“. Aktuell forschen ca. 1.400 Mitarbeitende aus über 76 Nationen an innovativen Software-Lösungen.

    Über die DRF Luftrettung

    Die DRF Luftrettung mit Sitz in Filderstadt ist eine der größten Luftrettungsorganisationen Europas. Von 34 Stationen an 32 Standorten in Deutschland aus starten die Hubschrauber und Ambulanzflugzeuge der gemeinnützigen Organisation zu ihren Einsätzen. Hierzu gehören Einsätze in der Notfallrettung, Verlegungsflüge von kritisch kranken oder verletzten Personen zwischen Kliniken und Rückholungen von Patientinnen und Patienten aus dem Ausland. An 13 der Hubschrauberstationen sind die Crews rund um die Uhr einsatzbereit, an einer weiteren ist die Besatzung im Tagbetrieb mit erweiterten Randzeiten einsatzbereit. An fünf Standorten kommen Hubschrauber mit Rettungswinde zum Einsatz. Insgesamt leistete die DRF Luftrettung 36.407 Einsätze im Jahr 2025. Für den kontinuierlichen Ausbau ihrer lebensrettenden Aufgabe ist die gemeinnützige Luftrettungsorganisation auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Rund 400.000 Fördermitglieder weiß der DRF e.V. bereits an seiner Seite.

    Über die DRF Stiftung

    Die DRF Stiftung engagiert sich als förderndes Organ für die Verbesserung der Notfallhilfe und Rettungsmedizin, insbesondere durch den Einsatz mit Luftfahrzeugen. Als Stiftung bürgerlichen Rechts unterstützt sie konkrete Projektvorhaben, die nachhaltige und positive Veränderungen in der Notfallversorgung bewirken.

    Pressekontakt:

    DFKI Communications & Media Kaiserslautern/Trier
    Trippstadter Str. 122
    67663 Kaiserslautern
    Communications-KL@dfki.de

    DRF Stiftung
    Rita-Maiburg-Straße 2
    70794 Filderstadt
    presse@drf-luftrettung.de


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Eric Rietzke
    Stellvertretender Forschungsbereichsleiter
    DFKI Forschungsbereich Erfahrungsbasierte Lernende Systeme
    Eric.Rietzke@dfki.de


    Weitere Informationen:

    https://www.dfki.de/web/news/die-bestmoegliche-entscheidung-wenn-jede-minute-zae... Diese Pressemitteilung auf DFKI.de
    https://www.drf-stiftung.de Weitere Informationen zur DRF Stiftung


    Bilder

    DRF Luftrettung
    DRF Luftrettung
    Quelle: Bauer
    Copyright: DRF Luftrettung


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Informationstechnik, Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte, Kooperationen
    Deutsch


     

    DRF Luftrettung


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