Mehr Freiheit bei der Studiengestaltung, neue Lehrformate, Experimentierklausel: Regeln für Studiengänge werden modernisiert.
Der Senat der Goethe-Universität hat am Mittwoch eine neue Rahmenordnung für die Studiengänge an der Hochschule beschlossen. Sie verfolgt das Ziel, Studierbarkeit, Transparenz und chancengerechte Studienbedingungen unter Berücksichtigung unterschiedlicher Fachkulturen und Studienstrukturen weiterzuentwickeln. Von Bedeutung sind mehr Flexibilität bei der Studiengestaltung, die bessere Berücksichtigung von Diversität, ehrenamtlichem Engagement und persönlicher Belastungssituationen sowie die Verankerung moderner, auch digitaler Lehrformate.
FRANKFURT. Die „Rahmenordnung für gestufte und modularisierte Studiengänge an der Goethe-Universität“ bildet den rechtlichen Rahmen für Studium und Lehre. Seit Beginn 2025 wurde sie in einem aufwändigen Beteiligungsverfahren überarbeitet, weil sich seit der letzten Novellierung 2020 viele Bedingungen und Anforderungen an Studium und Lehre weiterentwickelt haben. Die konkrete Ausgestaltung der Studiengänge bleibt wie bisher im Gestaltungsspielraum der Fachbereiche, die für jeden Studiengang eine Studien- und Prüfungsordnung erlassen. Die Rahmenordnung gibt dafür Leitplanken vor.
„Es ist unsere Aufgabe, die Rahmungen für die Studierenden und Lehrenden regelmäßig den sich weiterentwickelnden gesellschaftlichen, rechtlichen und technologischen Gegebenheiten anzupassen“, erläutert Viera Pirker, Vizepräsidentin für Studium und Lehre der Goethe-Universität. „Wir haben in einem breiten und hochgradig diskursiven Dialogprozess um diese Bedingungen gerungen und die Abwägung verschiedenster Interessen vorgenommen, die von den rechtlichen Regelungen auf lange Sicht berührt werden. Raum für Innovation und Gestaltung, Offenheit für Individualität und Lebenslagen, Transparenz, Rechtsklarheit und Gestaltungsspielräume für die verschiedenen Fächerkulturen standen dabei immer im Zentrum.“
Was wird neu?
Die novellierte Rahmenordnung stärkt Chancengerechtigkeit und Flexibilität im Studium. Sie trägt unterschiedlichen Lebensrealitäten von Studierenden stärker Rechnung und erweitert die Möglichkeiten der Fachbereiche, für ihre jeweiligen Studiengänge die passenden Bedingungen zu kreieren. Sie ermöglicht zudem neue Lehrveranstaltungs- und Prüfungsformate. Im Bachelorstudium wird der Profilierungsbereich künftig deutlich ausgeweitet – von bisher mindestens 4 Credit Points auf künftig mindestens 15 CP, also den Umfang eines halben Semesters. Damit erhalten Studierende erheblich mehr Freiheit für individuelle Schwerpunktstudien, interdisziplinäre Kompetenzen, Sichtbarmachung ihrer persönlichen Bedarfe und Interessen sowie die Anerkennung von Studienleistungen. Die Ausgestaltung dieses neuen Profilierungsbereichs ist zentrales Thema des durch die „Stiftung Innovation in der Hochschullehre“ geförderten Lehrarchitektur-Projekts „Academic Cross-Disciplinary Culture“.
Die neue Rahmenordnung schafft erstmals einen gesamtuniversitär verbindlichen Ordnungsrahmen für onlinegestützte, hybride und asynchrone Elemente in der Lehre. Sie ermöglicht den Fachbereichen und Lehrenden eine flexible didaktische Gestaltung von Lehrveranstaltungen, betont zugleich aber die Bedeutung campusbasierter Lehre, der Studierbarkeit und chancengerechter Zugangsbedingungen – beides wichtige Anliegen der Studierenden. Die Rahmenordnung reagiert auch auf die zunehmende Bedeutung von Künstlicher Intelligenz in Studium und Lehre. Sie schafft einen Rahmen für den Umgang mit KI in Studiengängen und Prüfungen und verbindet die Möglichkeit ihres Einsatzes und die Entwicklung fachspezifischer Konzepte mit klaren Transparenz- und Dokumentationspflichten der Studierenden. Beide Wege werden bestätigt durch die jüngst veröffentlichten Empfehlungen des Wissenschaftsrats zur Hochschulbildung in Zeiten generativer KI („Intellektuelle Souveränität“, 6.07.2026.)
Ein Novum der Rahmenordnung ist die Experimentierklausel. Sie ermöglicht es den Fachbereichen, innovative Lehr- und Studienformate unter kontrollierten Bedingungen zu erproben und weiterzuentwickeln. So schafft die Universität Raum für Innovation, ohne auf Qualitätssicherung und Evaluation zu verzichten.
Parallel zur Rahmenordnung wurde zudem eine gesamtuniversitäre Satzung zum Nachteilsausgleich erarbeitet und verabschiedet.
Die Rahmenordnung entstand seit Februar 2025 in einem breit angelegten Beteiligungsprozess. Schon der im Oktober 2025 vorgelegte Erstentwurf wurde in einem offenen Verfahren erarbeitet, bei dem auch AStA, Fachschaften und Studierende eingeladen waren, ihre Perspektiven einzubringen. Dieser Entwurf wurde dann der gesamten Hochschulöffentlichkeit zur Bewertung im Stellungnahmeverfahren vorgelegt und erregte auch öffentliche Aufmerksamkeit. Alle universitären Statusgruppen wurden strukturiert eingebunden– selbstverständlich auch die Fachschaften und der AStA, sowie die Beauftragten etwa für Gleichstellung und Inklusion. In dem Verfahren gingen mehr als 150 Stellungnahmen mit weit mehr als 1000 Anregungen ein. Diese Rückmeldungen wurden ausgewertet und in mehreren Beratungsrunden der zuständigen universitären Gremien diskutiert. Zudem wurden mehrfach Perspektiven und Erfahrungen anderer Universitäten eingebunden.
Studentische Vertreter*innen waren kontinuierlich am Prozess beteiligt. Anregungen aus dem Beteiligungsprozess führten beispielsweise bei den Regelungen zu Beratung und Unterstützung im Studienverlauf zu Anpassungen. Impulsen des Senats folgend, wurden die Möglichkeiten der Integration von Angeboten der Studien(verlaufs)beratung intensiv ausgelotet und zwischen den Polen der Verbindlichkeit und Freiheit neu positioniert. Die Eigenständigkeit der Studierenden wird hervorgehoben. Auch wird die Anzahl von möglichen Prüfungswiederholungen erweitert. Auf der gemeinsam ausgehandelten Grundlage wurde die Rahmenordnung überarbeitet und schließlich vom Senat am 8. Juli 2026 beschlossen.
Weitere Informationen
Prof. Dr. Viera Pirker
Vizepräsidentin für Studium und Lehre
Goethe-Universität Frankfurt
Assistentin: Andrea Grebe (grebe@pvw.uni-frankfurt.de)
E-Mail: vp-lehre@ltg.uni-frankfurt.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
Pädagogik / Bildung
regional
Organisatorisches, Studium und Lehre
Deutsch

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